Ein guter Grund zu feiern

St. Patrokli in Soest begeht sein 850-jähriges Jubiläum / Pontifikalamt mit Erzbischof Becker

Das Pontifikalamt mit Erzbischof Hans-Josef Becker bildete den Auftakt einer St.-Patrokli-Jubiläumswoche in Soest.Foto: Körtling

 

Soest. Die Soester nennen die Propsteikirche St. Patrokli ganz selbstbewusst ihren Dom. Da sich in diesem Jahr die Schlussweihe zum 850.Mal jährt, findet eine ganze Veranstaltungswoche statt, die am Sonntag durch ein Pontifikalhochamt mit Erzbischof Hans-Josef Becker feierlich eröffnet wurde.

Beim festlichen Einzug schritten die Würdenträger und Ministranten rechts vom Hauptschiff auf den Altarraum zu, denn der Domchor nahm mit einer Bühne den gesamten hinteren Raum ein. Dann übernahm Propst Josef Heers, als Hausherr, die Begrüßung. Neben Erzbischof Becker nannte er besonders Monsignore Bernhard Schröder, den Präses des Diözesan-Cäcilienverbandes. Das hatte einen Grund, denn neben dem 850-­jährigen Schlussweihejubiläum von St. Patrokli gab es gleich noch einen Grund zu feiern: Der Soester Domchor feiert in diesem Jahr sein 130-­jähriges Bestehen.

Was für ein Leistungsvermögen der Chor hat, wurde an diesem Tag deutlich: Unter der Leitung von Stefan Madrzak präsentierten die Sänger – mit den Solo-Baritons Justus Seeger, Thomas Stenzel und Fabian Strotmann – sowie Daniel Tappe an der Orgel, Kathedralmusik von Charles-Marie Widor, César Franck und Pierre Villette.

Zunächst ging Heers noch auf die Geschichte der am 5. Juli 1166 vom Kölner Erzbischof Rainald von Dassel geweihten, damaligen Stiftskirche ein. Er dankte allen, die in dessen langer Geschichte an dieser Kirche mitgebaut haben. St. Patrokli gilt als der Inbegriff der Romanik in Westfalen. Neben der Architekturgeschichte lohne es sich auch, an die Generationen zu denken, die alle Stationen ihres Lebens mit dieser Kirche verbunden haben.

Erzbischof Becker begann seine Predigt mit einem herzlichen Gruß an die Gemeinde, die das gesamte Gotteshaus füllte. Es sei ein Zeichen für das Selbstbewusstsein der Soester Bürger, ihre Hauptkirche als Dom zu bezeichnen. Doch könnten sie auch durchaus Stolz auf ihren Dom sein, sagte der Rzbischof. Auch wenn Soest erst 1821 von Köln zum Erzbistum Paderborn gekommen sei, so gehe es ihm in St. Patrokli oft wie im hohen Dom zu Paderborn: Dort spüre er, dass Kirchen Orte seien, an denen sich Himmel und Erde berühren.

Doch wolle er keinen Vortrag über Kirchen- oder Kunstgeschichte halten, ergänzte der Erzbischof. Für seine Predigt wolle er einen Gedanken aufgreifen, der auch ein wenig Provokation sein solle: Das Erbe des Christentums sei die Frohe Botschaft des Evangeliums. Darum seien die Kirchen früher auch so reich ausgestaltet worden – um dafür zu begeistern! Heute erlebe er es jedoch auf allen Ebenen, dass immer nur geklagt würde. „Jammern macht nicht gesellig“, rief der Erzbischof den Gläubigen zu und forderte sie auf, der Kirche zu Frische und Lebendigkeit zu verhelfen. Das sei schließlich die Aufgabe jedes getauften Christen.

Die Glaubensweitergabe sei zuallererst die Aufgabe der Familien. Durch das eigene Beispiel, durch Begeisterung und Antworten, wenn Fragen gestellt würden. Nur so könne die Flamme der Liebe und des Glaubens weitergegeben werden. Das machte Becker auch anhand seiner eigenen Biografie klar: Er habe immer das Glück gehabt, gute Menschen und Vorbilder zu finden. Heute sei diese Anbindung der Jugend oft abgerissen. „Da sind wir alle gefragt“, sagte der Erzbischof und verwies darauf, dass ein „Abwälzen“ der Glaubenserziehung auf Geistliche und Lehrer nicht genüge. Beim Wechsel auf die weiterführenden Schulen wüssten viele Kinder nichts von den elementarsten Grundlagen des Glaubens.

Dann wandte sich Becker an die älteren Gemeindemitglieder: „Ich bitte Sie, bringen auch Sie sich ein, um den Glauben weiterzugeben.“

Danach schlug er eine Brücke zurück zum Jubiläum und endete mit dem Wunsch, dass dieser Dom die Menschen auch weiterhin ermutigen möge, den Schritt in die Zukunft zu wagen. Nachdem dieses Pontifikalamt mit herausragendem Gesang und einem sehr guten Orgelsolo von Tappe geendet hat, schloss sich ein großer Empfang im Kreuzgang und dem Patroklushaus an.

Am Dienstagabend folgte eine Messe mit Organumgesängen aus der Entstehungszeit des Domes mit anschließendem Konzert. Am Mittwoch gab es einen Schülertag und einen Geschichtsvortrag, Donnerstag folgte eine Messe für Senioren mit anschließendem Vortrag, Freitag werden Führungen angeboten und an diesem Sonntag endet die Woche mit einer Familienmesse und einem Empfang.

Peter Körtling

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