Muezzinruf – Mehrheit dagegen

In Bonn finden sich Kirche und Moschee in direkter Nachbarschaft. Ein Großteil der Deutschen lehnt eine Gleichstellung zwischen Glockengeläut und Muezzinruf allerdings ab. (Foto: unsplash)
In Bonn finden sich Kirche und Moschee in direkter Nachbarschaft. Ein Großteil der Deutschen lehnt eine Gleichstellung zwischen Glockengeläut und Muezzinruf allerdings ab. (Foto: unsplash)
veröffentlicht am 22.10.2021
Lesezeit: ungefähr 2 Minuten

Kritiker halten das Kölner Modellprojekt zum Muezzinruf für eine unzulässige Bevorzugung einer Minderheit. Der Gebetsruf beinhalte problematische Botschaften und werde von vielen Muslimen nicht als notwendig erachtet. Zuvor hatten sich in einer repräsentativen Umfrage drei Viertel der Deutschen gegen einen alltäglichen Muezzinruf in Kommunen ausgesprochen. Die Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker (parteilos) verteidigte das Projekt, das auf zwei Jahre befristet ist und Auflagen vorsieht.

Die Frankfurter Islamwissenschaftlerin Susanne Schröter sagte im „Deutschlandfunk“, der islamische Gebetsruf beinhalte im Gegensatz zum christlichen Glockengeläut die ausdrückliche Botschaft, dass Allah der Größte sei. Die Genehmigung des Rufs bedeute ein Privileg vor allem für die Vertreter eines politischen Islam wie etwa der Ditib, der Auslandsorganisation der türkischen Religionsbehörde. Schröter zeigte sich überzeugt, dass die Mehrheit der Muslime in Deutschland den Muezzinruf gar nicht wolle. Vor allem Geflüchtete hätten damit sogar teils traumatische Erfahrungen gemacht.

Drei Viertel der Menschen lehnen den Muezzinruf ab

Dass der Muezzinruf genauso selbstverständlich erklingt wie Kirchenglocken, ist allerdings selbst im Kölner Modellprojekt unwahrscheinlich. Die Stadt kündigte an, dass Moscheegemeinden auf Antrag und unter Auflagen ihre Gläubigen an Freitagen zum Gebet rufen können. Der Ruf dürfe maximal fünf Minuten lang erklingen. Die umliegende Nachbarschaft sei im Vorfeld zu informieren und eine Ansprechperson für Fragen zu benennen. Bislang habe aber noch keine Gemeinde einen Antrag gestellt.

Einer Umfrage des „Bonner General-Anzeigers“ zufolge lehnen es drei Viertel der Menschen in ganz Deutschland ab, dass der Muezzinruf genauso selbstverständlich zu hören sein sollte wie Kirchenglocken. 64 Prozent wollen dies sogar „auf keinen Fall“, wie die Untersuchung des Meinungsforschungsinstituts Civey zeigt. Mit 98 Prozent sind fast alle Anhänger der AfD gegen den alltäglichen Muezzinruf. Unter den Unions- und FDP-Wählern liegt die Ablehnung mit je 88 Prozent ebenfalls über dem Schnitt aller Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Zudem verneinten 82 Prozent der Katholiken und 71 Prozent der Protestanten die Frage.

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