Krippen aus unterschiedlichen Kulturen und im Wandel der Zeit

Eine Ausstellung im Museum im Hütteschen Haus in Höxter zeigt Krippen aus anderen Kulturen und macht deutlich, wie sich der Blick auf das weihnachtliche Geschehen immer wieder veränderte.

Präsentiert 100 Krippen im festlich geschmückten Weserrenaissance-­Haus: Kunsthistorikerin Dr. Corinna Wodarz aus Höxter – hier mit den barocken, ganz individuell gestalteten neapolitanischen Figuren. (Fotos: Martina Schäfer)
Präsentiert 100 Krippen im festlich geschmückten Weserrenaissance-­Haus: Kunsthistorikerin Dr. Corinna Wodarz aus Höxter – hier mit den barocken, ganz individuell gestalteten neapolitanischen Figuren. (Fotos: Martina Schäfer)
veröffentlicht am 06.12.2023
Lesezeit: ungefähr 4 Minuten

Eine Ausstellung im Museum im Hütteschen Haus in Höxter zeigt Krippen aus anderen Kulturen und macht deutlich, wie sich der Blick auf das weihnachtliche Geschehen immer wieder veränderte und welche Funktion die Krippe im Wandel der Jahrhunderte hatte. Zu sehen ist die Ausstellung bis Ende des Jahres.

Höxter. Wie der geschmückte Baum gehört die Krippe in vielen Familien zu einem gelungenen Weihnachtsfest. Ganz gleich, wie Weihnachten gestaltet ist oder wie traditionell oder modern sich die aufgestellten Krippen präsentieren, diese verfolgen alle ein Ziel: Sie erzählen mit mehr oder weniger Figuren stets von der Geburt Jesu Christi in Bethlehem.

Wie unterschiedlich, vielseitig und individuell Weihnachtskrippen wirken können, veranschaulicht zurzeit eine groß angelegte Ausstellung im Museum des „Hütteschen Hauses“ in Höxter. Unter dem Titel „Krippen aus allen Ländern“ zeigt Kuratorin und Museumsleiterin Dr. Corinna Wodarz bis zum 30. Dezember rund 100 verschiedenartige Krippen, die dazu anregen, sich auf eine kleine Weltreise vom Alpenraum bis nach Peru zu begeben.

Die Wurzeln der heutigen Weihnachtskrippe liegen im Italien des 16. Jahrhunderts. Die biblische Erzählung von Christi Geburt wird anhand vieler Figuren in einer mehr oder weniger szenischen Landschaft oder im bunten Markttreiben dargestellt. Dabei gelten die neapolitanischen Krippen mit vielen handgeschnitzten, prunkvoll wirkenden Figuren als besonders wertvoll. Und sie hatten eine besondere Funktion: „In Klöstern und Kirchen illustrierten diese Krippen die Weihnachtsgeschichte für das einfache Volk, denn viele Menschen konnten nicht lesen, und die Messen wurden auf Latein gehalten“, berichtet Museumsleiterin Corinna Wodarz.

Jede Zeit und jede Region hat ihre eigenen, einmaligen Krippen

Nach und nach schwappte diese „Weihnachtsmode“ über die Alpen und ließ im Laufe der Zeit auch die guten Stuben der Familien zum Heiligen Abend glänzen. „Mit dem Erstarken des Bürgertums und dem Wandel des Weihnachtsfestes zum privaten Schenkfest nach 1850 tritt die Krippe ihren Siegeszug in den Wohnzimmern an“, erklärt Wodarz. Professionelle Krippenschnitzer sind im Einsatz, so manches Schmuckstück wird in Heimarbeit oder auch in den Kirchengemeinden mit vielen Helfern hergestellt.

Wie die Höxteraner Ausstellung deutlich macht, kommt im Laufe der Jahrhunderte eine Vielzahl an Motiven wie auch an Materialien zusammen. Ob Lindenholz, Porzellan, Keramik, Stoff, Papier oder Gips – jede Zeit und jede Region hat ihre eigenen, einmaligen Krippen. Und natürlich: Material, Größe und Form spiegeln wider, ob die Besitzer wohlhabend sind oder eher nicht. In Bayern, später auch in Sachsen, Schlesien und Böhmen punktet der überbordende Krippenberg mit unzähligen Figuren aus dem Alltag. Auch orientalische Motive sind beliebt und bieten richtige Hingucker, wenn vieles auch manchmal zu überladen wirkt. Oft steht nicht mehr das Geschehen um das Jesuskind im Fokus, sondern die regionale oder fiktive Umgebung. Was einst in Bauernhausdielen, Kirchen oder Gemeindehäusern zu sehen war, ist heute aus der Mode gekommen – zu groß ist der Platzbedarf. 

Die Kunsthistorikerin Corinna Wodarz hat für ihre Krippen-­Schau inszenierte Bühnen gestaltet, indem sie ebenso wie eine Theatermalerin für die entsprechende Hintergrund-­Kulisse gesorgt hat. Allein, dass die Museumsleiterin nach wie vor aus einem reichen Fundus schöpfen kann, macht die Ausstellung sehenswert.

iligran und elegant: die Heilige Familie als kleine Holzkrippe aus Afrika.

Einblick in andere Kulturen

So gibt sie einen spannenden Einblick in andere Kulturen. In Afrika kommen Hölzer, Ton und Bronze für die Gestaltung der Krippe in den Einsatz. Dort sind elegante, schlanke und reduzierte Silhouetten des heiligen Paares mit dem Jesuskind in Mode. In Mexiko dagegen erscheinen die Figuren farbenprächtig und folk­loristisch bemalt und machen dem dortigen Kunsthandwerk alle Ehre. Die Krippen aus Madagaskar sind aus tropischen Lianenpflanzen gefertigt, jene aus dem Philippinen kommen sehr exotisch mit dunklem ­Ana­nasstroh daher. Und in Peru werden die Keramik-­Figuren nicht von Ochs und Esel begleitet, sondern landestypisch von Lamas.

Nicht alle Krippen kommen aus dem Kunsthandwerk: Mit der industriellen Fertigung änderten sich auch Formen und Materialien der Krippen. Gips, Papp­maché, verschiedene Formmassen, Papier und später Kunststoffe sorgten für günstige Produktion und machten Krippen für die kleine Wohnung und den kleinen Geldbeutel erschwinglich.

Zum Abschluss der Ausstellung erwartet die Besucher eine wunderbare farbenprächtige Markt­szene, ganz modern den neapolitanischen Krippen nachempfunden – allerdings mit Barbie-­Puppen als Protagonisten. Eine gelungene Inszenierung, die gute Laune macht und die Vorfreude auf das Fest steigert.

Martina Schäfer

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