Synodaler Weg für die Weltkirche

Papst ruft weltweite Synode aus: Ein Ereignis wird zum Prozess

Papst Franziskus hat die italienische Bischofskofenrenz bei ihrer Vollversammlung aufgefordert, einen synodalen Weg zu gehen. Schon öfter hatte er dies angemahnt. Jetzt schickt er die ganze Kirche auf diesen Weg. Foto: kna
veröffentlicht am 26.05.2021
Lesezeit: ungefähr 4 Minuten

Vatikanstadt (KNA). Im März hatte Kardinal Mario Grech etwas herumgedruckst auf die Frage, wie es um die für Herbst 2022 angekündigte Bischofssynode steht. „Vor allem für eine Synode über Synodalität braucht es die Beteiligung eines größeren Personenkreises“, deutete der Leiter des Synodensekretariats in Rom im Interview mit der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) eine Verschiebung an. Am Freitag nun ließ der Vatikan die Katze aus dem Sack: Die gesamte katholische Weltkirche mit ihren gut 1,3 Milliarden Mitgliedern schickt Papst Franziskus auf einen synodalen Weg.

Zwei Jahre lang soll die nächste Vollversammlung der Bischofssynode in Rom vorbereitet werden. Wobei die dezentrale und lokale Vorbereitung – auf Diözesan- und später auf Kontinentalebene – bereits Bestandteil der Bischofssynode ist. Diese Institution, von Papst Paul VI. 1965 geschaffen, traf sich bisher etwa alle zwei Jahre für drei Wochen in Rom. Sie wird nun „von einem Ereignis zu einem Prozess“, so Grech.

Das Thema wirkt auf den ersten Blick wie eine Nabelschau: „Was kennzeichnet eine synodale Kirche?“ – das klingt zunächst nicht nach einem großen Wurf. Und doch hat es Potenzial für eine grundlegende Reform der bislang eher hierarchisch strukturierten Weltkirche. So sollen in jedem der mehr als 4000 katholischen Bistümer Laien und Kleriker beraten. Die Ergebnisse verarbeiten Grech und sein Team zu einem ersten Arbeitspapier, das im zweiten Synodenjahr auf kontinentaler Ebene beraten wird. Daraus entsteht am Ende das Arbeitspapier („Instrumentum laboris“) für die Welt-Bischofsversammlung im Oktober 2023.

Synodalität, so betont Franziskus immer wieder, heißt: Aufeinander hören, um zu lernen, wohin Gottes Geist die Kirche führen will. Dabei grenzt er die Synode ab von einem Parlament. Statt um bloße Debatte und Mehrheitsentscheide geht es um Zuhören, Verstehen, Gebet und Reflexion – um am Ende zu Lösungen zu kommen, die von allen mit Überzeugung mitgetragen werden.

Dabei gemeinsam zu beten und Eucharistie zu feiern, soll nicht nur helfen, Gottes Geist besser zu vernehmen. Es verändert auch Atmosphäre ud Tonalität der Debatten. An dem Punkt unterscheiden sich derzeit die katholische Kirche in Deutschland und weite Teile der Weltkirche.

Die Synodalen in Deutschland diskutieren theologisch kontrovers, oft mit schneidend scharfen Argumenten und auch polemisch. In der Debatte wird unter dem Eindruck der Missbrauchskrise vieles radikal in Frage gestellt. In Rom, aber auch andernorts, wird das ehrgeizige Projekt beargwöhnt.

Zwar malt nicht jeder gleich ein Schisma an die Wand. Doch etliche Kirchenvertreter, Kuriale und Beobachter können sich des Eindrucks nicht erwehren, nördlich der Alpen meine man immer noch, an deutschem Wesen solle die Welt(kirche) genesen. Schon früh merkten gutwillige Beobachter wie Luxemburgs Kardinal Jean Claude Hollerich an, den Anliegen des Synodalen Weges, die ja keine rein deutschen sind, käme es zugute, wenn dieser sich mit der Kirche in Nachbarländern besser vernetzen würde.

Die vom Papst angestoßene Bischofssynode bietet dazu die beste Gelegenheit. Deren Sekretär Grech betonte mehrfach, er stehe bereit, laufende synodale Projekte zu vernetzen – ob in Irland, Australien, Lateinamerika oder Deutschland. Das von Rom vorgeschlagene Prozedere ist so offen, dass bestehende Prozesse darin aufgenommen werden können.

Für Franziskus ist Synodalität eines der Hauptanliegen seines Pontifikats. Erste Ansätze dazu waren Fragebögen, die er vor den Familiensynoden 2014 und 2015 verschicken ließ. Es folgten eine internationale Vorsynode junger Menschen in Rom vor der Jugendsynode im Oktober 2018. Zur Amazonas-Synode 2019 gab es breite Konsultationsprozesse in Lateinamerika.

Reaktionen

Bonn (KNA). Ein „starkes Zeichen für die Mitwirkung“ aller Gläubigen, ist die angekündgite Bertatungsprozess nach Worten des Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Georg Bätzing. Wie nie zuvor werde das Volk Gottes in die Vorbereitung und den Weg einer Weltbischofssynode einbezogen. In Deutschland werde dieser Prozess „durch den bereits eingeschlagenen Synodalen Weg ergänzt“, erklärte Bätzing am Freitag in Bonn.

Auch das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) begrüßte die Ankündigung. Dieser Schritt zeige, dass die Reformbewegung in Deutschland in Rom mit Interesse wahrgenommen worden sei, sagte ZdK-Sprecherin Britta Baas ebenfalls am Freitag. Der Synodale Weg in Deutschland werde weitergehen, und man nehme dankbar zur Kenntnis, dass dieser Prozess offenkundig die Weltkirche inspiriere.

Bätzing sagte, man wolle die Erfahrungen des Synodalen Weges in Deutschland in die Vorbereitung und Durchführung der römischen Bischofssynode einbringen. Er betonte, es handle sich um „zwei verschiedene Wege, die ein gemeinsames Ziel haben: die Frohe Botschaft des Evangeliums heute unter den ,Zeichen der Zeit‘ sichtbar und lebbar zu machen“. 

Der Papst habe bereits zu Beginn seines Pontifikats dazu aufgerufen, auf konkrete Probleme vor Ort einzugehen und dezentrale Lösungen zu finden, fügte ZdK-Sprecherin Baas hinzu. Insofern sei es konsequent, die synodalen Prozesse, die auch in verschiedenen anderen Ländern liefen, nun auch auf weltkirchlicher Ebene zusammenzuführen. Der Synodale Weg in Deutschland werde sich zu gegebener Zeit in diesen Prozess einbringen, so Baas.

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