Terror am Palmsonntag

Selbstmordattentat erschüttert an Palmsonntag das Erzbistum Makassar, zu dem die Gütersloher Pater-Noldus-Aktion enge Beziehungen unterhält

Erzbischof Johannes Liku Ada’ von Makassar (Bildmitte) bespricht sich nach dem Anschlag mit Polizei und Militärs. Fotos: Erzbistum Makassar
veröffentlicht am 07.04.2021
Lesezeit: ungefähr 5 Minuten

Gütersloh. Hermann Hermjohannknecht ist erschüttert. Der islamistische Terror ist dem Gründer und Leiter der Pater-Noldus-Aktion in Gütersloh auf einmal sehr nahe gerückt. An Palmsonntag explodierte nach der Messe vor der Herz-Jesu-Kathedrale im indonesischen Makassar eine Bombe (Der Dom berichtete). Nur wenige Minuten nach dem Attentat klingelte deshalb bereits sein Telefon.

von Markus Jonas

„Um vier Uhr morgens ging am Palmsonntag unser Telefon“, berichtet er. Trotz nachtschlafender Zeit ging er an den Apparat und hörte von Pastor Dr.John Toring die erschreckende Neuigkeit: In Makassar, der Hauptstadt der indonesischen Provinz „Sulawesi Selatan“ (Südsulawesi), wo die Pater-Noldus-Aktion seit mehr als 50 Jahren enge Beziehungen zum dortigen Erzbistum und den Pfarreien unterhält und wo sie zahlreiche Hilfsprojekte unterstützt hat, haben zwei mutmaßlich islamistische Attentäter kurz vor 10.30 Uhr Ortszeit auf einem Motorrad versucht, ein Blutbad unter den Gottesdienstbesuchern anzurichten. Kurz nach Ende der Palmsonntagsmesse, als die Menschen aus der Kathedrale auf den Vorplatz strömten, versuchten ein Mann und eine verschleierte Frau auf einem Motorrad auf den Vorplatz zu fahren, mutmaßlich, um inmitten der Gottesdienstbesucher eine Bombe zu zünden. „Wachleute konnten das glücklicherweise verhindern“, berichtet Hermann Hermjohannknecht. „Und dann ist die Bombe wohl zu früh losgegangen.“ Von der Explosion wurden die beiden Attentäter getötet. 19 weitere Menschen wurden verletzt, hat Hermjohannknecht erfahren– „darunter auch der Neffe von Pater Marcel“, sagt der 90-Jährige, der fast alle Priester des Erzbistums Makassar kennt. Zweimal musste dieser Neffe seines Bekannten schon operiert werden. 

Tiefe Sorge um Frieden

Gäbe es Corona nicht, wäre Hermann Hermjohannknecht bei dem Attentat mit seiner Frau wohl vor Ort gewesen. Denn seinen 90.Geburtstag am Gründonnerstag wollte er eigentlich in Indonesien feiern, seiner „zweiten Heimat“, wie er sagt. Schließlich hat die von ihm gegründete Pater-Noldus-Aktion schon 1965 bei der Gründung einer Landwirtschaftsschule im Erzbistum Makassar geholfen. Mit Unterstützung aus Gütersloh soll sie in diesem Jahr renoviert werden (Der Dom berichtete).

Nach dem ersten Anruf in der Nacht erreichen Hermjohannknecht weitere Anrufe von Bekannten und Freunden aus Indonesien. Zugleich erhält Hermjohannknecht, der im Erzbistum Makassar bekannt ist „wie ein bunter Hund“, über WhatsApp Fotos vom Geschehen rund um das Attentat. Zu sehen sind auf einem Foto auch die beiden Attentäter: Hinter dem Fahrer scheint eine tief verschleierte Frau zu sitzen. Kurz danach explodiert die Bombe und hinterlässt ein kaum als Motorrad erkennbares Wrack, wie ein weiteres Foto zeigt. Autos in der Nähe werden ebenfalls beschädigt, die Wachleute, die die Attentäter aufhielten, verletzt. Auf anderen Fotos ist Erzbischof Johannes Liku Ada’, ein guter Freund von Hermjohannknecht, inmitten von aufgeregten Menschen, Polizisten und schwer bewaffneten Soldaten zu sehen. 

