Warum Organist für Martin Gregorius ein Traumberuf ist

Der 28-jährige Martin Gregorius kennt keine größere Leidenschaft als das Orgelspiel

Martin Gregorius kann sich keinen schöneren Beruf vorstellen als Organist. Foto: Kammüller
veröffentlicht am 29.01.2021
Lesezeit: ungefähr 4 Minuten

Gütersloh. Seitdem er fünf Jahre alt war, kannte Martin Gregorius nur einen Traumberuf: Organist. Heute ist der Organist aus Leidenschaft 28 Jahre alt und seit zwei Jahren leitender Kirchenmusiker im Pastoralen Raum Gütersloh. Studiert hat er Orgel und Kirchenmusik in Danzig, Paris, Lyon und Detmold. Sogar seine Doktorarbeit kreist um die Orgel. Geschrieben hat er sie zum Thema „Orgelimprovisation in der Tradition der französischen Orgelschule“. Was ihn an der Orgel so fasziniert und warum die Orgel so wichtig für Kirchengemeinden ist, hat er Maike C. Kammüller erklärt.

Verliebt in Barockorgel

Geboren wurde Martin Gregorius in Gdynia, Polen. Dort, im beschaulich katholischen Polen, sah er mit fünf Jahren einen Film über die Orgel im Dom zu Oliva in Danzig. Das war sein zündendes Erlebnis. In diese wunderschöne Barockorgel verliebte sich der Fünfjährige und wusste: Dieses Instrument will ich mein Leben lang spielen. „Diese Orgel ist toll“, schwärmt Gregorius, „die Orgel hat bestimmte Effekte – sie kann wie die Vögel singen und klingen wie Engelsglocken.“

Also meldeten ihn seine Eltern an einer Art Musik- Gymnasium an, an dem er zwölf Jahre lang jede Woche unendlich viele Stunden eine musikalische Ausbildung erhielt. „Ich musste aber mit Klavierunterricht beginnen“, sagt Gregorius, „für eine Ausbildung an der Orgel haben mich meine Lehrer für zu jung gehalten. Ich habe trotzdem heimlich Orgel gespielt“, lacht er. Es sei jedoch sinnvoll, mit dem Klavierüben zu beginnen. Eine sehr gute Klaviertechnik helfe beim Orgelspiel.

Nie langweilig

Orgel zu spielen sei ein bisschen wie Theater. Es passiert unglaublich viel. Es gibt viele Pfeifen und Register. Sie alle klingen verschieden, zusammen aber wie ein Orchester. „Man kann mit der Orgel spielen“, erklärt Gregorius. „Die Orgel ist nie langweilig.“ Man müsse nur richtig hinhören. Martin Gregorius macht es vor. Am Spieltisch ist richtig Aktion, wenn ein Organist in die Tasten greift, Register zieht, das Schwellwerk bewegt, damit die Orgel laut oder leise klingt. Gregorius schmunzelt: „Ich wollte früher nur Johann Sebastian Bach spielen. Bach war für mich der Größte.“

Dabei muss ein Organist sehr aufmerksam sein, wenn er einen Gottesdienst musikalisch begleitet. Er muss genau aufpassen, was vorne im Altarraum geschieht. Ein Organist begleitet nicht nur die Gemeinde beim Singen, sondern untermalt das Geschehen des Gottesdienstes. Wenn die Gemeinde zur Kommunion geht, dann gibt es Musik, die andächtig ist. An hohen Feiertagen ist die Musik sehr festlich. Was macht mehr Spaß, als ordentlich in die Tasten zu hauen und das unbegreifliche göttliche Geschehen mit Lobpreis zu verstärken? 

Tolles Erlebnis

„Für mich ist der Gottesdienst wirklich ein Augenblick, in dem ich Gott erfahren kann“, sagt Gregorius. „Die Gewänder, das Licht, der Weihrauch, die Musik, die Akustik des Raumes – all das ist wie eine Inszenierung, die mich anspricht. Das schafft eine Aura.“ Das passiere vor allem, wenn er in alten Kirchen mit einer tollen Orgel und vielen Gemälden an den Wänden spielen dürfe. „Das ist ein tolles Erlebnis“, schwärmt Gregorius. „Ich muss nicht sprechen, ich beobachte, ich spüre, was hier vor sich geht und stimme da rauf mein Orgelspiel ab. In einem Konzert darf ich mich dann ganz auf die Musik konzentrieren und auf das, was ich in mir höre. Das versuche ich dann durch mein Spiel auszudrücken.“

Was macht den Beruf eines Kirchenmusikers darüber hi naus attraktiv? Gregorius zählt es auf: Er organisiert Konzerte und macht sich Gedanken über das Repertoire für die kirchlichen Hochfeste. Er probt mit seinen Kirchenchören für Gottesdienste und Konzerte. Dazwischen muss er sich um die Pflege aller elf Orgeln im pastoralen Raum kümmern, er gibt Orgelunterricht und spielt auf Konzerten in ganz Europa, den USA und in Japan. „In diesem Beruf ist der soziale Aspekt ganz wichtig. Manchmal wünsche ich mir, es hätte in meinem Studium das Fach Psychologie gegeben.“ Denn zwischen Interessengruppen auszugleichen, sei in den Gemeinden nicht immer einfach. 

 „Wie begeistere ich Menschen für Musik?“

Dennoch ist der Kirchenmusiker davon überzeugt, dass man in diesem Beruf einiges bewegen könne: „Ich darf mir überlegen: Wie begeistere ich Menschen für Musik?“ Gregorius ist sich sicher, dass man als Kantor und Organist Musik vorleben müsse. Wenn die Gemeindemitglieder spüren, dass man Kirchenmusiker aus Leidenschaft sei, dann stärke das ein Bedürfnis nach guter und regelmäßiger Kirchenmusik. Einen Zugang zur Kirche könne man auch durch geistliche Musik erhalten.

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