Schwangere in Not, statt in Vorfreude

Katholische Beratungsstellen im Erzbistum Paderborn vermitteln 1,85 Millionen Euro an Hilfen

Schwangere sind in Zeiten der Pandemie großen Belastungen ausgesetzt. Foto: Pixabay
veröffentlicht am 12.05.2021
Lesezeit: ungefähr 4 Minuten

Bielefeld/Detmold/Minden. Eigentlich sollte es eine Zeit der gespannten Vorfreude sein: die Zeit der Schwangerschaft. Doch die Corona-Pandemie habe viele Schwangere an den Rand ihrer Belastbarkeit – und darüber hinaus – gebracht, sagt Anke Baule, Referentin für Schwangerschaftsberatung beim Diözesan-Caritasverband Paderborn. Kurzarbeit, fehlender Zugang zu gebrauchter Babyausstattung und Mangel an Austausch mit anderen jungen Müttern habe vor allem Erstgebärende und ihre Familien in eine verzweifelte finanzielle, aber auch sozial isolierte Situation gebracht, so das Fazit nach einer digitalen Austauschrunde mit den Schwangerschaftsberaterinnen im Erzbistum Paderborn.  

von Markus Jonas

Insgesamt 5420 Frauen, Männer und Paare wurden im vergangenen Jahr von den 14 katholischen Schwangerschaftsberatungsstellen im Erzbistum Paderborn beraten. Mehr als die Hälfte von ihnen kam wegen finanzieller Nöte: Insgesamt 1,85 Millionen Euro an Hilfen konnten die Schwangerschaftsberaterinnen an 2900 Antragsteller vermitteln, vor allem aus Geldern der Bundesstiftung „Mutter und Kind – Schutz des ungeborenen Lebens“, aber auch aus Fonds-Mitteln des Erzbistums Paderborn, von Kommunen oder der Aktion Lichtblicke. 

Schwierig für Erstgebärende

Von großen Ängsten der Schwangeren berichtet etwa Angela Kloppenburg, Schwangerschaftsberaterin in Meschede und Paderborn. „Das schlimmste ist die Einsamkeit und soziale Isolation, vor allem beim ersten Kind.“ Eine Schwangere habe gestanden, dass sie aus Angst vor einer Infektion seit Wochen nur noch mit ihrem Hund rede. „Gerade für Erstgebärende ist die Situation katastrophal“, sagt Lisa Prezewowsky, Beraterin in Detmold. Sie stellt einen großen Erschöpfungszustand bei vielen Schwangeren fest. Das hänge auch mit der schwierigen finanziellen Lage vieler Familien zusammen. Jobcenter, Elterngeldstelle und andere Behörden seien kaum erreichbar, Anträge dauerten viel länger. „Die Frauen sind ohnmächtig und fühlen sich allein gelassen.“ Vor allem Migranten geht es so. Viele kommen zu Karin Radszati, Schwangerschaftsberaterin in Minden. Für Schwangere, deren Muttersprache nicht Deutsch ist, sei der Kontakt zu den Behörden noch schwieriger geworden. Sie suchen deshalb Hilfe beim Ausfüllen von Dokumenten und Formularen. Doch: „Viele Sachbearbeiter sind nicht zu erreichen“, sagt sie.

„Extremen Druck“ stellt auch Daniela Fischer, Beraterin in Lippstadt, bei den Schwangeren fest. „Da herrscht große Verunsicherung, das ist keine unbeschwerte Schwangerschaft.“  Umso größer sei die Dankbarkeit, dass die katholischen Schwangerschaftsberatungsstellen auch in der Pandemie weiter erreichbar waren und sind – mit einem Mix aus Beratungen in Präsenz vor Ort, über Telefon oder Videotelefonie. Viele Schwangere mit Migrationshintergrund bevorzugten wegen Verständigungsschwierigkeiten die Möglichkeit der Beratung vor Ort, sagt Ivonne Rybak, Beraterin in Hagen. Schwangere mit kleinen Kindern seien dagegen angesichts zeitweise geschlossener Schulen und Kitas froh über die Möglichkeit, unkompliziert per Video Beratung zu erhalten. Denn: „Viele Schwangere mit Kindern gehen auf dem Zahnfleisch“, sagt sie. Das stellt auch Doris Schlepphorst, Beraterin aus Bielefeld, fest. „Viele leiden unter dem engen Wohnraum, dem wenigen Geld und der Überforderung durch Homeschooling und Kinderbetreuung. Viele sind müde und haben die Situation satt.“ 

Wichtige Hilfen fallen weg

„Da ist oft wenig Freude“, stellt Kirsten Franke fest, Beraterin in Dortmund. „Schwangerschaft wird zur Randerscheinung, um die man sich auch noch kümmern muss.“ Hinzu kommt, dass wichtige Hilfen in der Pandemie wegfallen: Es gibt keine Geburtsvorbereitungskurse, keine Krabbelgruppen, Second-Hand-Märkte, Babybörsen und Flohmärkte fallen aus. „Dadurch wird für die Schwangeren alles teurer“, sagt Bärbel Pielsticker, ebenfalls Beraterin in Dortmund. 

Seit Jahresanfang beobachtet Anja Klöpper, Beraterin in Hamm, dass die zunächst noch geduldige Stimmung der Familien umschlägt. „Es herrscht viel Ohnmacht, viele haben Angst, wie es weitergeht, finanzielle Nöte rücken in den Vordergrund. Kurzarbeit und Arbeitslosigkeit nehmen zu“, hat sie beobachtet. Ihre Sorge: „Ich habe das Gefühl, dass das Fass bald überläuft.“

Licht am Ende des Tunnels

Viele Nöte können die Beraterinnen lindern helfen. Schwangeren raten sie zudem, das Gespräch mit Frauen in ähnlichen Situationen zu suchen, notfalls telefonisch. Bei medizinischen Fragen rund um die Schwangerschaft sei es besser, die Hebamme oder Frauenärztin zu fragen, anstatt im Internet selbst zu recherchieren. Zudem: „Es gibt Licht am Ende des Tunnels“, sagt Anke Baule vom Diözesan-Caritasverband Paderborn, zumal sich nun zwei enge Kontaktpersonen von Schwangeren impfen lassen können. „Langsam aber sicher wird sich mit der zunehmenden Zahl der Impfungen die Situation entspannen.“

Info

Im Erzbistum Paderborn gibt es 14 katholische Schwangerschaftsberatungsstellen von Sozialdienst katholischer Frauen (SkF) und Caritas, und zwar in Arnsberg, Bielefeld, Brakel, Detmold, Dortmund, Gütersloh, Hagen, Hamm, Lippstadt, Meschede, Minden, Olpe, Paderborn und Siegen. Weitere Infos und Kontakt: www.caritas-paderborn.de/beraten-helfen/schwangerschaftsberatung/

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