Auf den Spuren Hölderlins

Geschichtsträchtig: Kultur und Natur genießen im Gräflichen Park in Bad Driburg

Inspirierender Ort: Hölderlin war vom Park fasziniert. Foto: Schäfer

 

Bad Driburg. Er ist romantisch, weitläufig, eröffnet spannende Ausblicke und ist zudem eine Oase der Ruhe und Erholung. Kein Wunder also, dass sich damals wie heute viele Künstler, Philosophen und Literaten vom 64 Hektar großen Gräflichen Park in Bad Driburg begeistern lassen. Im Juli 1796 avanciert der Landschaftspark zur großen Bühne für eine berühmte Liebesgeschichte, die in die Literaturgeschichte einging. Hauptdarsteller sind der 26-jährige Dichter Friedrich Hölderlin und die ein Jahr ältere Susette Gontard aus Frankfurt.

von Martina Schäfer

Mehr als ein halbes Jahr arbeitet Hölderlin 1796 schon bei der gut situierten und weltoffenen Familie Gontard. Auf Wunsch des besorgten Ehemannes fliehen im Juli der angestellte „Hofmeister“, die kunstsinnige Bankiersgattin, ihre vier Kinder und die Gesellschaftsdame vor den anrückenden napoleonischen Truppen zunächst nach Kassel und von dort aus in das damals noch recht unbekannte westfälische Kurbad am Rande des Teutoburger Waldes.

Im beschaulichen Bad Driburg erlebt Hölderlin, der in diesem Jahr 250 Jahre alt geworden wäre, Tage des Glücks. Es werden die schönsten Wochen im Leben des Dichters, der die Schönheit der Natur, den idyllischen Ort und die Nähe der geliebten Frau in vollen Zügen genießt. Hölderlin schreibt: „In unserem Bade lebten wir sehr still und machten weiters keine Bekanntschaften, brauchten auch keine, denn wir wohnten unter herrlichen Bergen und Wäldern und machten uns selbst die besten Cirkel aus.“

Ein „Ort des ländlichen Vergnügens“

Die „wilde, schöne Gegend“ erscheint dem Dichter als heroisch, mythologisch aufgeladene Landschaft, „da wir wahrscheinlich“, so glaubt er, „eine halbe Stunde von dem Thale wohnten, wo Hermann die Legionen des Varus schlug.“ Hölderlin gefällt das junge Kurbad, das Caspar Heinrich von Sierstorpff 1781 als „Ort des ländlichen Vergnügens“ gründet, außerordentlich. Und Susette Gontard wird in diesen Wochen zu seiner Muse, die er nach dem griechischen Philosophen „Diotima“ nennt.

Muse bekommt ein literarisches Denkmal

Die geliebte Frau beflügelt ihn, sie wird zur Schlüsselfigur seines Lebens und seines Werkes. Hölderlin setzt seiner großen Liebe in seinem lyrischen Briefroman „Hyperion“ (1797/1799) ein literarisches Denkmal und erinnert damit an die Zeit, in der „Diotima“ und er ihre Liebe inmitten reizvoller Natur genossen. In einer Ode schwärmt er: „Nur einen Sommer gönnt, ihr Gewaltigen! Und einen Herbst zu reifem Gesange mir, daß williger mein Herz, vom süßen Spiele gesättiget, dann mir sterbe.“ Doch die heimliche Beziehung zwischen dem mittellosen Dichter und der verheirateten Bankiersgattin zerbricht an den gesellschaftlichen Konventionen, ihre Liebe bleibt unerfüllt.

Wer heute durch den Gräflichen Park bummelt, kann Hölderlins Begeisterung für die natürlich wirkende Gartenkunst nachvollziehen. Weit geschwungene Wege, jahrhundertealte Bäume, viele spannende Sichtachsen, farbenprächtige Blumenbeete, ein kleines Wildgehege und der Staudengarten von Piet Oudolf regen zu Entdeckungen an. Rechter Hand ist auf einer leichten Anhöhe der Hölderlin-Hain zu finden. Darauf stehen Denkmal und eine Stahlplastik. Gegenüber im großen Teich thront auf einer eigenen, verwunschen wirkenden Diotima-Insel die wunderschöne Säulenskulptur mit dem Bildnis von Susette Gontard. So steht sich das Paar gegenüber– irgendwie nah und doch unüberwindbar voneinander getrennt.

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