Wozu sind Sie da, Herr Fuest?

Markus Fuest (37) aus Paderborn gehört seit dem vergangenen Jahr er der Libori-Schreinträgerbruderschaft an. Er ist ihr jüngstes Mitglied.

Markus Fuest (37) aus Paderborn. (Foto: Patrick Kleibold)
Markus Fuest (37) aus Paderborn. (Foto: Patrick Kleibold)
veröffentlicht am 22.07.2022
Lesezeit: ungefähr 4 Minuten

Für uns Paderborner liegt nun die schönste Zeit des Jahres vor uns. Unser Libori-­Fest ist ein unvergleichliches Highlight im Kirchenjahr. Als Mitglied der Libori-­Schreinträgerbruderschaft bin ich dafür da, den Schrein zu tragen, so wie er früher von Le Mans nach Paderborn überführt wurde. Dieses Fest als Träger des Schreins mitgestalten zu dürfen, ist für mich eine große Ehre.

Zum Schreinträger wird man berufen. Man kann sich nicht bewerben. Mein Vater, der selbst viele Jahre den Schrein mitgetragen hat, ist im vergangenen Jahr in Rente gegangen. Mit dem beruflichen Ruhestand geht man traditionell auch als Schreinträger in Rente und dann muss ein Nachfolger für die 16-­köpfige Libori-­Schreinträgerbruderschaft gefunden werden. Früher wurden ausschließlich Handwerker in die Bruderschaft berufen, das hat sich in den vergangenen Jahrzehnten schrittweise verändert, sodass mein Vater mich schon sehr früh gefragt hat, ob ich mir das eines Tages vorstellen könnte. Gedrängt hat er mich jedoch nicht. Ich musste nicht lange darüber nachdenken und so kam es dazu, dass er mich der Bruderschaft vorgeschlagen hat. Den Schrein durch den Dom tragen zu dürfen ist eine ehrenvolle Aufgabe, daher bin ich sehr dankbar dafür, dass sich die Bruderschaft während einer Beratung für mich entschieden hat. Zum Glück habe ich die richtige Größe, denn auch die kann ein Auswahlkriterium sein.

Nervös und aufgeregt vor der Erhebung der Reliquien

Mein erstes Jahr als Schreinträger werde ich in zweifacher Hinsicht niemals vergessen. Obwohl ich mir die Handgriffe und Abläufe genau eingeprägt hatte, so erinnere ich mich noch genau daran, dass ich nervös und aufgeregt war vor der Erhebung der Reliquien am Libori-­Samstag. Doch in dem Moment, in dem man den Schrein auf der Schulter hat, legt sich die Anspannung schlagartig. Und dann ist ein weiteres wundervolles Ereignis eingetreten, das mein erstes Libori als Schreinträger noch bedeutsamer und für immer unvergessen gemacht hat. Am Libori-­Sonntag ist es Tradition, dass die Bruderschaft vor dem Pontifikal­amt gemeinsam frühstückt. Ich hatte diesen Tag fest eingeplant, aber dann meinte unser Sohn, er müsse sich auf den Weg machen, um geboren zu werden. Und so sind wir ins Krankenhaus gefahren und mein Vater musste für mich als Schreinträger einspringen. Libori-­Sonntag verbinde ich daher mit der Geburt meines Sohnes. Er heißt aber nicht Liborius.

Nach den vergangenen zwei Jahren und den Veranstaltungen „Libori digital“ und „Libori light“ ist meine Vorfreude in diesem Jahr besonders groß. Los geht es am Donnerstag vor Libori, wenn wir den Schrein aus dem Diözesanmuseum holen und in den Dom bringen. Und am Libori-­Sonntag werde ich erstmalig den Schrein im Pontifikalamt und während der anschließenden Prozession tragen. Darauf fiebere ich hin. Und wenn dann noch der Tusch im Dom erklingt, wird das sicherlich ein ganz besonderer Moment.

Zur Person

Markus Fuest (37) aus Paderborn arbeitet seit zehn Jahren als Mediengestalter in den Bereichen Bild und Ton für das Paderborner Unternehmen Lean-­pro. Seit dem vergangenen Jahr gehört er der Libori-­Schreinträgerbruderschaft an. Er ist ihr jüngstes Mitglied.

Aufgezeichnet und fotografiert von Patrick Kleibold

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