Warum Corona die Emanzipation zurückwirft

Die Frauen aus dem kfd-Bezirk Paderborn denken über die Folgen der Pandemie nach

Sorgen um die Angehörige und Freunde, Angst vor Gewalt und unsicherer Wirtschaftslage: Die kfd-Frauen in Benhausen mit den Fähnchen, auf denen sie ihre Fürbitten geschrieben haben.   Foto: Flüter
veröffentlicht am 04.09.2020
Lesezeit: ungefähr 3 Minuten

Paderborn-Benhausen. Vertreterinnen des kfd-Bezirks Paderborn haben sich in der Kirche St. Alexius in Benhausen zum ersten Mal seit Beginn der Coronakrise getroffen. In einer Vesper setzten sie sich mit der Pandemie und deren sozialen und psychischen Folgen auseinander.

Wie bei anderen Verbänden hatte das Gemeinschaftsleben der kfd im Bezirk Paderborn seit dem Frühjahr praktisch nicht stattgefunden. „Wir haben es per Zoomkonferenz versucht, aber auch das war nicht erfolgreich“, sagt Ellen Pouwels-Rademacher vom Bezirksvorstand. Weil Pfarrer Georg Kersting die Idee eines kfd-Treffens in einer Kirche des Pastoralen Raumes „An Egge und Lippe“ sehr positiv aufnahm, konnten die Planungen für die Vesper in Benhausen beginnen. Mit Erfolg. 50 Frauen nahmen an dem Treffen teil. 

50 Frauen

„Von Angesicht zu Angesicht, von Hand zu Hand“ lautete das Thema des Abends. Es ging um soziale Distanzierung. Sie gibt es nicht nur während der Corona-Epidemie. Frauen waren schon immer im Alltag sozialer Ausgrenzung unterworfen. Die Erzählung von der „Heilung einer blutflüssigen Frau“ aus dem neuen Testament (Markus 5, 25 – 34) ist dafür ein Beispiel. 

Feministische Interpretation

Nach einer feministisch inspirierten Deutung wurde die „blutflüssige“ Frau, der Jesus mit einem Wunder hilft, nicht nur von ihrem Leiden, sondern auch aus aufgezwungener Isolation befreit. Wegen ihrer „Blutflüssigkeit“ unterlagen Frauen nicht nur zur Zeit Jesu, sondern bis in die Neuzeit während der Menstruation oder im Wochenwett einschränkenden Geboten – auch in der katholischen Kirche.  

Die Vesper hatte mit einem Text über das so wichtig gewordene Händewaschen begonnen. Ellen Pouwels-Rademacher erinnerte daran, dass die Handhygiene im 19. Jahrhundert plötzlich unverzichtbar wurde, als man entdeckte, dass Ärzte das Kindbettfieber weitertrugen, weil sie sich nicht die Hände gewaschen hatten. Sich die Hände zu reinigen wurde in der Folge eine Bürgerpflicht. 

Doppelbelastung Familie und Beruf

Seit Corona ist es so, dass der Mensch, der seine Hände nicht desinfiziert, verantwortungslos gegenüber anderen handelt. Vieles wie das Händewaschen hat unter den Vorzeichen der Seuche größere oder neue Bedeutung erlangt – anderes ist unwichtiger geworden. Die wachsende Unsicherheit darüber, was richtig ist und wie es weitergeht, war den Fürbitten der Frauen anzumerken. Sie schrieben ihre Anliegen auf kleine Wimpel: die Sorge um die Gesundheit  von Angehörigen und Freunden, die Angst vor wachsender Gewalt und wirtschaftlicher Krise. Am Ende des Abends wurden die Texte verlesen, während die Fähnchen mit den Fürbitten an einer Leine im Kirchenraum aufgehängt wurden. 

Im Gespräch nach der Vesper betonten die Teilnehmerinnen einen weiteren Corona bedingte Veränderung, der Frauen besonders betrifft. Danach hat die Epidemie alte Geschlechterrollen wiederbelebt. Einen „Rückschlag“ der Emanzipation stellt beispielsweise die kfd-Diözesanvorsitzende Katharina Brechmann fest. Sie hatte als Gast an der Vesper teilgenommen. 

Zuerst für Familie da

Die Doppelbelastung Beruf und Familie lag während des Lockdowns hauptsächlich auf weiblichen Schultern – so wie das immer schon war: Die Frau ist zuerst für die Familie da und muss dem alles andere opfern. Diese stillschweigende Einstellung hat sich offenbar trotz des gesellschaftlichen Fortschritts nicht geändert. Auch das hat Corona gezeigt.

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