Der Petersdom im Wohnzimmer

Der Bauingenieur Willy Kebben kann es auch im Ruhestand nicht lassen: Noch mit 93 Jahren baut er die größten sakralen Bauwerke der Welt nach.

Der 93-jährige Willy Kebben zeigt den erst kürzlich fertiggestellten jüdischen Tempel von Jerusalem. Das Bild entstand in der Ausstellung im unteren Teil seines Hauses in Neu-Listernohl. (Fotos: Meinolf Lüttecke)
Der 93-jährige Willy Kebben zeigt den erst kürzlich fertiggestellten jüdischen Tempel von Jerusalem. Das Bild entstand in der Ausstellung im unteren Teil seines Hauses in Neu-Listernohl. (Fotos: Meinolf Lüttecke)
veröffentlicht am 15.12.2023
Lesezeit: ungefähr 4 Minuten

Der Bauingenieur Willy Kebben kann es auch im Ruhestand nicht lassen: Noch im Alter von 93 Jahren baut er die größten sakralen Bauwerke der Welt – allerdings aus Karton. Inzwischen befinden sich mehr als 70 dieser Bauwerke in seinem Fundus.

Attendorn-Neu-Listernohl. Es ist Willy Kebbens große Leidenschaft: der Nachbau weltbekannter Bauwerke aus Karton. Alles nahm seinen Anfang, als der Katholik Willy Kebben aus dem Attendorner Ortsteil Neu-Listernohl nach der Wende Dresden besuchte und dort Modelle der Frauenkirche und der Semperoper sah. Als er hörte, dass man diese Modelle im Kleinformat aus Karton zum Zusammenbauen kaufen konnte, wurde er neugierig, sein Inte­resse war geweckt. Das passte genau zu dem Bauunternehmer, dem exakte Planung und Architektur in besonderer Weise liegen. Als Willy Kebben im Jahre 1998 sein 50-jähriges Berufsjubiläum feierte, übertrug er seine Firma an Sohn Christoph, der seitdem das Bauunternehmen Kebben, mit Sitz in Attendorn, leitet.  

Sein größtes Bauwerk ist der Petersdom

Jetzt konnte sich der Ruheständler in seinem Haus im Neu-Listernohler Amselweg noch intensiver seinem Hobby widmen. 70 Karton-Modelle sind es mittlerweile geworden, die er in 27 Jahren fertig stellte. Diese füllen zwei große Räume in der unteren Etage seines Hauses. Kirchen, Schlösser und Burgen haben es ihm besonders angetan. Sein größtes Bauwerk ist der Petersdom, der rund 500 Stunden in Anspruch nahm. Von Portugal bis Russland und von Dänemark bis Griechenland: Aus aller Welt stammen die Bauwerke, die er aus Karton nachgebaut hat.

In sein größtes Bauwerk, den Petersdom in Rom, hat Willy Kebben rund 500 Stunden investiert.
In sein größtes Bauwerk, den Petersdom in Rom, hat Willy Kebben rund 500 Stunden investiert.

Neben dem Petersdom baute Willy Kebben unter anderem das Ulmer Münster, den Aachener Karlsdom, den Wiener Stephansdom, den Berliner Dom, den Limburger Dom, die Abteikirche Maria Laach sowie die Schlösser  Hohenzollern, Neuschwanstein und Heidelberg. Auch internationale Bauten reizten den Neu-Listernohler: Notre Dame, Eiffelturm, Big Ben in London, die Kathedrale von Santiago de Compostela, die imposante Schloss- und Klosteranlage San Lorenzo de El Escorial in Spanien, der Veitsdom auf der Prager Burg, die St.-Stephans-Basilika in Budapest befinden sich alle in seiner Sammlung.  Die Kathedralen von Lodz und Krakau waren besondere Herausforderungen, denn die Baubeschreibungen gab es nur in der Landessprache Polnisch. Das machte dem Rentner zwar Schwierigkeiten, aber keine unüberwindbaren. Ansonsten sind aber die Anleitungen der Verlage in deutscher und englischer Sprache sehr gut abgefasst. In seiner Sammlung sind viele Gotteshäuser vertreten. Aus gutem Grund, meint Willy Kebben, denn: „Die Identität Europas ist das Christentum“, sagt er.

Vorbeugung gegen Demenz

Zu seinen Werken zählt auch die Titanic, die er im Maßstab 1:200 nachbaute. Bei der Indienststellung 1912 war die Titanic das größte Schiff der Welt. Der Listernohler ging auch schon mal andere Wege, indem er sich an den Bau einer Windkraftanlage, eines Blockheizkraftwerks und eines Wasserkraftwerks begab. Tochter Elvira fotografierte alle Modelle und stellte ein sehenswertes Fotoalbum mit der Überschrift: „Eine Reise zu den schönsten Sehenswürdigkeiten in Miniatur“ zusammen.

Willy Kebben, der 1930 in Oberveischede geboren wurde, ist überzeugt, dass seine Arbeit gut zur Vorbeugung gegen Demenz ist. Wenn er abends noch an einer Aufgabe sitzt, dann muss die erst gelöst werden, bevor sich der 93-Jährige zur Ruhe begibt. Die Freude an der Arbeit ist ihm bis ins hohe Alter geblieben. Und schwer fällt ihm sein Hobby auch trotz des Alters noch nicht. Mit den Sehenswürdigkeiten im Kleinformat würde er gerne noch einmal eine Ausstellung bestücken. Titel: „Wir sind das Abendland, wir sind Europa“. Er könnte sich auch einen Teilbereich seiner Bauwerke als Ausstellung vorstellen.

Meinolf Lüttecke

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