Wie sich Komplimente als Rassismus entpuppen

Online-Veranstaltung zum Thema Alltagsdiskriminierung am 1. März mit Dr. Keith Hamaimbo

Alltagsrassismus geschieht in ganz gewöhnlichen Situationen, etwa beim Einkaufen im Supermarkt. Foto: Dollar Gill/Unsplash
veröffentlicht am 26.02.2021
Lesezeit: ungefähr 3 Minuten

Erzbistum. Rassistische Denk- und Handlungsmuster sind in unserer Gesellschaft allgegenwärtig. Fatal: Oft äußern sie sich unbewusst und richten großen Schaden an. Zeit, die Erfahrungen von Betroffenen anzuerkennen und das eigene Verhalten zu überdenken. 

Auf dem Weg nach Bielefeld möchte Dr. Keith Hamaimbo am Kölner Hauptbahnhof in den wartenden ICE steigen. Ein Kontrolleur steht in der Zugtür und verwehrt den Zutritt: „Erst das Ticket zeigen“, fordert er Hamaimbo auf. Der Pendler mit der Bahncard Komfort samt Fahrschein erwidert: „Warum kon trollieren Sie mich draußen? Sie denken doch, dass ich gar kein Ticket habe.“ Da wirkt die Ausrede des Kontrolleurs ganz lahm mit den Worten: „Das machen wir immer so.“ Schon beim Zuhören weiß jeder, dass das eine Lüge ist, weil erst in den Zügen kontrolliert wird. Zwar hat sich die Bahn später für den Vorfall entschuldigt, aber der bittere Nachgeschmack bleibt. Alltagsrassismus geschieht jeden Tag überall. „Oft ärgern sich Betroffene später, dass sie in der Situation nichts gesagt haben“, sagt Dr. Keith Hamaimbo. 

Auf den ersten Blick harmlos

In seinem Dokumentarfilm „Ich gehe immer leise“ geht es um ganz banale Alltagssituationen, die auf den ersten Blick völlig harmlos wirken. Wie zum Beispiel Kinder, die auf dem Schulhof miteinander spielen. Aber: „Weißt du, wie sich der kleine schwarze Junge in der Schule fühlt, wenn alle ein Spiel spielen, bei dem es darum geht, dass alle Angst vor seinem Papa haben?“, fragt eine junge schwarze Frau. Das Fang- Spiel „Wer hat Angst vorm schwarzen Mann?“ wird zum Politikum. Zwar gibt es Theorien, dass sich der Name „schwarzer Mann“ als klassische Kinderschreckfigur nicht auf die Hautfarbe, sondern auf dunkle Kleidung bezieht. An den Gefühlen des kleinen schwarzen Jungen ändert das aber nichts.

geht um die Wahrnehmung der Betroffenen

Bei Alltagsrassismus geht es immer um die Wahrnehmung der Betroffenen. Dr. Keith Hamaimbo erklärt das Konzept der Mikroaggression: „Alltagsrassismus zeigt sich in unbedachten Äußerungen im Alltag. Oft denkt der Verursacher sogar noch, dass seine Aussage nicht rassistisch, sondern positiv oder sogar als Kompliment aufgefasst werden müsste.“ Als Beispiel nennt er „Du sprichst aber gut Deutsch!“. „Diese Aussage impliziert sofort, dass jemand nicht von hier ist und Deutsch nicht die Muttersprache sein kann“, sagt er. Er denkt dabei besonders an Menschen, deren Familien bereits in der zweiten oder dritten Generation in Deutschland leben und hier geboren sind. Sagt dann jemand „Du sprichst aber gut Deutsch“ verwandelt sich das Kompliment in plumpen Rassismus. „Eigentlich sind das nur Kleinigkeiten“, sagt er. Aber das Gefühl und die negativen Gedanken seien bei den Betroffenen lange präsent. „Das ist wie eine winzig kleine Mücke in einem riesigen Schlafzimmer, die so einen großen Einfluss hat und dafür sorgt, dass man nachts nicht schlafen kann.“ Dr. Keith Hamaimbo möchte mit seinem Film ein Bewusstsein für Alltagsrassismus schaffen. 

Am 1. März 2021 bietet der BILDPUNKT- Friedensbildung in Kooperation mit der missio- Diözesanstelle im Erzbistum Paderborn ein Online- Seminar zum Thema an. Auf der Grundlage des Filmes lernen die Teilnehmenden Merkmale von Alltagsrassismus kennen und diskutieren diese. Um mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern in den Austausch und in die Diskussion zu kommen, wird bei der Online- Veranstaltung Dr. Keith Hamaimbo ein einführendes Statement geben: Die Moderation der Veranstaltung übernehmen Christian Maier, Diplom- Sozialpädagoge der missio- Diözesanstelle im Erzbistum Paderborn, und Manfred Jäger, Friedensarbeiter beim „pax christi“-Diözesanverband Paderborn.

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