Friedensorte am Möhnesee – Als die Dämme brachen

Friedensorte sind Leuchttürme für das friedensstiftende Engagement der Gesellschaft. Am Möhnesee im Sauerland finden sich mehrere Mahnmale, die die Erinnerung an den Krieg wachhalten und zum Frieden ermahnen.

Friedensorte am Möhnesee. (Fotos: Patrick Kleibold)
Friedensorte am Möhnesee. (Fotos: Patrick Kleibold)
veröffentlicht am 03.11.2022
Lesezeit: ungefähr 4 Minuten

Friedensorte sind Leuchttürme für das friedensstiftende Engagement der Gesellschaft. Am Möhnesee im Sauerland finden sich mehrere Mahnmale, die die Erinnerung an den Krieg wachhalten und zum Frieden ermahnen.

Es war ein bis dahin nicht gekanntes Ausmaß der Vernichtung und Zerstörung, das die britische Luftwaffe am 17. Mai 1943 im Kampf gegen Nazi-­Deutschland anrichtete. Monatelang hatten Ingenieure an einer Rollbombe getüftelt, mit der die Staumauern der sauerländischen Talsperren zerstört werden sollten. Die Bombe riss nicht nur ein gewaltiges Loch in die Staumauer, sie löste auch eine verheerende Flutwelle aus.

Innerhalb kürzester Zeit liefen über 90 Millionen Kubikmeter Wasser durch das 80 Meter breite Loch in der Möhnetalsperre. Die Spur der Verwüstung zog sich durch das Möhnetal und den weiteren Verlauf der Ruhr bis ins Ruhrgebiet hinein. Hunderte Gebäude wurden zerstört, Dutzende Eisenbahn- und Straßenbrücken weggespült und mehrere Kraftwerke außer Betrieb gesetzt. Primäres Ziel der militärischen Operation mit dem Namen „Chastise“ („­Züchtigung“) war es, die Wasserversorgung des Ruhrgebietes und damit die deutsche Rüstungsindustrie zu schwächen.

„Drum lasst uns alles tun, was dem Frieden dient“

Viel schlimmer noch als die Sachschäden war der Tod von mehr als 1.300 Menschen, die den überraschenden Fluten nicht entkamen, auch weil der ausgelöste Fliegeralarm sie ausgerechnet in die vermeintlich sichereren Keller trieb, in denen Frauen, Kinder und Männer ertranken. Und obwohl die Möhnekatastrophe verglichen mit dem Bombenkrieg in den Großstädten mit Tausenden von Toten deutlich weniger Opfer kostete, blieben der Angriff und die Folgen sowohl in Großbritannien als auch in Deutschland in der Erinnerung präsent. An eben jene tragische Kriegsnacht und seine Opfer erinnern in den betroffenen Gebieten mehrere Gedenkstätten.

In Ausstellungen und Gedenkveranstaltungen wird an den Jahrestagen regelmäßig an das Ereignis erinnert. So sprach am 70. Jahrestag der britische Botschafter Simon ­McDonald vor der Ruine der Kirche des Klosters Himmelpforten in Neheim nahe der Talsperre, das ebenfalls am 17. Mai zerstört worden war. Auf einer Gedenktafel ist eine aus dem Römerbrief entnommene Inschrift zu lesen: „Drum lasst uns alles tun, was dem Frieden dient, und miteinander hüten, was erbaut.“ In unmittelbarer Nähe der Staumauer wurde am 17. Mai 2015 eine zentrale Gedenkstätte für alle Opfer eingeweiht. Neben diesen beiden Gedenkstätten gibt es noch weitere wie die Pfarrkirche in Niederense, den Möhnefriedhof und die Johanneskirchen in Neheim, in Wickede, Fröndenberg und Schwerte. In Günne erinnert eine in der Pfarrkirche St. Antonius erstellte Holzstele sowie eine Gedenktafel auf dem Ehrenmal an die Opfer.

Patrick Kleibold

Info Friedensorte

Zur Möhnekatastrophe gibt es Bücher, Spiel- und Dokumentarfilme sowie Computerspiele. Helmuth Euler aus Werl veröffentlichte 1975 sein Buch „Als Deutschlands Dämme brachen“. Das Denkmal Kloster Himmelpforten liegt in 59469 Ense.

Weitere Friedensorte unter www.derdom.de

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