Friedensort in Lipperbruch – Maria löscht das Flammenmeer

Friedensorte sind Leuchttürme für das gesellschaftliche Engagement einer Kirche, die tut, was sie predigt. Die Kirche Maria Frieden in Lipperbruch als Heimat für Vertriebene und Geflüchtete ist ein solcher Ort.

Friedensort Kirche Maria Frieden in Lipperbruch. (Fotos: Patrick Kleibold)
Friedensort Kirche Maria Frieden in Lipperbruch. (Fotos: Patrick Kleibold)
veröffentlicht am 09.07.2022
Lesezeit: ungefähr 3 Minuten

Friedensorte sind Leuchttürme für das gesellschaftliche Engagement einer Kirche, die tut, was sie predigt. Die Kirche Maria Frieden in Lipperbruch als Heimat für Vertriebene und Geflüchtete ist ein solcher Ort.

Von Patrick Kleibold

Zehn Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg, der über 50 Millionen Menschen das Leben kostete und Zigmillionen Menschen ihr Hab und Gut und ihre Heimat raubte, begannen die Menschen auf dem Lipperbruch damit, sich ein neues Zuhause aufzubauen. Im Zentrum dieses Wiederaufbaus stand die Friedenskirche Maria Frieden, die am 9. Juli 1955 geweiht wurde. Sie ist errichtet von und für Menschen, die durch Flucht und Vertreibung Heimat und Wurzeln verloren hatten und die an diesem Ort einen Neuanfang wagten. Das gemeinsame Schicksaal war dabei Ansporn für alle, nicht allein nach wirtschaftlicher Sicherheit zu streben, sondern neben dem eigenen Zuhause auch eine Heimat für den Glauben zu schaffen.

Friedensort Kirche Maria Frieden in Lipperbruch. (Fotos: Patrick Kleibold)

Herausragende Gemeinschaftsleistung

„So war der Kirchbau eine herausragende Gemeinschaftsleistung, bei der sich – angefangen von der Einebnung des Baugeländes durch freiwillige Helfer über die Aufführung eines Theater­stückes bis hin zu Sammel­aktionen – alle im Rahmen ihrer Möglichkeiten einbrachten“, heißt es in einer Chronik, die zum 50-jährigen Bestehen veröffentlicht wurde. In Lipperbruch ist so aus einer mitfühlenden Solidarität und Opferbereitschaft ein Ort der Gemeinschaft entstanden.

Als Architekt konnte Aloys Dietrich aus Paderborn gewonnen werden, der nach den Wünschen der Bewohner eine Konzeption des Bauwerkes entwickelte, die in neuzeitlicher Formensprache der adäquate Ausdruck dieser Jahre der Not und des Wiederbeginns für die Bewohner sein sollte. Als charakteristisch bezeichnete der Baumeister die geraden Linien, glatte Flächen und die klaren und weiten Räume.

„Begegnung mit Christus“

Für den malerischen Schmuck wurden zwei Themenkreise gewählt, ein christologischer und ein marianischer. Das Hauptmotiv lautet: „Begegnung mit Christus“. Aus der Heiligen Schrift wurden einzelne Szenen ausgewählt und so gestaltet, dass sie den Menschen von heute anrufen. Das zweite Thema ist der Königin des Friedens gewidmet, weil niemand dem Herrn nähergekommen ist als seine Mutter, weil sie den Friedenskönig der Welt geschenkt hat und weil sie mütterlich-bittend der Welt die Gnade des Friedens erfleht. Beide Motive sollten so jenen tiefen Zusammenklang haben, den das Marienwort bezeichnet: „Alles, was ER euch sagen wird, das tuet“ (Joh 2,5).

Eine zentrale Abbildung im Kirchenraum ist daher das Marienbild „Regina Pacis – Maria, Königin des Friedens“, auf dem die Gottesmutter mit dem Jesuskind über der brennenden Weltkugel thront. Die Welt zeigt sich dort im Flammenmeer, doch löscht Maria mit dem Kreuz des Rosenkranzes die Flammen. Das Gottesbild wurde in den Aufbaujahren von dem heimatvertriebenen schlesischen Maler Blaschke als Geschenk an die Gemeinde übergeben.

Friedensort Kirche Maria Frieden in Lipperbruch. (Fotos: Patrick Kleibold)

Info

In Lipperbruch auf dem Gutshof Mentzelsfel in der Pfarrei St. Elisabeth wurde seit Weihnachten 1946 katholischer Gottesdienst für Vertriebene und Evakuierte gehalten. 1953 wurde ein Seelsorgebezirk eingerichtet und 1954/55 die Kirche Maria Frieden gebaut. 1957 wurde die Pfarrvikarie errichtet, sie liegt in der Stadt Lippstadt.

Weitere Berichte zur katholischen Kirche im Erzbistum Paderborn finden Sie in der aktuellen DOM-Ausgabe. Schauen Sie mal rein, es lohnt sich bestimmt.

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