Achtsam in die Stille lauschen – Gedanken zum 4. Advent

In diesem Jahr ist die Sehnsucht nach Frieden und Stille besonders groß. Im Advent berichten ­Christinnen und Christen darüber, welche Bedeutung Stille in ihrem Leben hat und wo und wie sie sie finden.

Fürchtet euch nicht, denn siehe, ich verkünde euch eine große Freude, die dem ganzen Volk zuteilwerden soll: Heute ist euch in der Stadt Davids der Retter geboren; er ist der Christus, der Herr. (Lk 2,10 f.)
Fürchtet euch nicht, denn siehe, ich verkünde euch eine große Freude, die dem ganzen Volk zuteilwerden soll: Heute ist euch in der Stadt Davids der Retter geboren; er ist der Christus, der Herr. (Lk 2,10 f.)
veröffentlicht am 23.12.2023
Lesezeit: ungefähr 4 Minuten

In diesem Jahr ist die Sehnsucht nach Frieden und Stille besonders groß. Im Advent berichten ­Christinnen und Christen darüber, welche Bedeutung Stille in ihrem Leben hat und wo und wie sie sie finden.

Mein Alltag als Referentin in der Abteilung Schulpastoral im Generalvikariat ist durch viele Aufgaben geprägt – Multi­tasking ist gefragt und oftmals nehme ich den ein oder anderen Gedanken auch mit nach Hause. Dort warten weitere Anfragen und Verabredungen auf mich und ich stelle fest: Ich bin gerne und oft mit Menschen in Kontakt, ich bin viel „im Außen“ unterwegs.

In Fortbildungsveranstaltungen versuche ich Lehrkräften hingegen zu vermitteln: Bitte nehmt euch in eurem Alltag auch einmal bewusst Zeit für euch, verliert euch nicht in Aufgaben, fühlt euch nicht zu sehr von äußeren Einflüssen und Anforderungen getrieben und bestimmt.

Wie schaut es bei mir aus?

Nehme ich mir auch solche Aus-­Zeiten? Gelingt mir das eigentlich – dieses „Bei mir sein“?

In diesem Jahr habe ich bewusst eine solche Auszeit geplant. Ich buchte im Bildungshaus St. Bonifatius in Elkeringhausen einen Kurs zum Thema Achtsamkeit. Die Referentin Maria Köhne führte uns als ­Teilnehmer­*­innen in die Form einer bewussten Gegenwartswahrnehmung ein: Indem wir lernten, ganz im Augenblick zu sein und mit allen Sinnen unsere Umwelt wahrzunehmen – ohne sie zu bewerten – übten wir die Haltung einer aktiv gestalteten Gelassenheit und des Ankommens bei uns selbst ein. Dabei halfen uns körperliche Übungen – und wir benötigten Zeit – Zeit für uns selbst.

Besonders herausfordernd war der Tag der Stille: Einen Tag lang ließen wir uns auf das ­Experiment ein, ganz bei uns zu sein: nicht zu sprechen, nicht zu lesen, keine Musik zu hören, das Handy abzuschalten und auch nicht über Blickkontakt mit Menschen zu kommuni­zieren.

Zunächst war das ein merkwürdiges Gefühl: Der ganze Tag lag wie ein unbeschriebenes Blatt ohne Termine und Verabredungen, ohne Ziele vor mir. Dann bin ich einfach in das angrenzende Waldstück zu einem achtsamen Spaziergang aufgebrochen: Wann nehme ich mir dazu sonst die Zeit, achtsam Schritt für Schritt zu gehen? Keine Kopfhörer mit Musik im Ohr, nicht in ein Gespräch mit einer ­Wegbegleiter­*­in vertieft – sondern bewusst auf die Geräusche des Waldes hörend. Kein festes Ziel vor Augen – stattdessen an jeder Weggabelung zu entscheiden, wo ich weitergehe.

Gedanken ließ ich einfach vorüberziehen

Ein tolles Erlebnis war das: Ich bin in den nächsten Stunden nicht weit gekommen, aber habe so intensiv Vogelgezwitscher und das Knacken kleiner Äste unter meinen Schuhsohlen gehört – ja sogar das leise Fallen von Blättern wahrgenommen, ebenso die tiefen Furchen im Stamm einer alten Buche und das Farbenspiel der Blätter in der Spätsommersonne bestaunt. Das anschließende Mittagessen schmeckte ich so intensiv wie selten zuvor.

Auch den Nachmittag erlebte ich bei einem weiteren Spaziergang sehr bewusst – alle Sinne waren beteiligt, meine Wahrnehmung der wunderschönen Umgebung weitete sich und zugleich eröffnete sich ein Freiraum in mir: Gedanken ließ ich einfach vorüberziehen, eine innere Ruhe breitete sich aus. Die Stunden dehnten sich gefühlt aus, und zugleich erlebte ich sie sehr intensiv. Ich war allein mit mir selbst unterwegs, aber fühlte mich nicht einsam.

Es eröffnete sich in mir ein Frei-­Raum, der ein Gefühl von staunender Dankbarkeit in mir auslöste: Wie schön, dass ich mit allen Sinnen in dieser friedlichen Zeit für mich sein durfte – einfach da sein und diese Zeit erleben konnte, ohne etwas dafür leisten oder ein „Ergebnis“ erzielen zu müssen.

„Ich empfand diese Zeit als Geschenk“

Ich empfand diese Zeit als Geschenk, als mir von Gott geschenkte Zeit. Er konnte sich in diesen Freiraum einfach einschmiegen. Hier erlebte ich Gott, war mit ihm im Gespräch. Eine solche Stille-­Zeit kann ich deshalb sehr empfehlen – gerade in dieser weihnachtlichen Zeit.

Wir finden in der lukanischen Weihnachtsgeschichte dafür eine wunderbare Inspiration: Jesu Geburt geschieht an einem abgelegenen Ort – in einem Stall – in einer stillen Nacht. Und die Hirten lagern in der Nähe, halten Nachtwache und sind in ihrer achtsamen Haltung offen für die Erscheinung eines Engels und für seine umwerfende Botschaft: Fürchtet euch nicht, denn siehe, ich verkünde euch eine große Freude, die dem ganzen Volk zuteilwerden soll: Heute ist euch in der Stadt ­Davids der Retter geboren; er ist der Christus, der Herr. (Lk 2,10 f.)

Eine solche offene achtsame Haltung, ein Hineinlauschen in die Stille wünsche ich Ihnen in dieser Weihnachtszeit.

Dr. Heike Bee-Schroedter ­
arbeitet seit 2019 als Referentin in der Abteilung Schulpastoral
im ­Erzbischöflichen Generalvikariat Paderborn

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