Farbe bekennen!

Das heutige Evangelium ist von “Konsequenz und Auseinandersetzung geprägt”, sagt Charleen Horoba. Was heißt es also Farbe zu bekennen?

Foto: Dorothe/pixabay
veröffentlicht am 14.08.2022
Lesezeit: ungefähr 4 Minuten

Das heutige Evangelium lässt uns vielleicht erst einmal schlucken. Der liebenswürdige Jesus, der von der Liebe Gottes predigt und sich den Menschen zuwendet, spricht von Feuer und Spaltung. Als Teil seiner apokalyptischen Reden im Lukasevangelium möchte Jesus scheinbar einen Streit anzetteln.

Von Charleen Horoba

Was sich auf den ersten Blick wie ein Pöbeln anhört, kann in der näheren Auseinandersetzung den Blick weit werden lassen. In Lk 12,50 spricht Jesus davon, dass er getauft werden soll. Das ist vielleicht erst einmal verwirrend, denn Jesus war bereits getauft worden (Lk 3,21f.). Das kann also offensichtlich nicht gemeint sein. 

Unter Einbeziehung des Kontextes, in dem Jesus und die Jünger sich befinden (auf dem Weg nach Jerusalem), wird deutlich: Er möchte auf etwas anderes hinaus. Die Erwähnung der Taufe ist eine Anspielung auf den Tod und die Auferstehung Jesu. In dieser Weise versteht auch die frühe Kirche das Taufsakrament. So wird dort bereits überliefert, dass die Täuflinge in das Taufbecken herabsteigen mussten, dort untergetaucht wurden und schließlich wieder aus dem Becken hinaufsteigen durften. Hier zeigt sich die enge Verbindung von Taufe und dem Hinab- und Wiederaufsteigen des Kar- und Ostergeschehens.

Die positive Seite des Feuers in der Bibel

Jesus spricht in diesem Teil seiner Rede vom Feuer. Wahrscheinlich kommen erst einmal  die negativen Seiten des Feuers in den Sinn, wie die der Zerstörung. Jedoch hat das Feuer auch biblisch eine positive Assoziation: Das Feuer ist ein Zeichen von Gottes Gegenwart, wie schon im Alten Testament mit dem brennenden Dornbusch (Ex 3) und der Feuersäule, die das Volk Israel durch die Wüste geführt hat (Ex 13). Wenn Jesus sich Feuer auf der Erde wünscht, kann es also in diesem Zusammenhang bedeuten, dass die Gegenwart Gottes vollständig auf der Erde sichtbar werden soll.

Konflikte für bewussten Entscheidungsprozess

Das Leben in Zwietracht ist so gemeint, dass sich alle Menschen mit Jesu Lehre auseinandersetzen und sich dann für oder gegen ihn entscheiden sollen. Die Konflikte, die er in seiner Rede provozieren will, sind also Teil eines bewussten Entscheidungsprozesses, in dem das Neutral-Bleiben keine Option mehr ist. Das Bild der Familie zeigt, dass auch innerhalb einer Familie eine bewusste Auseinandersetzung stattfinden soll. Nicht der Friede ist in diesem Kontext das größte Ziel, sondern die Auseinandersetzung mit der Jesusnachfolge. Doch was bedeutet es, Stellung zu nehmen? Was genau heißt es, sich für oder gegen Jesus zu entscheiden? Diese Frage wird hier nicht beantwortet. 

Ideologisierung Gottes verhindern

Das heutige Evangelium lässt eine andere Seite von Jesus aufscheinen, die von Konsequenz und Auseinandersetzung geprägt ist. Diese andere Seite betont die menschliche Seite Jesu und trägt dazu bei, eine Ideologisierung Gottes zu verhindern. Dadurch wird der historische Jesus nahbar, was die eigene Auseinandersetzung mit den beschriebenen Situationen fördern kann. Was es genau heißt, für oder gegen Jesus zu sein, wird an dieser Stelle nicht beantwortet. Aber vielleicht lässt genau dieser Umstand den Freiraum für eine individuelle Ausgestaltung des christlichen Lebens.

Info

Feuer
Das Feuer ist ein wichtiges Element im Alten und im Neuen Testament. Vor allem im Tempelkult ist das Feuer präsent. Dort werden die Opfertiere verbrannt (Feuerkult). In der Exoduserzählung erscheint Gott dem Mose in Form eines brennenden Dornbusches (Ex 3), und auf dem Weg durch die Wüste führt Gott das Volk Israel in Form einer Feuersäule (Ex 13). Diese Beispiele zeigen eine weitere Bedeutung des Feuers: die Präsenz Gottes. Anhand von Gen 19,24 lässt sich auch die zerstörerische Kraft des Feuers erkennen, das die Strafe Gottes an den Menschen deutlich macht. Neutestamentlich hat das Feuer vor allem eschatologisch eine Relevanz (Joh 15,6). Auch wird in den Worten Johannes’ des Täufers der göttlichen Feuertaufe die Wassertaufe gegenübergestellt (Mt 3,11).

Die Autorin

Charleen Horoba studiert Caritaswissenschaft und Ethik in Freiburg.

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