Wozu sind Sie da, Marlies Fricke?

Marlies Fricke (60) stammt aus Steinheim. Seit 2011 ist sie Sekretärin des Paderborner Erzbischofs bzw. seit dem 1. Oktober 2022 des Diözesanadministrators mit seinem Amtssitz im Bischofshaus.

Meine Aufgabe als Sekretärin ist es, die Abläufe im Bischofshaus im Blick zu haben und mitzugestalten, sei es in meinem Büro, im Umgang mit den Gästen oder im Kontakt mit dem Generalvikariat. Vor allem geht es darum, den Erzbischof bzw. den Diözesanadministrator in seinen weitreichenden Aufgaben zu unterstützen. Weil der Erzbischof eine prominente Persönlichkeit ist, braucht er eine sensible „Abschirmung“ durch seine engsten Mitarbeitenden, was auch zu meinen Anforderungen gehört. Ohne ein gutes Vertrauensverhältnis, ohne Diskretion, Loyalität und Verlässlichkeit ginge das nicht.

Zu meiner täglichen Arbeit gehört ganz klassisch die Kalenderpflege für den Erzbischof, der Brief-, Telefon- und Mailverkehr, die Aktenführung, somit viel Schreibtischarbeit, mit einer breiten Kommunikation von der kleinsten Dorfgemeinde über gesellschaftliche, ökumenische und politische Instanzen bis zum Vatikan. Dabei möchte ich die Menschen in ihren Anliegen ernst nehmen, ihnen respektvoll begegnen und gut Auskunft geben oder sie an unsere Expertinnen und Experten weitervermitteln können.

Marlies Fricke: „Allen recht getan ist jedenfalls eine Kunst, die niemand kann“

Ein Highlight ist für mich stets die Fortführung des traditionell handgeschriebenen „Weihebuches“, der Chronik der gespendeten Weihen in der Diö­zese. Gerne lasse ich mich einbeziehen, wenn für Veröffentlichungen um Sprache und Worte gerungen wird. Früher hätte ich nicht gedacht, dass jede Silbe, die ein Bischofshaus verlässt, zu einem Politikum werden und Kon­troversen bis hin zu feindseligen Empörungen auslösen kann. Solche Reaktionen scheinen mir leider immer undifferenzierter und aggressiver zu werden. Aber zum Glück gibt es oft auch Dank und Lob für die Bistumsleitung. Allen recht getan ist jedenfalls eine Kunst, die niemand kann, auch kein Bischof. Überhaupt bin ich froh, dass es im Generalvikariat und in den Dekanaten längst ein Beschwerdemanagement gibt, was die Telefonleitung des Bischofshauses merklich entlastet.

Das Siegel als Symbol für schöne und schwere Momente

Nicht ohne Ehrfurcht drücke ich täglich das Siegel des Erzbischofs/Administrators auf die unterschiedlichsten Dokumente: das Siegel, das symbolisch eine Tür öffnet, etwa bei einer Weihe, Ernennung oder Bevollmächtigung, und dasselbe Siegel, das eine Tür schließt, etwa bei einer Suspendierung – Symbol für schöne und schwere Momente.

Schon einige Male musste ich schmerzlich erleben, wie Pfarrer die Reliquien aus einer profanierten Kirche in mein Büro zurückbrachten. Das war dann ganz konkret! Über 1 000 Jahre lang wurden aus dem Bischofshaus Reliquien herausgegeben, z. B. für Altarweihen, und jetzt kommen die zurück! – Weil wir als Kirche längst zahlenmäßig kleiner werden, ist es umso wichtiger, „Jesus zu kommunizieren, nicht sich selbst“ (Papst Franziskus). Das Barockgebäude von 1718 am Kamp sehe ich dabei nicht als Insel, sondern als Teil des großen und lebendigen Erzbistums, und ich bin gerne da mittendrin, um als Getaufte „mit der Kirche zu fühlen“ (Ignatius von Loyola) und sie mitzugestalten.

Marlies Fricke_Foto_2_Patrick Kleibold

Zur Person

Marlies Fricke (60) stammt aus Steinheim. Sie wurde kaufmännisch ausgebildet und hat in den 1990er-­Jahren als Sekretärin im Erzbischöflichen Theologenkonvikt Collegium Leoninum gearbeitet. Seit 2011 ist sie Sekretärin des Paderborner Erzbischofs bzw. seit dem 1. Oktober 2022 des Diözesanadministrators mit seinem Amtssitz im Bischofshaus.

Aufgezeichnet und fotografiert von Patrick Kleibold

Unsere Reihe Menschen im Erzbistum

Wozu bist du da, Kirche von Paderborn? Diese Frage stellte der emeritierte Paderborner Erzbischof Hans-Josef Becker dem Zukunftsbild voran, auf dessen Basis das Erzbistum entwickelt wird. Wozu bist du da? Diese Frage kann sich auch jeder Einzelne stellen. Denn die Grundannahme des Zukunftsbildes ist eine biblische, dass nämlich jeder Mensch berufen ist, dass jede und jeder das eigene Leben als von Gott angenommen betrachten darf, dass es einen Sinn dieses Lebens gibt. Die Aufgabe des Menschen besteht darin, die Frage für sich zu beantworten.

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