Solidarität und brutale Verfolgung

Auf die Lage der verfolgten Christen weltweit hat der pastorale Raum im Rahmen eines Stephanustages in Bad Wünnenberg aufmerksam gemacht.

Waren zu Gast beim Stephanustag in Bad Wünnenberg (v. l.): Pater Anton Lässer („Kirche in Not“), der armenisch-orthodoxe Bischof Magar Ashkarian (Aleppo) und Florian Ripka (Geschäftsführer „Kirche in Not“). In der Mitte steht das Reliquiar des heiligen Stephanus aus dem Paderborner Dom. (Foto: Markus Jonas)
Waren zu Gast beim Stephanustag in Bad Wünnenberg (v. l.): Pater Anton Lässer („Kirche in Not“), der armenisch-orthodoxe Bischof Magar Ashkarian (Aleppo) und Florian Ripka (Geschäftsführer „Kirche in Not“). In der Mitte steht das Reliquiar des heiligen Stephanus aus dem Paderborner Dom. (Foto: Markus Jonas)
veröffentlicht am 08.12.2023
Lesezeit: ungefähr 4 Minuten

Auf die Lage der verfolgten Christen weltweit hat der pastorale Raum im Rahmen eines Stephanustages in Bad Wünnenberg aufmerksam gemacht. An den ­Gottes­diensten, Infoveranstaltungen und Gebetszeiten nahmen rund 400 Menschen teil.

Bad Wünnenberg (jon). Beim abschließenden Festhochamt in der vollbesetzten Kirche St. Antonius berichtete der armenisch-­orthodoxe Bischof ­Magar ­Ashkarian aus dem syrischen Aleppo von der katastrophalen Lage in Syrien und im benachbarten Libanon, aus dem er stammt.

In Syrien seien ganze Städte zerstört worden, Zehntausende Gebäude liegen in Schutt und Asche, Hunderttausende Menschen wurden getötet, berichtete der Bischof, der mit dem Hilfswerk „Kirche in Not“ auf einer Tour durch Deutschland auch nach Bad Wünnenberg gekommen war. Bei dem Erdbeben im Februar seien im Norden Syriens weitere 60 000 Menschen umgekommen. „Viele sind noch immer ohne Obdach.“

Die Not habe die Syrer allerdings auch an ihre gemeinsamen Werte des gegenseitigen Vertrauens und Unterstützens erinnert, die sie unabhängig von ihrer Religion lange Zeit verbunden habe. „Nach dem Erdbeben haben Christen und Muslime ihre Kirchen und Moscheen geöffnet, Schutzsuchende aufgenommen und ihnen geholfen.“

Dank für Hilfe aus Deutschland

Bischof ­Ashkarian betonte, dass im Nahen Osten Christen zwar vielerorts vor allem von muslimischen Extremisten bedroht und diskriminiert würden, dass dies aber nicht für Syrien gelte. Der Bischof zeigte sich „tief berührt“ von der Solidarität in Deutschland etwa durch „Kirche in Not“, karitative Hilfswerke und der Christen in Bad Wünnenberg. In Aleppo profitiere man von dieser internationalen Unterstützung. Dort arbeitet der Bischof auch mit der vom Caritasverband für das Erzbistum Paderborn ­unterstützten Ordensschwester Annie ­Demerjian und dem „­Christian ­Hope ­Center“ eng zusammen.

Pater Anton Lässer vom Hilfswerk „Kirche in Not“ berichtete am Morgen über die unterschiedlichen Formen der Verfolgung, denen Christen weltweit ausgesetzt sind. Er unterschied drei Formen: So bedränge der ethnoreligiöse Nationalismus etwa in Indien Christen und Muslime und versuche, nur noch den Hinduismus gelten zu lassen.

Autoritäre Regierungen wie in China und Nicaragua duldeten dagegen keine Opposition und unterdrückten teilweise brutal die freie Religionsausübung. Und schließlich stelle der islamistische Extremismus vielerorts eine tödliche Bedrohung für Christen dar, so etwa in der afrikanischen Sahelzone in Nigeria und Burkina Faso, wo Tausende von Christen ermordet wurden.

Schließlich verwies Pater Anton Lässer auch noch auf „freundliche Verfolgung“ in westlichen Ländern, wo zunehmend christliche Überzeugungen unter Druck kommen und mancherorts gar strafrechtlich verfolgt werden.

Aufruf mutig den Glauben zu leben

In seiner Predigt rief der Pater die Gottesdienstgemeinde aber auch dazu auf, über die Zustände in Kirche und Gesellschaft „nicht zu jammern“, sondern sich ganz auf Jesus einzulassen und in der Hoffnung auf die Ewigkeit mutig den Glauben zu leben. „Die Leiden der Welt sind nichts gegen die Herrlichkeit, die Gott uns bereitet“, sagte der Pater.

Der Stephanustag in Bad Wünnenberg fand im Rahmen der Aktion „­Red ­Wednesday“ statt, mit der das internationale Hilfswerk „Kirche in „Not auf die Situation verfolgter Christen weltweit aufmerksam macht. Aus diesem Anlass war auch ein Reliquiar des ersten Märtyrers Stephanus aus dem Paderborner Dom in der Bad Wünnenberger Kirche aufgestellt worden. Reliquien des Stephanus hatte der Überlieferung nach Papst Leo III. im Jahr 799 Karl dem Großen zur Bistumsgründung in Paderborn überreicht, ein Jahr bevor Karl zum Kaiser gekrönt wurde. Nun verließen sie zum ersten Mal den Paderborner Dom.

Neben den Gottesdiensten und einem Vortrag von Pater Lässer bestand auch die Möglichkeit, sich persönlich durch die Priester des pastoralen Raumes segnen zu lassen sowie an verschiedenen Gebetsstunden teilzunehmen. Den Abschluss fand der Stephanustag mit einem großen Kirchen-­Café auf dem Kirchplatz, an dem Hunderte teilnahmen.

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