Die indonesische Polizei teilte wenige Stunden nach dem Anschlag mit, es gäbe eine Verbindung der beiden mutmaßlichen Täter zur indonesischen Terrorgruppe „Jamaah Ansharut Daulah“ (JAD). Diese Gruppe soll neben anderen hinter Bombenanschlägen auf drei Kirchen und das Polizeipräsidium in Indonesiens zweitgrößter Stadt Surabaya im Mai 2018 und dem Anschlag auf die Kathedrale im südphilippinischen Jolo im Januar 2019 stehen. Die JAD gilt als regionaler Ableger der Terrormiliz „Islamischer Staat“.

Die Indonesische Bischofskonferenz äußerte sich durch Bischof Yohanes Harun Yuwono aus Tanjunkarang zu dem Anschlag. Harun Yuwono ist Vorsitzender der Kommission für Ökumene und interreligiöse Angelegenheiten. „Der Selbstmordanschlag ist nicht nur eine tiefe Sorge für die Katholiken, sondern eine tiefe Sorge für ganz Indonesien“, schreibt der Bischof in einer Erklärung. Die Bevölkerung solle wachsam bleiben und sich nicht zu Gewalt hinreißen lassen. Man habe Vertrauen in die Sicherheitsbehörden. „Wir hoffen, dass der Anschlag die Beziehungen zwischen den religiösen Gruppen, die wir aufgebaut haben, nicht beschädigen oder schwächen wird“, erklärte Harun Yuwono.

Spenden für Verletzte

Nach Einschätzung von „Kirche in Not“ unterstreicht das Selbstmordattentat, dass sich der dschihadistische Terror weiter in den asiatischen Raum frisst. „Südostasien ist ein häufig vergessener Brennpunkt der Christenverfolgung. Die Angst in der Region wächst“, sagte der Geschäftsführer von „Kirche in Not“ Deutschland, Florian Ripka.

Nach Angaben des Berichtes „Religionsfreiheit weltweit“ von „Kirche in Not“, der Ende April in einer Neuauflage erscheint, sind rund 80 Prozent der 262 Millionen Indonesier Muslime, rund 12 Prozent sind Christen. Indonesien ist das größte muslimische Land der Erde, dennoch ist der Islam nicht Staatsreligion. Das Zusammenleben der Religionen galt weitgehend als friedlich, viele Muslime folgen moderaten sunnitischen Strömungen. „Die Christen dort haben eigentlich immer ein gutes Verhältnis zu den Muslimen gehabt“, bestätigt auch Hermann Hermjohannknecht.

Zunehmend breiten sich jedoch konservative und teilweise gewaltbereite islamistische Strömungen aus. Der Einfluss islamistischer Gruppen, die durch Aufenthalte in Saudi-Arabien oder als Kämpfer des IS ideologisiert worden seien, steige seit Jahren, sagte auch Johannes Seibel, Sprecher des katholischen Missionswerkes missio. Religiöse Minderheiten leiden unter verschiedenen Formen von Diskriminierung, zum Beispiel beim Bau von Gotteshäusern. International bekannt wurde der Fall des ehemaligen Gouverneurs der Hauptstadt Jakarta, des chinesisch-stämmigen Christen Basuki Tjahaja Purnama, genannt Ahok. Er wurde im Jahr 2017 wegen angeblicher blasphemischer Äußerungen im Wahlkampf zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt. Auch gab es Anschläge auf christliche Kirchen und buddhistische Tempel.

Doch direkt nach dem Anschlag macht sich Hermann Hermjohannknecht erst einmal Sorgen um die 19 Verletzten. „Es gibt keine Krankenversicherung. Wie sollen die die Arztrechnungen bezahlen?“ Er möchte deshalb mit der Pater-Noldus-Aktion Spenden für die Verletzten des Terror-Attentats sammeln. Unterstützung hat er bereits von einem befreundeten Priester aus Düsseldorf, der die Hilfsaktionen im Erzbistum Makassar von einem Praktikum kennt. Er hat bereits spontan in seiner Messe am Ostermontag Spenden für die Opfer gesammelt.

Info

Mehr Infos unter: www.pater-noldus-aktion.de 

Spenden für die Verletzten sowie für die Hilfsprojekte: Pater-Noldus-Aktion e.V., Volksbank Gütersloh eG,  IBAN: DE92478601250077058200, BIC: GENODEM1GTL

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