Der Status quo hilft nicht

Digitaler Diözesantag blickte auf das Erzbistum in zehn Jahren

Blick ins Liborianum, das zu einer Art Fernsehstudio wurde. Foto: Besim Mazhiqi/Erzbistum Paderborn
veröffentlicht am 23.11.2020
Lesezeit: ungefähr 4 Minuten

Erzbistum. Ach, das hatte man sich anders vorgestellt. Eigentlich sollte am vergangenen Wochenende mal wieder ein großes Diözesanes Forum für das Erzbistum stattfinden, um zum einen auf die vergangenen Jahre seit Veröffentlichung des Zukunftsbildes zurückzuschauen und um von da aus zu vereinbaren, was in den nächsten zehn Jahren zu tun ist. Aber ein Virus wollte es anders. Also verlegte man die ganze Veranstaltung ins Internet. 

Gesendet wurde aus dem Liborianum. Dort waren die wichtigsten Protagonisten physisch anwesend. Diejenigen allerdings, die so ein Forum eigentlich ausmachen – Publikum, Mitdiskutanten, Engagierte – saßen zu Hause vorm Laptop und sahen eine Mischung aus Statements, Trickfilmen und Einspielern. Zwischendurch gab es für die, die sich angemeldet hatten, digitale Austauschmöglichkeiten, „Freiräume“ genannt. Was dort besprochen wurde, blieb aber weitgehend im Verborgenen.  Immerhin erfuhr man, dass zwischendurch ein zweiter Server zugeschaltet werden musste, was darauf schließen lässt, dass viel los war.

Nicht nur Pläne machen

Der digitale Diözesantag, so hieß die Veranstaltung nun, begann mit einem Rückblick auf das, was sich außerkirchlich in den letzten Jahren ereignet hat: Energiewende, Greta Thunberg, die MeToo- Debatte, die rasante Verlegung des Lebens ins Internet und natürlich Corona. Das Leben als solches ist eben kaum planbar, auch die ausgefeiltesten Konzepte halten nicht stand, wenn das Leben es anders will. Und weil alles mit allem zusammen- und die Kirche mit drinhängt, sollte es nun auch nicht mehr darum gehen, Pläne zu machen, sondern „Handlungsfelder zu priorisieren“. So formulierte es der Erzbischof in seinem Eingangsstatement, in dem er auch ein ganz persönliches Anliegen formulierte: „Ich möchte meinem Nachfolger eine Diözese übergeben, die ihre Hausaufgaben gemacht hat.“ Wenn alles so läuft, wie das Kirchenrecht es vorsieht, dann endet Beckers Amtszeit im Jahr 2023, wenn er 75 wird. Diesen letzten Abschnitt seiner Amtszeit wolle er dazu nutzen, die Entwicklungen, die jetzt schon absehbar sind, ehrlich und offensiv anzugehen: „Später soll man sagen, diese Weichen hat Erzbischof Becker gestellt.“ 

Liturgie, Sakramente & Co weiterdenken

Die Handlungsfelder, die priorisiert werden sollen, sind: Liturgie und Sakramente, Engagement fördern, Für Menschen da sein, Leitung wahrnehmen, Pastorale Räume weiterdenken sowie Corona und die Kirche. 

Wiederholt betonten Rednerinnen und Redner, zumeist zuständige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Erzbistums, die jeweils als „Teamleader“ vorgestellt wurden, drei Aspekte. Erstens: Die Methoden von heute helfen bei den Problemen von morgen nicht. Oder um es mit den Worten von Prälat Thomas Dornseifer, Leiter der Hauptabteilung Pastorale Dienste, zu sagen: „Der Status quo beantwortet die Zukunftsfragen nicht.“ Zweitens: Maßstab für alles Handeln ist der Mensch, hieß es mehrfach, die Angebote der Kirche müssten an den Bedürfnissen der Menschen ausgerichtet werden. Das hat zwar schon das Zweite Vatikanische Konzil so formuliert, aber irgendwie scheint man vom Wege abgekommen zu sein. „Wir müssen uns darum bemühen, im Leben der Menschen wieder vorzukommen“, sagte Dr. Michael Bredeck, zurzeit noch Leiter des Bereiches Entwicklung und Kommunikation und designierter Nachfolger Dornseifers. So jedenfalls verstehe er das Wort von der „pastoralen Umkehr“ des Papstes. Die Kirche werde in eine Minderheitenposition kommen, dem müsse man sich ehrlich stellen und es nicht beklagen. 

Evangelisierung typischer Tankerbegriff

Und drittens: Evangelisierung. Das sei ein typischer Tankerbegriff, sagte der Utrechter Pastoraltheologe Jan Loffeld in einem Videoeinspieler, also ein Wort, das so viel bedeute, dass man gar nicht so genau wisse, was damit nun konkret gemeint sei. Im Sinne von Papst Paul VI. verstehe er unter Evangelisierung zunächst einmal Selbst evangelisierung: „Sind wir denn selbst gepackt vom Evangelium?“ 

Eine konkrete und für die Gemeinden wohl wichtige Entscheidung gab Erzbischof Becker in Sachen Liturgie bekannt. „Ich gebe für die nächsten drei Jahre die Art und Weise des Kommunionempfangs innerhalb der sonntäglichen Wort-Gottes- Feier frei.“ Nach Erfahrungen in Warburg, dessen Modell sich zwar dort, aber offenbar anderswo nicht bewährt hatte, soll nun vor Ort entschieden werden, wie es gehen kann. Ihm sei vor allem wichtig, die feiernde Gemeinde vor Ort zu stärken und die Wertschätzung der Eucharistie zu fördern, so der Erzbischof. 

Mit anderen Worten und so könnte insgesamt ein Fazit dieses digitalen Diözesantages lauten: Speist euch aus den Quellen und probiert was aus!

Info

Im Anschluss an den Diözesantag arbeiten einzelne Gruppen die Themen für das Forum im Juni 2021 weiter aus. Jede Themengruppe entwickelt Formate, um die Menschen im Erzbistum an der Bearbeitung der Schlüsselthemen zu beteiligen. Von Sommer 2021 bis Frühjahr 2023 ist geplant, dass Mitglieder der Bistumsleitung durchs Erzbistum reisen, um mit den Menschen vor Ort in Austausch über die Zukunftsthemen zu kommen. Auf seinen Internetseiten wird das Erzbistum Paderborn auch weiterhin regelmäßig über den diözesanen Entwicklungsprozess informieren.

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