Aller guten Dinge sind drei

Für Künstler ist die Dreifaltigkeit ein echtes Problem

Was es mit der Dreifaltigkeit auf sich hat, ist nicht einfach zu erklären. Gott in drei Personen? Manchmal hat man das Gefühl, es verstanden zu haben, doch sobald man versucht, es in Worte zu fassen, entgleitet einem die Sache. Dabei kann man noch froh sein, dass man die Dreifaltigkeit nicht ins Bild bringen soll. Damit ist man nämlich der Häresie gefährlich nahe. Wenn man den dreieinen Gott darstellen will, sind doch schnell drei Figuren (also drei Götter?) zu sehen – was falsch wäre – oder eine Art Monster (so formulierte es Kardinal Bellarmin einmal), ein Wesen mit einem Leib und drei Köpfen. Die Einheit der Dreifaltigkeit ist das Problem – zumindest in der Kunst.

Ein „Dreigesicht“ eines anonymen Künstlers, auch ein Versuch, die Dreifaltigkeit darzustellen. Foto: picture-alliance

 

Oft haben sich die Künstler dann damit geholfen, ein Symbol zu wählen: das Dreieck. Dies wiederum ist nun kein exklusiv christliches Motiv: Berge, oft als Orte der Gottesbegegnung verehrt, sehen aus wie Dreiecke, die Pyramiden natürlich, heute zudem etliche Warn- und Hinweisschilder. Das christliche Dreieck ist das gleichseitige, alle drei Seiten sind gleich lang. Später wurde es mit eindeutigen Attributen ergänzt: als Nimbus, also Quasi-Heiligenschein für Gottvater, mit einem Auge im Inneren oder auch dem Gottesnamen.

Losgelöst von aller Symbolik ist das Dreieck zunächst eine geometrische Form, die es in sich hat: erstaunlich simpel, erstaunlich komplex. Es ist sozusagen die Mindestanforderung einer Fläche. Die Verbindung zweier Punkte ergibt eine Linie, ab drei Punkten wird daraus eine Fläche, wenn sie nicht alle auf einer Geraden liegen. Die Verhältnisse der drei Linien zueinander – je nachdem, ob sie gleich oder unterschiedlich lang sind – haben schon die Mathematiker im alten Griechenland fasziniert. Zudem gibt es noch drei Winkel innerhalb des Dreiecks , Innen- und Umkreise, über die man auch allerlei Berechnungen anstellen kann. Man erinnert sich dunkel an Begriffe wie Sinus und Kosinus oder an den Satz des Pythagoras, der ja kein wegweisendes Zitat, sondern eine mathematische Formel ist, mit der man die Länge einer Dreiecksseite anhand der Längen der anderen beiden berechnen kann: a2 + b2 = c2.

Welche Formel auch immer angewendet wird: Berechnet werden die Beziehungen rund um ein Dreieck und da ist man nun wieder bei der Dreifaltigkeit. Auch hier geht es letztlich um die Beziehungsfähigkeit Gottes. Und so ahnt man, dass zum Beispiel das berühmte Dreihasenfenster im Paderborner Dom doch eine ziemlich kluge Darstellung der Dreifaltigkeit ist. Zu sehen ist bekanntlich dies: „Es sind der Hasen und der Löffel drei und doch hat jeder Hase zwei.“

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