Das Fest der Befreiung

Dom-Reihe: Jüdische Feiertage – Chanukka

Neben dem neunarmigen Leuchter ist auch der Kreisel zu Chanukka ein wichtiges Utensil. Foto: Ri Butov/Pixabay
veröffentlicht am 11.12.2020
Lesezeit: ungefähr 3 Minuten

Wie in jedem Jahr beginnt Chanukka (hebr. „Weihe“) im Judentum am 25. Kislew und endet am 2. Tewet (in diesem Jahr 10. bis 18. Dezember). Acht Tage lang erfreuen sich Juden in aller Welt am Lichterfest. Das Fest erinnert an den Freiheitskampf der Makkabäer und an die Wiedereinweihung des Tempels in Jerusalem 165 v. d. Z. Mit diesem Beitrag endet unsere Reihe zu den jüdischen Feiertagen.

Die Geschichte von Chanukka beginnt aber bereits mit dem griechischen Feldherrn Alexander dem Großen und dessen Eroberung des Mittleren Ostens, darunter auch Israel, im Jahr 332 v. d. Z. Nach seinem Tod wurde das gesamte Königreich aufgeteilt. Die Seleukiden herrschten nun über Israel. Im Jahr 175 v. d. Z. bestieg Antiochus IV. den Thron. Im Gegensatz zu seinen Vorgängern lehnte er die Bräuche und Religionen in seinem Reich ab und konzen trierte sich auf eine gewaltsame Durchsetzung der hellenistischen Lebensweise. Er ging mit harter Hand gegen Juden vor und machte es ihnen fast unmöglich, ihre Religion auszuüben. Eine kleine Gruppe von jüdischen Rebellen, die Makkabäer, setzte sich dieser Unterdrückung entgegen. Die Makkabäer- Kriege sollten drei Jahre dauern. Endlich, nach erfolgreicher Zurückdrängung der griechisch- syrischen Streitkräfte aus Jerusalem, betraten die Makkabäer den Tempel und reinigten ihn von allen „Heidnischen“. Hier nun beginnt das zweite Wunder. Eine Legende erzählt, dass die Makkabäer die Menora im Tempel entzünden wollten. Das Öl, welches sie fanden, sollte nur einen Tag ausreichen, aber das Licht sollte acht Tage brennen. 

Deshalb hat der Chanukka- Leuchter, die Chanukkia, anders als die Menora acht Arme, und einen zusätzlichen neunten Arm, den Diener. Für jeden Tag wird an der Chanukkia eine Kerze von rechts nach links angezündet, bis zum Schluss alle acht Kerzen leuchten.  

Vieles an Chanukka erinnert an diesen Moment der Befreiung und des Wunders. Wegen des Ölwunders ist es Brauch, an den acht Tagen Speisen zuzubereiten, die in Öl gebraten werden. Zu den beliebtesten Gerichten gehören Latkes (Kartoffelpuffer) und Sufganiot (Krapfen). Auch das beliebte Spiel mit einem Dreidel (ein Kreisel) symbolisiert die Hoffnung. Auf den vier Seiten des Dreidels steht jeweils ein hebräischer Buchstabe, die zusammen den hebräischen Satz „Nes gadol haja scham“ („Ein großes Wunder geschah dort“) bilden. 

Von klein auf lernen jüdische Kinder die Freude an der Befreiung und die Erinnerung an die Gefahren der Unfreiheit. Chanukka ist die Erfahrung einer Theologie der Befreiung und die Erhaltung der jüdischen Identität. Das Lichterfest verwebt ineinander Erinnerung an tiefes Leid, Hoffnung in der dunkelsten Jahreszeit, Freude an der Errettung durch mutige Menschen, mit Gottes Hilfe. Doch sind diese acht Tage keine Verherrlichung der Makkabäer, sondern Dank an Gott, der trotz aller Verfolgungen und Tragödien den Schwachen zur Seite steht. Die Rabbinen entschieden sich gegen die Aufnahme der Makkabäerbücher in den Kanon der hebräischen Bibel, um so eine Glorifizierung einer priesterlichen Familie und den Fokus auf blutrünstige Geschichten zu vermeiden. Es geht eher um Gottesvertrauen und den Mut, seine religiöse Identität auszuleben. Für Juden ist Chanukka in der heutigen Zeit ein Fest der religiösen Freiheit, ein Sieg der religiösen Toleranz und über religiöse Verfolgung. Chanukka Sameach!

Ulrike Fügemann

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