Unsichtbar

Claudia Auffenberg zur Frage: Warum werden Frauen vielfach aus der Öffentlichkeit und von der Macht ferngehalten?

Unsichtbar. (Foto: Unsplash)
Unsichtbar. (Foto: Unsplash)
veröffentlicht am 05.09.2021
Lesezeit: ungefähr 3 Minuten

In Afghanistan werden die Frauen unsichtbar und das zu ihrem eigenen Schutz. So jedenfalls hat es ein Talibansprecher dieser Tage der New York Times erläutert. Zuerst müsse den eigenen Kämpfern beigebracht werden, dass man Frauen respektiert und nicht schlägt oder steinigt oder vergewaltigt oder zwangsverheiratet. Bis die Männer das verstanden haben, sollten die Frauen aus der Öffentlichkeit verschwinden. Dazu reicht es nicht, sich total zu verhüllen, sie sollen besser gleich zu Hause bleiben. Eben weil es besser für sie sei.

Was die Taliban machen, ist in seiner Brutalität einzigartig, die Haltung dahinter ist es womöglich nicht. Frauen waren und sind nach wie vor oft unsichtbar und das in vielen gesellschaftlichen Bereichen: Die Kernphysikerin Lise Meitner war maßgeblich an der Entdeckung der Kernspaltung beteiligt, aber den Nobelpreis dafür bekam Otto Hahn. Einer der Pioniere der abstrakten Malerei war Kandinsky, oder kennt jemand Hilma af Klint, eine ihm mindestens ebenbürtige Künstlerin? Bei Autocrashtests und in der Medizinforschung ist der männliche Körper oft die Norm. Deswegen haben Frauen beim Herzinfarkt ein höheres Sterberisiko, weil sie andere, gewissermaßen „unnormale“ Symptome haben, die nicht als solche erkannt werden.

Frauen unsichtbar zu machen, reicht bis in biblische Zeiten

Frauen unsichtbar zu machen, reicht bis in biblische Zeiten. Immerhin: Seit der neuen Einheitsübersetzung aus dem Jahr 2016 und dem danach erstellten neuen Lektionar werden die Lesungen mit der Formel “Schwestern und Brüder” begonnen, nicht mehr nur mit “Brüder”. Und seit jener Bibelausgabe heißt die Person, die mit Paulus im Gefängnis war, die sich schon vor ihm zu Christus bekannt hat und die – wie er schreibt – unter den Aposteln herausragt, nicht mehr Junias, sondern Junia. Das ist das prominenteste Beispiel für eine über Jahrhunderte verborgene Frau, aber wer weiß schon, wo noch Frauen verheimlicht, übertüncht und unerwähnt sind. War wirklich keine Frau im Abendmahlssaal dabei? Waren die Emmausjünger tatsächlich zwei Männer oder vielleicht doch ein Ehepaar, also ein Mann und eine Frau? Die erste bekannte christliche Person Europas war Lydia, also eine Frau. Die ersten Zeuginnen der Auferstehung waren…

Aber nun, das ist ja alles längst bekannt. Und doch ändert sich nur sehr langsam etwas. Kleines Beispiel: Noch heute reicht ein Wort, ach, nicht mal ein Wort, sondern nur ein *, um manche Gemüter zu erhitzen.

Warum, so möchte man gern mal fragen, wenn man nur wüsste, wen– warum ist das so? Warum werden Frauen vielfach aus der Öffentlichkeit und von der Macht ferngehalten, indem man ihnen Ämter, Aufgaben oder einfach nur die Erwähnung verweigert?

Ihre
Claudia Auffenberg

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