Was über Infektionsschutz in der Bibel geschrieben steht

Unser Ziel bis heute: Heil werden

Abstand halten, das war schon in biblischer Zeit ein probates Mittel gegen Infektionen. Foto: Atlantios/Pixabay
veröffentlicht am 12.02.2021
Lesezeit: ungefähr 3 Minuten

Es wäre wohl ein Skandal, würden die Regelungen heute noch gelten, die uns in der ersten Lesung aus dem Buch Levitikus begegnen. Ein Priester (!) soll über eine positive Infektion bzw. Quarantäne/Isolation entscheiden, also jemand, der über kein fundiertes medizinisches Fachwissen verfügt. Zum Glück ist dies bei unserem heutigen Wissensstand und der vielfach ausdifferenzierten Gesellschaft unvorstellbar!

Heiligkeit des alltäglichen Lebens fördern

Auf welchem Hintergrund sind dann die Regelungen zu verstehen, die uns aus dem 13. Kapitel aus Levitikus präsentiert werden? Dazu gilt es, zunächst das theologische Grundkonzept des Buches zu erfassen. Als Zentrum der Tora bildet es die Hausordnung Israels für das Zusammenwohnen mit dem Gott JHWH. Die Gegenwart und Heiligkeit Gottes inmitten seines Volkes bildet damit die Voraussetzung für ein gelingendes und heiliges Leben der Israeliten. Die zahlreichen kultischen und ethischen Bestimmungen sollen so einerseits die Heiligkeit des alltäglichen Lebens fördern, andererseits aber alles das, was mit der Heiligkeit JHWHs inkompatibel erscheint, verhindern. Dabei werden den Priestern als den Hausdienern JHWHs besondere Aufgaben übertragen.

In diesem Zusammenhang ist auch der Text der Lesung zu verstehen, der – quasi als Infektionsschutzgesetz des Alten Testamentes – Anweisungen über Diagnose und Umgang mit Aussatz gibt. Wenn der Aussatz von einem Priester festgestellt wird, muss er diesen für unrein erklären. Daraus folgert schließlich die Isolation außerhalb des Lagers. Für uns hört es sich dabei ziemlich bizarr an, dass derjenige dann „Unrein! Unrein!“ rufen muss. Unreinheit war aber im sozialen Alltag unvermeidbar, es galt also einen Weg zu finden, der den Aussätzigen nicht disqualifiziert und zugleich dafür sorgt, dass die Unreinheit nicht auf das komplette Volk übertritt (siehe Info). Letztendlich zielt dies alles auf lebensfördernde Maßnahmen ab. 

Jesus holt Menschen aus der Isolation

In diesem Sinne ist auch die wundersame Heilungsgeschichte im heutigen Evangelium zu verstehen: Wenn Jesus von der Unreinheit befreit und den Aussätzigen von der Krankheit heilt, dann schenkt und fördert er Leben. Der Aussätzige hält sich gerade nicht an die für ihn bestimmten Regelungen, sondern sucht Jesu Nähe und verspricht sich Hilfe von ihm. Ebenso erzählt er sein Erlebnis weiter – und ob er zum Priester geht, wie Jesus es eingefordert hat, um sich an die jüdischen Regelungen zu halten – wird nicht berichtet. Bemerkenswert ist, dass Jesus den Menschen aus der Isolation holt, aber sich durch das Ereignis selbst in Isolation begibt („Er hielt sich nur noch an einsamen Orten auf“). 

Insbesondere durch die Aktualität dieser beiden Texte des heutigen Sonntags lohnt sich die Frage: Glaube ich das wirklich, dass Jesus Wunder vollbracht und Menschen geheilt hat?

Ist Jesus neben seinen Titeln – Messias, Gottessohn und Erlöser – auch der Wunderheiler? Die heutigen Texte ermutigen uns. Medizinisch betrachtet ist unser erster Ansprechpartner ein Arzt/eine Ärztin, aber wir sollten nie aufhören zu glauben, zu hoffen und zu beten.

Info

Reinheit und Unreinheit

Die Kapitel 11 bis 15 in Levitikus enthalten zahlreiche Regelungen, was unrein ist bzw. macht, und wie die Reinheit wiederhergestellt werden kann. Als unrein wurde all das verstanden, was von der Aura des Todes umgeben war und somit mit der Heiligkeit Gottes nicht zu vereinbaren war. Israeliten, die unrein waren, waren vom Kult (d. h. später auch vom Tempelkult in Jerusalem) ausgeschlossen. Dementsprechend sind dann in Lev 14 die Regelungen zur Reinigung und Reintegration zu finden, also um die Kultfähigkeit eines von Unreinheit betroffenen Israeliten wiederherzustellen. Wichtig ist, dass es die Unreinheit dabei nicht moralisch (so wie wir es heutzutage oft tun) verstanden wurde, sondern vielmehr auf den Kult bezogen war.

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