„Wir müssen wieder Fahrt aufnehmen,…

… denn der Weg ist noch weit und die Zeit drängt“

Jan Hilkenbach Foto: Besim Mazhiqi
veröffentlicht am 25.09.2020
Lesezeit: ungefähr 4 Minuten

Von einer Vollbremsung spricht Jan Hilkenbach in seinem Beitrag für das Synodale Tagebuch. Dieses schreiben die Synodalen aus dem Erzbistum Paderborn. Hilkenbach, Diözesanvorsitzender des BDKJ, ist einer von zwei Vorsitzenden des Diözesankomitees im Erzbistum und Mitglied im Zentralkomitee der Deutschen Katholiken. Er war bei der Regionenkonferenz in Dortmund Anfang September dabei und ist derzeit – wie die anderen Sy nodalen auch – viel im Bistum unterwegs, um vor Ort über dieses Vorhaben zu informieren.

von Jan Hilkenbach

Wenn ich auf den letzten Drücker losfahre, ist eine Zeitverzögerung auf dem Weg das Allerletzte, was ich gebrauchen kann. Wer kennt das nicht? In unserer Kirche verhält es sich aus meiner Sicht ähnlich: Der Synodale Weg kommt auf den letzten Drücker und muss gerade deshalb trotz der Corona- Pandemie konsequent und zügig weiter gegangen werden. 

Fühlte mich ausgebremst

Ausgebremst – so fühlte ich mich zu Beginn des Corona- Lockdowns. Auf dem Synodalen Weg hatten wir gerade richtig Fahrt aufgenommen, als die Pandemie die ganze Welt zu einer Vollbremsung zwang. Noch wenige Tage zuvor wurden mir bei mehreren Veranstaltungen viele Ideen, Enttäuschungen, Fragen und Kritik mitgegeben. Mit so vielen Eindrücken im Gepäck fühlte ich mich gut gerüstet für diesen schwierigen und weiten Weg. Ich gebe zu, dass ich mit dem Synodalen Weg zunächst sehr gefremdelt habe. Was soll das sein? Kann das etwas bewirken? Wird das mehr als nur eine weitere Gesprächsrunde? Mit gemischten Gefühlen machte ich mich Ende Januar auf den Weg nach Frankfurt zur ersten Synodalversammlung. Was ich dort erlebte, hat mir Mut gemacht, dass Veränderungen in unserer Kirche doch noch gelingen können. Die allermeisten Mitglieder der Synodalversammlung sind im Gespräch und im Gebet aufeinander zugegangen. Das ehrliche Miteinander, der respektvolle Umgang und das einander Zuhören waren ein guter Anfang für den „Weg der Umkehr und der Erneuerung“  (Präambel der Satzung des Synodalen Weges). Ein guter Anfang – nicht mehr, aber auch nicht weniger.  

Synodalität ist eine Haltung

Nach der ersten Synodalversammlung hatte ich das Gefühl, dass mein Gepäck für diesen Weg noch etwas schwerer und mehr geworden war. Für mich nicht ungewöhnlich, denn auf langen Wegen packe ich bei Zwischenstopps gerne noch nützliche Dinge hinzu. Nach den Tagen in Frankfurt sprachen mich viele Menschen, Gemeinden, Verbände und Gremien auf den Synodalen Weg an. Das hat mich sehr gefreut, denn ich bin mir sicher, dass der Synodale Weg nur dann gelingen kann, wenn wir ihm überall den notwendigen Raum geben. Synodalität ist eine Haltung, die überall in unserer Kirche gelebt werden muss. Gemeinsam diskutieren und hinhören. Gemeinsam beten und glauben. Gemeinsam gestalten und entscheiden. 

Ich erwarte Antworten

Der Synodale Weg nahm also Fahrt auf. Auch mein inneres Navigationsgerät hatte sich nun auf den Weg eingestellt. Und dann? Corona! Ausgebremst! Auch auf dem Synodalen Weg musste die Geschwindigkeit per Vollbremsung verringert werden und kurzzeitig kam es sogar zum Stillstand. In allen Lebensbereichen mussten wir uns neu sortieren und organisieren. Für viele ist die Pandemie mit größten persönlichen Einschränkungen verbunden, die weiterhin anhalten und auf die sich auch Kirche noch mehr einstellen muss. Der Synodale Weg konnte langsam wieder Fahrt aufnehmen. Nicht alle der vier Themenforen konnten sich vor dem Lockdown kon stituieren. Die von Beginn an unterschiedliche Geschwindigkeit der Foren verschärfte sich durch Corona trotz digitaler Tagungsformen leider weiter. Dies wurde nicht zuletzt bei den fünf zeitgleich stattfindenden Regionenkonferenzen am 4. September deutlich. Eigentlich hätte zu diesem Zeitpunkt die Synodalversammlung zum zweiten Mal getagt. 

Austausch noch intensiver

Auch wenn in meinem Kalender noch Frankfurt stand, fuhr ich am 4. September nach Dortmund. Aufgrund der Versammlungsgröße von rund 50 Personen konnten wir dort intensiver miteinander sprechen und diskutieren. In Dortmund ist es aus meiner Sicht gelungen, die Themen zu vertiefen und zwei Foren wichtige Rückmeldungen zu ihren Arbeitstexten zu geben. Die aufgeschlossene Atmosphäre der ersten Synodalversammlung war auch in Dortmund zu spüren. Ich habe eine Regionenkonferenz erlebt, die den eingeschlagenen Synodalen Weg konsequent und zügig weitergehen will. 

Viele Menschen sind tief verletzt

Auch ich möchte auf dem Synodalen Weg wieder Fahrt aufnehmen, denn der Weg ist noch weit und die Zeit drängt. Ich erlebe, dass viele Menschen zutiefst gekränkt und verletzt sind von ihrer Kirche. Ich erwarte Antworten auf die drängenden Fragen und Verbindlichkeit mit Blick auf die Beschlüsse. Die Themen des Synodalen Weges haben nichts an Aktualität und Dringlichkeit verloren. Wir müssen wieder Fahrt aufnehmen!

Weitere interessante Artikel auf DerDom.de
26.02.2021

 

 

 

 

„Die Grundtrauer ist immer noch da“

Interview mit Ulrike Böhmer über ihre Berufung zum Priestersein

weiterlesen
26.02.2021

 

 

 

 

Wie sich Komplimente als Rassismus entpuppen

Online-Veranstaltung zum Thema Alltagsdiskriminierung am 1. März mit Dr. Keith Hamaimbo

weiterlesen
26.02.2021

 

 

 

 

Worauf bauen wir?

Weltgebetstag der Frauen: Die Frage nach dem Fundament des Glaubens

weiterlesen