Noch war es harmonisch

Eine von fünf Regionenkonferenzen des Synodalen Weges in Dortmund

Blick in den Konferenzsaal des Dortmunder Hotels. Foto: Auffenberg
veröffentlicht am 11.09.2020
Lesezeit: ungefähr 5 Minuten

Dortmund. Ach, dieses Virus! Eigentlich sollte am vergangenen Wochenende die zweite Synodalversammlung des Synodalen Weges stattfinden, womöglich sogar mit einer ersten Lesung der bis dahin in den Foren erarbeiteten Texte. Doch dann übernahm Corona die Regie und beherrscht nun Zeitplan, Themen und Optik dieser so wichtigen Angelegenheit für die katholische Kirche in Deutschland und womöglich sogar in der Welt.  

Statt der großen Versammlung gab es fünf Regionenkonferenzen, eine davon in Dortmund. Dorthin kamen die Delegierten aus den Bistümern Paderborn, Osnabrück, Münster, Essen und Aachen. Alle mussten Mundschutz tragen, der nur am Sitzplatz abgesetzt werden durfte. Die Konferenzen waren als Anhörungen gedacht, als Zwischenstationen also, auf denen die bislang vorliegenden Ergebnisse besprochen werden sollten, denn zwei der vier Foren konnten inzwischen erste Papiere vorlegen: „Frauen in Diensten und Ämtern“ und „Leben in gelingenden Beziehungen“. Doch zunächst ging es um die Erfahrungen mit der Pandemie.

Als Erster ergriff Essens Bischof Franz- Josef Overbeck das Wort. „Wir stehen als Kirche ungeschützt, ja ziemlich entblättert da“, sagte er. Statt über die Systemrelevanz der Kirche zu sinnieren, müsse es um Lebensrelevanz gehen. Die Pandemie sei eine große Herausforderung für alle: „Viele Kirchen quellen nach dem Lockdown nicht gerade über, die Jungen sind wenige. Wie können wir überhaupt präsent sein?“ Sorge bereiten ihm auch die Ereignisse in Berlin rund um die Anti-Corona- Demonstrationen: „Wir leben in einer gefährdeten Zeit“, Aufgabe der Kirche sei es, dies deutlich zu machen und nicht sich beruhigen zu lassen. 

Kritisch betrachtet wurde von etlichen Teilnehmern das Verhalten von Priestern und hauptamtlichem pastoralen Personal: „Es waren die Laien, die das Leben aufrechterhalten haben“, so Brigitte Lehmann, KAB, ihr bereite es große Sorgen, dass so viele Menschen, die zunächst aus Angst vor Ansteckung nicht zum Gottesdienst gekommen seien, inzwischen merken, es gehe auch ohne. Der Essener  Weihbischof Ludger Schepers beklagte, manche Pastoralteams hätten den totalen Lockdown veranstaltet und müssten jetzt wieder ins Arbeiten gebracht werden. Das sei fatal gewesen. Ähnliches berichtete auch Michaela Labudda, Gemeindereferentin in Unna und zugleich Bundesvorsitzende des Berufsverbandes: „Nach der ersten Euphorie – keine Termine mehr – standen wir ziemlich nackig da. Viele wussten nicht mehr, was sie tun sollten.“ In der ersten PGR- Sitzung nach dem Lockdown sei das hauptamtliche Team denn auch ziemlich verhauen worden. Erst danach sei den Ehrenamtlichen der Gedanke gekommen, sie selbst hätten ja auch etwas machen können. „Die Idee der Partizipation ist da“, so Labudda, „aber noch nicht eingeübt.“ 

Jan Hilkenbach, Vorsitzender des Diözesankomitees im Erzbistum Paderborn, betonte: „Der Mensch macht’s oder auch nicht.“ Die Kirche brauche Menschen, die brennen und das an allen Stellen. „Vor allem, wenn Strukturen wegbrechen, wird deutlich, ob wir diese Menschen haben.“ 

In ihrer Wortmeldung hatte Michaela Labudda noch von einer bemerkenswerten Schwierigkeit berichtet: Die Altenheime seien konsequent abgeriegelt worden, niemand habe mehr hineingedurft, auch die Kirche nicht. „Wir werden nicht mehr wahrgenommen“, so der Schluss, den sie daraus zog. Dem pflichtete auch Thomas Sternberg, Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, bei. „Wir wurden abgehandelt wie eine Gruppe unter vielen, die ihre eigenen Interessen vertritt, aber nicht als eine Kraft, die die Gesellschaft durchdringen will.“ In all den Sondersendungen sei die Frage nach Gott nicht aufgetaucht, das habe ihn sehr berührt. Hier habe sich eine „Gottvergessenheit“ gezeigt, von der schon Karl Rahner gesprochen habe. „Sie haben vergessen, dass sie Gott vergessen haben. Wie gehen wir damit um?“

Problematisch fanden mehrere Teilnehmer, dass zunächst nur darüber diskutiert worden sei, was nicht mehr möglich und nun, was wieder möglich sei. „Ich habe Pfarrbriefe gesehen, in denen nur Verordnungen standen, und ich habe viel gehört, was alles nicht geht“, berichtete Weihbischof Rolf Lohmann aus Münster. Mit „Störfeuern“, also mit Papieren, die zeigen, was alles nicht geht, müsse Schluss sein. „Wir brauchen Zeichen, die nach vorne führen und den Menschen, die was wollen, zeigen: Es geht!“ Möglicherweise meinte er damit die In struktion der vatikanischen Kleruskongregation, die Ende Juli für erhebliches Aufsehen gesorgt hatte. Diese sei für sie der Moment gewesen, wo sie einen echten Knacks bekommen habe, sagte Sr. Dr. Katharina Kluitmann. Sie ist Provinzoberin der Franziskanerinnen von Lüdinghausen und betonte: „Ich brauche Kirche, aber nicht so.“ Inzwischen verließen Menschen die Kirche, die „Kern-Kern-Kern- Gemeinde sind“, das mache ihr endlos Sorgen. 

Kritik gab es auch am gesamtgesellschaftlichen Blick auf junge Leute. Sie seien „zu Schülern degradiert worden“, so hieß es in der Konferenz.

Der Bochumer Pastoraltheologe Prof. Dr. Matthias Sellmann forderte, die Kirche müsse jetzt endlich die Probleme lösen, die in den Foren besprochen werden. „Die Nichtlösung macht uns nicht nur unglaubwürdiger, sondern auch unglaublich schwerfällig.“ In der Zeit des Lockdowns hätten Aktionen wie das Applaudieren vom Balkon oder digitale Flashmobs die Gesellschaft vo rangebracht. Aber wer hat diese Dinge initiiert? „Das waren in den seltensten Fällen wir. Wir waren ängstlich und schwerfällig.“ Zu den zentralen Fragen der Menschen zählte er Einsamkeit, die Angst vor Armut und um den Arbeitsplatz. „Wir haben dazu Ressourcen, die müssen wir an den Start kriegen!“ 

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