Blick auf 2023 – Nur wenig Grund zum Feiern

Die Stimmung mit Blick auf 2023 ist bestenfalls gedämpft – nicht nur bei den Deutschen ­allgemein, sondern auch in den beiden großen Kirchen.

Blick auf 2023 – Die Diskussion um die Rolle der Frau in der katholischen Kirche wird auch in diesem Jahr ein bestimmendes Thema in der katholischen Kirche Deutschlands sein. (Foto: KNA)
Die Diskussion um die Rolle der Frau in der katholischen Kirche wird auch in diesem Jahr ein bestimmendes Thema in der katholischen Kirche Deutschlands sein. (Foto: KNA)
veröffentlicht am 09.01.2023
Lesezeit: ungefähr 4 Minuten

Die Stimmung mit Blick auf 2023 ist bestenfalls gedämpft – nicht nur bei den Deutschen ­allgemein, sondern auch in den beiden großen Kirchen. Insbesondere die katholische steht vor vielen ­Herausforderungen. Das liegt an den vielen Problemen dieser Welt und an einer Dauerbaustelle.

Bonn (KNA). In diesen Tagen haben Prognosen für das gerade begonnene Jahr wieder Hochkonjunktur. Manches davon ist Kaffeesatzleserei – anderes wiederum keine große Kunst, weil auf der Hand liegend. In letztere Kategorie fällt die Vorhersage, dass auch 2023 die Aufarbeitung von Missbrauch „die“ Dauerbaustelle für die beiden großen Kirchen in Deutschland bleibt. Mehr noch: Sie könnte in eine neue Phase treten.

Prozess in Köln geht 2023 weiter

So wächst der Druck, dass der Staat stärker als bisher eingreift, beispielsweise mit gesetzlichen Regelungen. Aufmerksam werden Kirchenvertreter auch einen Prozess verfolgen, den ein Betroffener von Missbrauch gegen das katholische Erzbistum Köln angestrengt hat. Das Verfahren könnte im Ergebnis dazu führen, dass weitere Klagen eingereicht werden – mit Schmerzensgeldforderungen in deutlich sechsstelliger Höhe.

Überhaupt Köln. Das mitgliederstärkste Bistum in Deutschland kommt aus den Negativschlagzeilen nicht heraus. Während die Ausgaben für PR stetig zu wachsen scheinen, befindet sich das Image von Kardinal Rainer Maria Woelki bei vielen Katholiken in freiem Fall. Immer neue Gerichtsverfahren, unter anderem gegen die „Bild“-­Zeitung, der Streit um die von Woelki geförderte Kölner Hochschule für Katholische Theologie (­KHKT) und Irritationen über die Missbrauchsaufarbeitung: Es läuft einiges schief im Schatten des Domes.

Kaum verwunderlich, dass die Mitgliederzahlen in der katholischen und evangelischen Kirche wohl auch im kommenden Jahr weiter nach unten gehen werden. Doch die Nachrichten aus Köln dürften nicht der einzige Grund sein. Auch in der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) läuft die Aufarbeitung von Missbrauch eher schleppend.

Im März beziehungsweise ­April stellen die katholischen Bistümer Mainz und Freiburg ihre Missbrauchsgutachten vor. Dabei wird das Verhalten zweier ehemaliger Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz im Fokus stehen. Wie sind der Mainzer Kardinal Karl Lehmann und der Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch mit den Tätern umgegangen?

Ebenfalls im März endet der von den Bischöfen und dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) initiierte Syno­dale Weg zur Zukunft der katholischen Kirche in Deutschland. Mehr als drei Jahre lang haben die Teilnehmer über die Rolle der Frau, Fragen von Macht, Sexualmoral und priesterlicher Lebensform beraten. Die letzte Vollversammlung des Reformdialoges in Frankfurt wird nach Ansicht von Beobachtern auch Fingerzeige dafür geben, wie sich die Kirche in Deutschland bei der laufenden Welt­synode positioniert, die Papst Franziskus ausgerufen hat.

Skepsis in Rom

Dessen ungeachtet dürften die Vorbehalte im Vatikan gegenüber den deutschen Reform­bestrebungen groß bleiben – zumal bereits die Weichen zur Einrichtung eines Syno­dalen Rates gestellt wurden. In dem Gremium sollen Bischöfe, Priester und Laien sich künftig gemeinsam mit kirchlichen Grundsatzfragen und der Verwendung von Finanzmitteln befassen.

Ein weiteres Ergebnis des Syno­dalen Weges ist eine größere Mitbestimmung von Laien bei der Wahl von Bischöfen. Wie praxistauglich dieses Votum der Syno­dalen ist, könnte sich in den Erzbistümern Paderborn und Bamberg zeigen. Dort sind die beiden Bischofsstühle nach den Rücktritten der Erzbischöfe Hans-­Josef Becker und Ludwig Schick vakant. Im Bistum Rottenburg-­Stuttgart erreicht Bischof Gebhard Fürst Anfang Dezember die Altersgrenze von 75 Jahren.

Bei den Protestanten sucht die Evangelisch-­Lutherische Kirche in Bayern einen Nachfolger für Landesbischof Heinrich Bedford-­Strohm, bis 2021 auch EKD-­Ratsvorsitzender. Die kleinen Landeskirchen von Anhalt und Schaumburg-­Lippe suchen ebenfalls neue leitende Geistliche. Bei allen Personalwechseln und Turbulenzen an der Kirchenspitze droht manchmal unterzugehen, was an der Basis geleistet wird. So haben sich in den Gemeinden vor Ort Katholiken und Protestanten im zu Ende gehenden Jahr in vielerlei Weise für Menschen in Not engagiert – und werden das auch 2023 tun. Gutes tun und darüber sprechen – dazu bietet der 38. Deutsche Evangelische Kirchentag vom 7. bis 11. Juni in Nürnberg eine Gelegenheit. Für viele der erwarteten 100.000 Teilnehmer dürfte das Treffen ein Lichtblick in eher trüben Zeiten sein.

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