Demnächst „Sundays for Future“?

Gedanken zu Lk 12,49-53

Unter dem Motto „Fridays for Future“ (Freitage für die Zukunft) streiken seit Monaten weltweit, wie hier in Rom, immer freitags überwiegend junge Leute für den Klimaschutz. Im Internet schlägt der 16-jährigen Initiatorin Greta Thunberg übrigens erstaunlich viel Hass entgegen. Foto: KNA

 

Wenn Christen gemeinsam ans Werk gehen, wird ihr Tun erfolgreich sein.

von Klaus Krüger

Prof. Nicholas Christakis ist Soziologe und Arzt an der Yale University/USA. Er erforscht Evolution, Geschichte und Gegenwart des Menschen und der Gesellschaft. Unter anderem weist er darauf hin, dass sich öffentliche Wahrnehmung und Medien zu sehr darauf konzentrieren, dass der Mensch eine Gefahr und gewalttätige Bedrohung ist. Dies sei normal, da wir uns schützen wollen und Medien größere Aufmerksamkeit gewinnen. Was Menschen auszeichnet und unsere Art erfolgreich macht, ist deutlich weniger im Blick.

Die positiven Beiträge zur Entwicklung der Gesellschaft führen soziologisch zum Erfolg. Die negativen, destruktiven Fähigkeiten werfen Erreichtes zurück. Würden wir uns mehr unserer Stärken bewusst, könnten wir Rückschläge besser vermeiden.

Menschen haben anderen Spezies gegenüber einen Vorteil. Wo sich normalerweise nur der Stärkere durchsetzt und fortpflanzt, durchbricht der Mensch das Gesetz des Stärkeren mit dem Gesetz des Erfolgreichen. Der Erfolgreiche ist nicht notwendigerweise der Stärkere.

Menschen können nicht nur wie andere lernen, sie können lehren. Sie können Wissen und Erkenntnis kommunizieren und so gegenseitig profitieren. Unsere Stärke liegt in der Vernetzung, nicht in der Abgrenzung; in der Fähigkeit zur Toleranz, nicht im Argwohn und im Misstrauen. Im Miteinander sind wir erfolgreich, nicht durch Gegeneinander und Konkurrenzdenken. Prof. Christakis hat das als Erfolgsgeschichte der menschlichen Evolution gut belegt.

Was ist das Geheimnis des Erfolges? Wie schafft es der Mensch, auf Dauer dem Stärkeren nicht zu unterliegen?

Er hat eine besondere Beziehungsfähigkeit, die ein Mitei­nander möglich macht. Die stärkste Beziehung, die wir kennen, ist die Liebe. Sie ist das Geheimnis des Erfolges und gleichzeitig für Christen ein Geheimnis des Glaubens.

Christus hat das Feuer der Liebe auf die Erde geworfen und sie hat sich wie ein Flächenbrand ausgebreitet. Und die Liebe hat viele Feinde! Sie ist erfolgreicher als das Gesetz des Stärkeren, und der wehrt sich mit aller Macht. Er kämpft mit Gewalt, Terror, Krieg, Zerstörung und bringt den Tod. Er bekämpft seinesgleichen und die „Erfolgreichen“. Diese sind nicht immer auch schwach und wissen sich durchaus zu wehren. Aber sie kämpfen für Menschenwürde, Gleichberechtigung, Toleranz und Gerechtigkeit, für Mitmenschlichkeit, Hilfsbereitschaft und Vertrauen. Bei denen, die glauben, hat der Tod nicht das letzte Wort. Wo Werte nur solange gelten, wie sie den eigenen Interessen dienen, wo Unehrlichkeit, Fake News und Populismus nur dem eigenen Vorteil dienen, da spaltet die Liebe Nationen und Völker, Gesellschaft und Kirche, bis hinein in die Familien. Schönreden kann ich mir das nicht, aber meine Hoffnung bleibt. Ich vertraue Christus mehr als weltlichen Organisationen, auch wenn diese sich auf ihn berufen.

In der Welt hat „Fridays for Future“ auf Dauer bessere Chancen auf Erfolg, weil es hier mit jugendlichem Feuer­eifer um die Bewahrung der Schöpfung geht und nicht um die Wahrung politischer, nationaler und finanzieller Inte­ressen.

Vielleicht gibt es bald „Sundays for Future“, wo Junge und Alte mit Feuereifer den Glauben bezeugen, den uns Christus gelehrt hat. Weder weltfremdes Halleluja-­Christentum auf Schmusekurs noch realitätsferner Fundamentalismus mit Exklusiv­anspruch auf Seelenheil.

Sie werden viele Feinde haben, in der Welt und in der Kirche und mit anderen in Zwietracht leben. Aber im Feuer der Liebe brennt Christus mit ihnen und er ist erfolgreicher als das Gesetz des Stärkeren.

Zum Autor:

Diakon Klaus Krüger ist ­Mitarbeiter am Johann-Adam-Möhler-Institut für Ökumenik und Polizeiseelsorge.

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