Wozu sind Sie da Herr Markus Ende?

Markus Ende arbeitet mit Leib und Seele als Wallfahrtsseelsorger in Werl. Dem DOM erzählt er, dass er selbst ein rastloser Pilger ist.

Wallfahrtsseelsorger Markus Ende steht im Garten des Pilgerklosters Werl. Aufnahmedatum: 21.09.2022
Markus Ende
veröffentlicht am 07.10.2022
Lesezeit: ungefähr 3 Minuten

Wozu sind Sie da Herr Ende?

Ich bin dazu da, um mit Menschen ein Stück Ihres Weges mitzugehen. Dafür braucht es Gastfreundschaft, Offenheit, und die Fähigkeit auf Menschen zugehen zu können. Unsere Aufgabe als Wallfahrtsseelsorger ist es zu fragen, „was brauchst du, was kann ich dir Gutes tun?“. So wie bei einem Pilger aus Hamburg. Der stand plötzlich im Pilgerbüro. Seine Antwort lautete: „Dusche wär gut“. So hat er bei uns ein Zimmer bekommen.

Die Arbeit im Pilgerkloster ist Luxus

Hier im Pilgerkloster zu arbeiten ist für mich ein absoluter Luxus. Die Pastöre Gerhard Best, Stephan Mockenhaupt, meine Kollegin Ursula Altehenger und ich sind ein gutes Team, weil wir alle ähnlich ticken. Als ich 2020 hier anfing waren wir gerade noch in der Umbauphase. Erst 2019 hatten die Franziskaner, die jahrelang die Wallfahrt in Werl betreuten, hier ihren Platz geräumt. Ich habe den Umbau zum heutigen Pilgerkloster photographisch begleitet und konnte auch die ein oder andere Idee mit einbringen. Heute haben wir ein top saniertes barrierefreies Haus. In unterschiedlich großen Zimmern und einzelnen Apartments können wir in Spitzenzeiten bis zu 100 Leute unterbringen.

Kein Tag ist wie der andere

Unsere Geistlichen feiern in der Basilika vor dem Gnadenbild der Mutter der Betrübten jeden Tag Heilige Messe. Außerdem gibt es vormittags und nachmittags einen Beichtdienst. Trotzdem ist kein Tag wie der andere. Die Leute dürfen hier kommen und gehen, wie sie wollen, ob angemeldete Gruppen, Jakobspilger oder andere, die hier einfach zur Ruhe kommen wollen. In der Zeit, in der jemand da ist, muss ich für ihn oder sie gut und präsent sein. Es liegt nicht in meiner Hand, wie jemand kommt und wieder geht. Die Menschen sind selbstständig unterwegs und haben oft auch schon viel hinter sich. Aber mein Angebot für ein Gespräch beispielsweise steht. 

Markus Ende: Ich bin selbst ein Pilger

Pilgern heißt immer auf dem Weg und auf der Suche sein und damit Veränderung. Das ist auch in mir angelegt. Ich konnte mir ursprünglich vorstellen, bei der Bundeswehr zu bleiben oder Polizist zu werden. Doch der Tonfall hat mir nicht gefallen. Durch einen Pastor bin ich auf die Schiene als Gemeindereferent gekommen. Als solcher habe ich über zehn Jahre in der Propstei St. Walburga in Werl gearbeitet. Das war schön. Trotzdem brauchte es für mich wieder was Neues. Durch eine Aktion mit Jugendlichen zum 350-jährigen Wallfahrtsjubiläum 2011 kam ich erstmals in Kontakt mit dem damals noch bestehenden Franziskanerkloster. Das war der Türöffner für meine heutige Stelle als Wallfahrtsseelsorger. 

Ich kann heute nicht sagen, ob ich bis zur Rente hier arbeiten werde. Aber mich erfüllt es, mit Menschen unterwegs zu sein und sie begleiten zu können. Durch mein eigenes Suchen und meine vielfältige Lebenserfahrung kann ich gut mit anderen ein Stück Weg mitgehen.

Zur Person

Wallfahrtsseelsorger Markus Ende steht im Garten des Pilgerklosters Werl. Aufnahmedatum: 21.09.2022

Markus Ende (44) ist ausgebildeter Gemeindereferent und arbeitet seit April 2020 als Wallfahrtsseelsorger für die Marienwallfahrt Werl. Zu 20 Prozent arbeitet er zudem als Kirchlicher Organisationsberater für das Erzbischöfliche Generalvikariat und berät beispielsweise Gemeinden, die vor einer Fusion stehen. Außerdem ist Markus Ende offizieller Pilgerbegleiter des Erzbistums und verantwortet seit Anfang des Jahres das Bistumsprojekt „orte-verbinden“.

Aufgezeichnet und fotografiert von Martin Schmid

Unsere Reihe Menschen im Erzbistum

Logo_Zukunftsbild

Wozu bist du da, Kirche von Paderborn? Diese Frage stellte der Paderborner Erzbischof Hans-Josef Becker dem Zukunftsbild voran, auf dessen Basis das Erzbistum entwickelt wird. Wozu bist du da? Diese Frage kann sich auch jeder Einzelne stellen. Denn die Grundannahme des Zukunftsbildes ist eine biblische, dass nämlich jeder Mensch berufen ist, dass jede und jeder das eigene Leben als von Gott angenommen betrachten darf, dass es einen Sinn dieses Lebens gibt. Die Aufgabe des Menschen besteht darin, die Frage für sich zu beantworten.

Weitere interessante Artikel auf DerDom.de
27.01.2023

 

 

 

 

Wozu sind Sie da, Hermann-­Josef Dregger?

Hermann-­Josef Dregger (58) ist gelernter Industriekaufmann. Er arbeitet beim „Katholischen Hospitalverbund Hellweg“ in der Buchhaltung.

weiterlesen
26.01.2023

 

 

 

 

Wider die Demokratie-Entleerung – Über Gewalt und Vorbeugung

Ein Gespräch mit dem Konfliktforscher Martin Winands über die Gewalt und wie man ihr vorbeugen kann.

weiterlesen
25.01.2023

 

 

 

 

Werler Ministranten – Beten in Blau

Grün an Wochentagen, Violett in der Fastenzeit und Rot an Feiertagen – so kennt man es aus dem Gottesdienst in der eigenen Gemeinde. Die Wallfahrtsbasilika in Werl setzt auf ein ­anderes Konzept und kleidet ihre Messdiener in einer eher selten zu sehenden Farbe.

weiterlesen