Vesperkirche Wiedenbrück – Gemeinsam in der Kirche vespern

Zum ersten Mal wurden Bedürftige und andere Interessierte in der Wiedenbrücker Pius­kirche eine Woche lang mit Essen, Trinken und Gemeinschaft versorgt.

André Dyck gehörte zu den Ehrenamtlichen, die bei der Vesperkirche dabei waren. Marion Zopp (schwarzer Pulli) hatte den Familiengottesdienst mit organsiert und gleich einige Damen mitgebracht. (Fotos: Leskovsek)
André Dyck gehörte zu den Ehrenamtlichen, die bei der Vesperkirche dabei waren. Marion Zopp (schwarzer Pulli) hatte den Familiengottesdienst mit organsiert und gleich einige Damen mitgebracht. (Fotos: Leskovsek)
veröffentlicht am 19.12.2023
Lesezeit: ungefähr 5 Minuten

Zum ersten Mal wurden Bedürftige und andere Interessierte in der Wiedenbrücker Pius­kirche eine Woche lang mit Essen, Trinken und Gemeinschaft versorgt. Am Ende der Woche gab es zudem noch einen kostenlosen Haarschnitt vom ehrenamtlich tätigen Friseurteam.

Rheda-Wiedenbrück. Ein ungewohnter Duft nach Hühnerfrikassee und Gemüse zieht durch die Piuskirche. Ungewohnt, aber nicht befremdlich, waren sich viele Teilnehmer der ersten Vesperkirche in St. Pius mit Pfarrdechant Reinhard Edeler einig. „Das genau ist Pius“, sagte Diakon Thomas Huneke, der zusammen mit einem Organisationsteam die Vesperkirche in nur kurzer Vorlaufzeit vorbereitet hat. Sichtlich nervös war das Team. „Wir sind gut vorbereitet, haben aber keine Ahnung, was genau auf uns zukommt“, sagte er in seiner kurzen Begrüßungsansprache zum offiziellen Start der Woche. 

Ein offenes Haus für jedermann

„Alle Unsicherheiten im Vorfeld, wie die Vesperkirche angenommen wird, ob alle das Prinzip verstanden haben und ob wir an alles gedacht haben, hatten sich bereits nach dem ersten Abend in Luft aufgelöst“, erzählt eine zwar erschöpfte, aber dennoch glückliche Mitorganisatorin Hildegard Baumhus am letzten Tag der Vesperkirche, einem Sonntag. Sechs Tage lang wurde die Piuskirche umgewandelt in ein offenes Haus für jedermann, gleich welcher Herkunft oder Religion, um gemeinsam zu essen und ins Gespräch zu kommen. Die erste Vesperkirche in Wiedenbrück war ein Erfolg. 

Am ersten Abend kamen gleich 120 Gäste, der zweite Tag war etwas ruhiger, und am Donnerstag reichte das Essen für die geplanten 150 Personen nicht aus. „Da haben wir noch Laugengebäck aufgebacken und Dips gereicht, damit alle noch etwas mitbekamen“, erzählt Thomas Huneke. Das Gesamtgefühl sei durchweg positiv gewesen, und die Kirche für solche Veranstaltungen zu nutzen, fühle sich gut an. Ein spezielles „Highlight der Woche“ habe es nicht gegeben. Jeder Tag sei anders gewesen, alleine schon wegen der Rahmenprogramme. Mal karnevalistisch und bunt, mal besinnlich mit einem Orgelkonzert oder etwas turbulenter beim Familiengottesdienst. 

Die Helfer der Vesperkirche machen gemeinsam Pause (v. l.): André Dyck, Marianne Grothues, Annalena Obermann, Rainer Stadtler und Marita Brormann.

Rund 150 Helferinnen und Helfer

Die größte Herausforderung war für das Organisationsteam und die rund 150 Helferinnen und Helfer, dass man zuvor nie wusste, was passiert. Nach den leeren Töpfen am Donnerstag habe man die Essensanzahl auf 200 aufgestockt, und das sei für die nächsten Tage passend gewesen, so Marita Brormann vom SKFM. Der Grundgedanke, dass die Menschen sich gemeinsam an den Tisch setzen, zusammen essen und reden, sei alleine schon deshalb aufgegangen, weil man oftmals restlos ausverkauft war und jeder Platz besetzt wurde. Viele Menschen hätten am Ende des Abends gesagt: „War das schön. Ich komme gerne noch mal wieder, wenn ich darf.“ „Ich finde, das sagt doch alles“, meint Huneke. Gerade ältere Menschen hätten die Geselligkeit genossen. 

Kostenlose Haarschnitte für Bedürftige

Am Sonntag blieben die Teilnehmer des Familiengottesdienstes sitzen und genossen gemeinsam Kartoffelsuppe mit Würstchen, Dessert und Berliner, die Schenke spontan gesponsert hatte. Der Chor „Voice Company“ sorgte für musikalische Untermalung und die „Barber Angels“ boten im Gemeindehaus kostenlose Haarschnitte für Bedürftige oder fast Bedürftige an, die sich mit einer Spende erkenntlich zeigten. Das zwölfköpfige Frisörteam aus OWL hatte einiges zu tun. Frisörin Manuela Tertocha aus Löhne erfüllte einem Jungen gerne die Wunschfrisur seines großen Fußballvorbildes Christiano Ronaldo. „Wir versuchen, alle Wünsche soweit es geht zu erfüllen“, sagt sie, und schon setzt sie die Haarschneidemaschine an. Auf die Frage, wa­rum die Frisöre neben ihrem Job unter der Woche am Wochenende auch noch freiwillig losgehen, lange Fahrten auf sich nehmen und kostenlos Haare schneiden, kam die schlichte Antwort: „Weil wir es gerne machen und oftmals ein Lächeln geschenkt bekommen.“

Die Organisatoren der Vesperkirche – Menschen aus St. Pius und vom Verein Sozialdienst katholischer Frauen und Männer (SKFM) – möchten die Vesperkirche auch im nächsten Jahr gern wieder stattfinden lassen. Abhängig sei dies jedoch von entsprechenden Sponsoren. Den Hauptteil in Höhe von 10 000 Euro gab es in diesem Jahr aus dem Sonderfonds des Caritasverbandes „Unser täglich‘ Brot“. Weitere Sponsoren finanzierten das Projekt mit. Am Ende warfen auch einige Gäste ihren Obolus in ein Spendenglas, soweit es ihnen möglich war. Und der örtliche Wasserversorger VGW stellte bei der Aktion eine Trinkwasserstation zur Verfügung – denn sonst hätten die Helfer jeden Tag etwa 30 Wasserkisten transportieren müssen.

Thomas Huneke fand es schön, dass die Helfer nach einer anstrengenden Schicht noch zusammensaßen. „Auch das ist Vesperkirche“, sagt er zufrieden. 

Waltraud Leskovsek

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