Schlauns erstes großes Werk

In Brakel fand der große Baumeister zu seiner Formensprache

Barocker Reichtum und gedämpfte Farbigkeit: das Kircheninnere Foto: Flüter
veröffentlicht am 07.08.2020
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Brakel. Im Juni jährte sich der 325.Geburtstag des berühmten Barockbaumeisters Johann Conrad Schlaun, der aus Nörde– einem Nachbarort von Brakel im Hochstift Paderborn– stammt. Schlaun ist als Urheber von Prunkbauten und Schlössern berühmt geworden, unter anderem in Schloß Neuhaus, in Münster und im Rheinland. Das Erstlingswerk dieses Baumeisters steht jedoch im Kreis Höxter: die Kapuzinerkirche in Brakel.

Im Auftrag des Bischofs legte der Herr von Asseburg am 12. Februar 1715 den Grundstein für die Kapuzinerkirche, bereits am 12. Juni 1718 konnte die Einweihung gefeiert werden. Dies war die hervorragende Leistung des 20-jährigen Architekten Johann Conrad Schlaun, der hier seinen ersten öffentlichen Auftrag erhalten hatte.

Aufgrund eines archivalischen Fundes im Jahr 1984 kann eindeutig nachgewiesen werden, dass Schlaun auch die Innenausstattung der Kirche mitgestaltet hat. Der erste Gesamteindruck zeigt die herkömmliche westfälische Bauweise: ein vierjochiger Saalbau mit eingezogenem, gerade geschlossenem Chor und nach Osten anschließendem Brüderchor hinter dem Altar.

Die Raumstimmung geht von der gedämpften Farbigkeit und der Ausstattungsstücke aus, die 1959 und später ihre ursprüngliche Fassung zurückerhielten. Im Altarbild des dominierenden Hochaltares von 1718 wird die „Portiunkula-Szene“ dargestellt. Portiunkula ist die Kapelle bei Assisi, die von den Benediktinern dem heiligen Franz übergeben und zu dessen Lieblingsaufenthalt und zur Wiege seines Ordens wurde. Das Bild zeigt Christus in Begleitung seiner Mutter, umgeben von Engeln; Christus erscheint dem heiligen Franziskus.

Wappen erinnert an Bauherrn

Das Wappen oberhalb verweist auf den Bauherrn. Der Altar selbst soll eine Nachbildung dessen sein, den Peter Verbrüggen für die Dominikanerkirche Antwerpen anfertigte. Die Türen neben dem Hochaltar zeigen links den heiligen Petrus mit einem Schlüssel, rechts den heiligen Paulus.

Auf der Rückseite findet sich eine ungewöhnliche architektonische Besonderheit: Um den Mönchen aus dem rückwärtigen Oratorium den Blick auf den Altar zu ermöglichen– da sie den Gottesdienst nach ihrer Ordensregel nur von hier aus verfolgen durften– ist ein sich nach vorn verjüngender Durchblick auf das Allerheiligste eingearbeitet.

Aus dem Jahr 1717

Die beiden Seitenaltäre und der Predigtstuhl, der nur von dem ehemaligen Klosterkreuzgang zu erreichen ist, wurden ebenfalls nach Vorgaben Schlauns im Auftrag der Herren von Mengersen aus Rheder am 2. April 1717 in Arbeit gegeben: „So zur höchsten Ehre Gottes die zwey kleine Altäre in der Kapuzinerkirgen zu Brakel wie auch den Praedigestuhl schencken wollen.“ Links ist die Verkündigung dargestellt, rechts der heilige Antonius mit Jesuskind.

Der Ursprung der Bilder an den Wänden ist nicht mehr festzustellen. Die fünf Figuren an den Wänden zeigen den heiligen Antonius mit dem Jesuskind, ein Standbild mit Barockumrahmung, die heilige Mutter Anna mit Maria als Kind in ein aufgeschlagenes Buch weisend, die heilige Agatha mit einem Palmenzweig und einer Zange dargestellt sowie den heiligen Johannes Nepomuk, betrachtend ein Kreuz in der Hand, und die Schmerzhafte Mutter, die ihren leidenden Sohn in ihrem Schoß trägt.

Die Orgel oberhalb des Eingangs entstand um 1800. Trotz mehrerer Restaurierungen im 19.Jahrhundert hat sich die Orgeldisposition bis heute erhalten. Die jüngste umfassende Restaurierung erfolgte 1985. Die Disposition wurde dabei von 8 Originalregistern auf 18 Register erweitert.

Aufsehenerregendes Ereignis

Als die Kapuzinerkirche vor 302 Jahren geweiht wurde, war das für Brakel ein aufsehenerregendes Ereignis. Schon am Samstag, dem 11. Juni 1718, langte Bischof Arnold von Metternich Gracht auf der Hinnenburg an.

Am folgenden Sonntag fuhr er um sieben Uhr durch das Thytor zum Konvent. Die Brakeler Schützen standen Spalier. Vor der Kirche hatte sich eine Kompanie Militär aufgestellt. Der Hofmarschall war anwesend, sowie sechs Bläser und Pauker auf Pferden. Es folgten, so die zeitgenössischen Quellen, fünf Kutschen, die mit je sechs Pferden bespannt waren. Sie wurden von Heiducken, der fürstlichen Garde, begleitet.

Am Schluss des Zuges marschierte die Schützengilde. An der Kirche empfingen der Konvent und die Vorsteher der Klöster Brakel, Paderborn und Rüthen den Bischof. Sie geleiteten ihn in die Zelle des Pater Provincials, wo er eine Viertelstunde mit diesem alleine verweilte.

Unterschiedliche Ansichten über Kirchenbau

Vielleicht haben sich die beiden geistlichen Herren bei dieser Gelegenheit auch über ihre unterschiedlichen Ansichten über den Kirchenbau ausgesprochen. Ein erster Plan hatte dem Paderborner Fürstbischof Franz Arnold von Metternich gefallen, nicht aber den Kapuzinern, die – ihrem Armutsideal entsprechend – eine schlichtere Kirche wünschten. Seinen zweiten Entwurf kommentierte Schlaun, er habe „in der Frömde gesehen Capuzinerkirchen, die noch besser herauskommen als hier“.

Bei aller Selbstkritik: Das, was uns auch nach drei Jahrhunderten an den Bauten Johann Conrad Schlauns fasziniert, ist hier bereits zu erkennen: die Klarheit der Architektur, die es versteht, den Formenreichtum des Barock einzubeziehen. In der Brakeler Kapuzinerkirche wird zum ersten Mal das Wirken eines großen Baumeisters sichtbar.

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