In der Minderheit – Wird der Glaube nicht vermisst?

„Kirche ohne Illusionen – Christentum in der Minderheit“ war ein Werkstattgespräch von Bonifatiuswerk und Erzbistum überschrieben, bei dem es um die Frage ging, welche Zukunft das Christentum in Deutschland hat.

Diaspora - Christen in der Minderheit
Um "Christentum in der Minderheit" ging es bei der gemeinsamen Veranstaltung von Erzbistum Paderborn und Bonifatiuswerk: Diözesanadministrator Dr. Michael Bredeck, Professor Jan Loffeld, Dr. Florian Baab, David Tencer, Bischof von Reykjavik auf Island, und Msgr. Georg Austen, Generalsekretär des Bonifatiuswerkes. (Foto: Andreas Wiedenhaus)
veröffentlicht am 30.11.2022
Lesezeit: ungefähr 3 Minuten

„Kirche ohne Illusionen – Christentum in der Minderheit“ war ein Werkstattgespräch von Bonifatiuswerk und Erzbistum überschrieben, bei dem es um die Frage ging, welche Zukunft das Christentum in Deutschland hat.

Paderborn (-haus). Rein rechnerisch gehört noch knapp die Hälfte der Menschen in Deutschland einer der beiden großen christlichen Kirchen an. Geht es um die Praxis, das Leben in den Gemeinden und Gemeinschaften vor Ort, ist die Situation viel krasser, längst hat sich flächendeckend eine ausgeprägte Minderheitensituation breit gemacht.

Wie das ganz praktisch aussieht, zeigten Beispiele aus Deutschland und Nordeuropa, die bei der Veranstaltung im Paderborner Bildungshaus Liborianum vorgestellt wurden – etwa unter dem Titel „Ökumene der Dritten Art“ aus der Studierendengemeinde in Erfurt oder „Diakonische Pastoral in der Großstadt“, bei der Pfarrer Ansgar Schocke von der Gemeinde Hl. Drei Könige die Arbeit in der Dortmunder Nordstadt vorstellte.

Säkularisierung ist ein „Megatrend“

Zuvor hatte Professor Dr. Jan Loffeld „Daten, Fakten und widerstreitende Visionen“ zum Einstieg präsentiert. Im Mittelpunkt stand dabei die Frage, welche Art von Minderheit die Kirche in Zukunft sein will. Bei der exklusiven Variante spielt sie die Rolle als „Ressourcenspeicher“ inmitten einer „dekadenten Kultur“ und sieht sich als Bewahrerin der „reinen Lehre“. Die inklusive Variante sieht sie als „kreative Minderheit“, die das Verhältnis zur Gegenwartsgesellschaft positiv gestaltet und im Austausch mit vielen gesellschaftlichen Gruppen ist.

Loffeld ist katholischer Priester und lehrt Praktische Theologie in Utrecht. Für ihn ist die Säkularisierung ein „Megatrend“, der sich weiter fortsetzen wird. Und zwar in der Form, dass sich Menschen weniger in ihrer individuellen Entwicklung von Kirche und Glauben entfernen, sondern dass sich dieser Prozess von Generation zu Generation weiter beschleunigt. Kirchenreformen als Bremse für die Säkularisierung hält der Theologe für eine „Illusion“. „Die Menschen gewöhnen sich den Glauben ab und vermissen nichts. Sie sagen, dass es ihnen auch ohne Glauben gut geht.“ Für Loffeld ist es auch eine Fehleinschätzung, diese Menschen als „Sinnsucher“ zu sehen. Es gehe „eher nicht“ um eine Suche nach Sinn oder Spiritualität – so jedenfalls die Ergebnisse aus den Niederlanden.

In der Minderheit: Keine leichte Situation, trotzdem geprägt von Optimismus

In einer der Erzählwerkstätten der Veranstaltung berichtete Dr. Dominik Terstriep SJ von der katholischen Kirche in Nord­europa. Der deutsche Jesuit lebt und lehrt seit einigen Jahren in Schweden. Über Jahrhunderte war die evangelisch-­lutherische Kirche dort Staatskirche, der man automatisch angehörte. Das änderte sich 1999, und seit 2000 ist die Mitgliederzahl deutlich rückläufig. Aktuell gehört noch rund die Hälfte der Schweden der evangelisch-­lutherischen Kirche an. Die Zahl der registrierten Katholiken liegt bei rund 124 000. Zusammen mit den Nicht-­Registrierten dürften nach Terstrieps Schätzung rund 300.000 Katholiken in Schweden leben. Insgesamt hat das Land gut zehn Millionen Einwohner.

Viele Schweden, so der Jesuit, sähen Religion heute als ein museales Relikt ohne Bezug zum Leben oder zur Gesellschaft. Auf der anderen Seite stellt er durchaus Interesse am katholischen Glauben fest, auch von jüngeren Menschen. „Es gibt eine gewisse Anziehungskraft auf Künstler und Intellektuelle.“ Während es in den großen Städten katholische Gemeinden gebe, sei die katholische Kirche auf dem Land kaum präsent.

Keine leichte Situation, trotzdem geprägt von Optimismus, was Terstriep in einem prägnanten Satz zusammenfasste.“Wir haben in Schweden als katholische Kirche wenig zu verlieren.“ Wohl ein entscheidender Unterschied zur Situation in Deutschland.

Mehr zum Bonifatiuswerk unter www.derdom.de

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