Ein unerwarteter Fund

Reste eines Augustinerklosters in Herford werfen ein Schlaglicht auf die Geschichte der Reformation

Bei Bauarbeiten in der Herforder Brüderstraße kamen Reste einer Klosterkirche zutage. Zu sehen ist ein Teil der nördlichen Kirchenmauer des Augustinerklosters.

 

Herford. In der Herforder Brüderstraße haben Archäologen des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) die Reste einer Klosterkirche aus der Zeit um 1300 entdeckt. Zwar war die Lage der Kirche des ehemaligen Augustiner-­Eremiten-Klosters aus historischen Plänen bekannt, doch ging man bisher davon aus, dass Baumaßnahmen der vergangenen Jahrzehnte alle Fundamente beseitigt hätten. Deshalb war es eine Überraschung für die Archäologen, als sie in der Altstadt einen fünf Meter langen Mauerabschnitt der Kirchennordmauer entdeckten.

Neben der Mauer des Klosters, das im 18. und 19. Jahrhundert abgerissen wurde, entdeckten die Archäologen in der Fundamentgrube auch Keramikteile. Sie können ins späte 13. oder 14. Jahrhundert datiert werden und passen daher gut zu der zwischen 1280 und 1300 erbauten Kirche. Sandsteinbruchstücke wie Säulen und Fensterrahmen geben einen ersten Eindruck vom Aussehen der Klosterkirche. „Das ergab sich so aus den erhaltenen Plänen leider nicht – umso wertvoller ist der aktuelle Befund“, erklärt Dr. Sven Spiong, Leiter der Bielefelder Außenstelle der LWL-Archäologie für Westfalen. Im Zuge des Neubaus soll diese Mauer nun allerdings verschwinden. Immerhin sollen die Steine nach dem Abtragen der Mauer in die Wand eines Treppenhauses wieder eingelassen werden. Damit ist Sven Spiong einverstanden. Vor allem, weil die Maueransicht in dem Treppenhaus dann öffentlich zugänglich ist. Zudem mache ein Wiederaufbau der Mauer oder eine Wiederverwendung der Steine an anderer Stelle wenig Sinn. Wichtig ist für die Archäologen der historische räumliche Zusammenhang.

Der Konvent der Augustiner-­Eremiten war 1288 gegründet worden. Überliefert ist, dass Kaiser Karl IV. im Jahr 1377 in dem Kloster übernachtete. Im 15. Jahrhundert gab es im Kloster Reformbemühungen, aber auch Auseinandersetzungen mit der Stadt. 1478 schränkte der Stadtrat die Rechte des Konventes ein, verbot ihm etwa auf öffentlichen Plätzen zu predigen oder in städtischen Kirchen die Messe zu feiern. Mit Beginn der Reformation vor 500 Jahren hielt das Gedankengut Martin Luthers früh Einzug bei den Augustinern. Bereits in den 1520er-Jahren wurde die Reformation im Kloster eingeführt. Der Augustiner-­Eremit Johann Dreier gilt als der Reformator Herfords. Er verließ den Konvent 1530 und wurde erster lutherischer Prediger am Herforder Münster. Die Aufhebung des Klosters erfolgte 1540.

Nach der Aufhebung des Konventes wurden die Besitzungen an die Stadt und die Reichsabtei Herford übergeben. Die vermutlich der Muttergottes Maria geweihte Klosterkirche, deren Rest man nun gefunden hat, wurde zweigeteilt. Der östliche Teil wurde Schulkirche, der westliche Speicher. Seit 1692 diente der westliche Teil als evangelisch-­reformierte Pfarrkirche. Dieser Teil wurde 1772, die Schulkirche 1806 abgebrochen.

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