Abschied nach mehr als 370 Jahren

Die Franziskaner feiern am Sonntag einen letzten Gottesdienst in Wiedenbrück

Den Eingang zum Franziskanerkloster möchte eine neu gegründete Genossenschaft auch in Zukunft offen halten. Foto: Leskovsek

 

Rheda-Wiedenbrück (wl). Die Leitung der Deutschen Franziskanerprovinz hat beschlossen, im Sommer 2020 das Kloster in Wiedenbrück zu schließen. Bereits im letzten Jahr hatte das Provinzkapitel sich für einen „zeitnahen“ Abschied von Wiedenbrück ausgesprochen. Der Abschiedsgottesdienst findet nun bereits an diesem Sonntag, 28.Juni, um 15.00 Uhr im engsten Kreis statt.

 Der Gottesdienst wird jedoch per Livestream aus der Marienkirche übertragen, zu finden ist der Link unter: www.franziskaner-wiedenbrueck.de Die Schließung des traditionsreichen Klosters nach über 370 Jahren ist auch für die Franziskaner eine schmerzliche Zäsur. 1644 hatte der Osnabrücker Fürstbischof Franz Wilhelm von Wartenberg den Minderbrüdern die Seelsorge an der Marienkirche übertragen. Seitdem gab es, mit einer kurzen Unterbrechung im Kulturkampf, eine durchgehende Präsenz der Ordensbrüder in Wiedenbrück. An wenigen anderen Orten sind sie so eng mit der Bevölkerung der Stadt und des Umlandes verbunden wie gerade in Wiedenbrück. Dennoch sahen sich die Franziskaner gezwungen, neben anderen Niederlassungen auch das Kloster in Wiedenbrück aufzugeben.

Begleiter auf Zeit

Guardian Korbinian Klinger nimmt die Schließung mit einer bewundernswerten Gelassenheit. Das passt zu den Franziskanerbrüdern, die sich als Begleiter auf Zeit verstehen, aber nicht auf Lebenszeit. Auch dass es jetzt ein stiller Abschied wird, scheint ihn nicht zu belasten. „Das passt zu unserer Lebensform, bei der der Glaube und eine konsequente Hinwendung zu Gott im Vordergrund stehen“, sagt der Guardian.

Wenige Habseligkeiten

Mit nur wenigen Habseligkeiten, insbesondere Büchern, geht Bruder Korbinian ins Kloster Kreuzberg in der Rhön. Bruder Rigobert wird nach Ohrbeck vor den Toren Osnabrücks in eine Klostergemeinschaft wechseln, und Bruder Richard wird nach 16 Jahren Aufenthalt in Wiedenbrück zurück in die Diözese Münster gehen und dort für die Mitbewohner im Kloster Dorsten Habite nähen. Denn nähen ist seine große Leidenschaft.

In wenigen Tagen also werden die Franziskaner stillschweigend in den Bulli steigen und jeder für sich an einem anderen Ort weiterleben. „Das, was wir im Herzen tragen, können wir überall mit hinnehmen. Der Rest ist nur Ballast“, sagen die drei Ordensbrüder. Für Bruder Korbinian, Bruder Richard und Bruder Rigobert bedeutet ein Abschied auch immer einen Neuanfang. Sie würden weder an Gebäuden noch an Städten hängen, betonen die drei. Vielmehr wollen sie ihr Herz öffnen für neue Dinge, neue Eindrücke und Menschen.

Genossenschaft gegründet

Um das Klostergebäude einschließlich Jugendgästehaus und Klostergarten auch künftig als einen Raum für bürgerschaftliche, spirituelle und kulturelle Begegnungen offen zu halten, haben bereits am 20.Januar dieses Jahres engagierte Frauen und Männer aus Wiedenbrück eine Genossenschaft gegründet, was Guardian Korbinian Klinger sehr begrüßt: „Auch nach unserem Weggang soll dieser traditionsreiche Ort Menschen zusammenführen, Jugendarbeit ermöglichen und so fest in der Bevölkerung verankert bleiben. Wir freuen uns sehr über diese Initiative und hoffen, dass auf diese Weise unserem Kloster eine gute Zukunft gesichert werden kann.“


 

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