Unterwegs mit der Fahrradrikscha

Katholisches Forum fährt Bürgerinnen und Bürger mit einem ungewöhnlichen Gefährt durch Dortmund

Hier können Menschen Platz nehmen, die reden möchten: Stefan Kaiser (links) und Karin Stump präsentieren die neuen Fahrradrikschas. Pastor Stefan Tausch sitzt auf der rollenden Kirchenbank. Foto: Maas
veröffentlicht am 24.07.2020
Lesezeit: ungefähr 3 Minuten

Dortmund. Alleine von ihrer Form her sind sie echte Hingucker: die beiden Fahrradrikschas, mit denen das Katholische Forum Passanten befördert. „Wir machen dabei keine Werbung und verkaufen auch nichts“, stellt Pastor Stefan Tausch, Leiter des Katholischen Forums, klar. Er ist neben Karin Stump und Stefan Kaiser einer der Fahrer– und ein guter Zuhörer. Denn darum geht es bei der Aktion: miteinander ins Gespräch über Gott und die Welt kommen.

„Wir wollen den Menschen auch Zeit schenken“, sagt Pastor Tausch, während er beim Pressegespräch auf der rollenden Kirchenbank Platz nimmt. Diese Bank taucht seit einem Jahr immer wieder in der Stadt auf. Die Mitarbeitenden des Katholischen Forums bieten hier Raum für Gespräche, die sich häufig um Pro bleme der Kirche drehen. „Das braucht Zeit“, weiß Tausch. Und deshalb suchte er nach einer Möglichkeit, niederschwellig mit Menschen in Kontakt zu kommen. „Wenn die Menschen nicht mehr in die Kirchen gehen, müssen wir eben zu den Menschen gehen.“

Durch die Rikschas, die auch über einen Elektromotor verfügen, ist das machbar. Gefahren wird jeder, das Ganze kostet nichts und man muss natürlich auch nicht katholisch sein. Nur buchen kann man die Rikscha nicht, denn sie sollen keine  Konkurrenz für Taxis oder Busse sein.

Durch die ganze Stadt mit bis zu 25 Stundenkilometern

„Wir fahren, wenn wir Zeit haben“, erklärt Pastor Tausch. Er nennt das ein „citypastorales  Angebot“. Heißt: Die Gefährte sind im gesamten Stadtgebiet unterwegs. „Ich bin auch schon zum Phoenix- See gefahren“, erzählt Stefan Kaiser, der in der ersten Woche schon rund 350 Kilometer mit der Rikscha zurückgelegt hat. „Manche Leute fragen auch: ‚Ist Hombruch nicht zu weit weg?‘ Sie machen sich Sorgen um uns“, so Kaiser weiter. Doch diese Sorgen seien unbegründet.

Worüber die Gäste sprechen, wissen Stefan Tausch, Karin Stump und Stefan Kaiser vorher nicht. „Manche erzählen ihr halbes bis ganzes Leben“, weiß Karin Stump. Sie hat auch einmal einen Bedürftigen gefahren, der sich erst nicht traute einzusteigen. „Dann fühlte er sich wie ein König.“ Ein anderer Fahrgast sagte plötzlich, dass er getauft werden will. „Das sind dann die ganz großen Themen“, so Pastor Tausch. Innerkirchliche Pro bleme wie sexueller Missbrauch – darüber sprechen die Menschen in der Rikscha nicht.

Genug Platz und satte  Beschleunigung

Und wie fühlt man sich als Fahrgast? Um es kurz zu machen: Sehr gut! Die Kabine ist groß genug für zwei Erwachsene. Was beeindruckt ist die Beschleunigung. Natürlich sind maximal 25 Stundenkilometer nichts für die Rennstrecke, aber das Gefährt geht schnell nach vorne. 

Stefan Kaiser findet, dass es sich ohne Schwierigkeiten fahren lässt. Beim Treten muss man gegen keinen großen Widerstand ankämpfen. „Ich kann auch 80 Kilometer rein elek trisch fahren.“ Das interessiert auch die Fahrgäste. Vor allem Männer fragen nach Wattleistung und Reichweite.

Info

Wie einst Paulus

Das Katholische Forum gibt es bereits seit 1984 in Dortmund. Es hat seinen Sitz im Katholischen Centrum. „‚Gott einen Ort sichern‘– in Anlehnung an dieses Wort der französischen Mystikerin Madeleine Delbrêl möchte das Katholische Forum Dortmund ‚den Glauben anbieten‘. Wie einst Paulus mitten in Athen, so wollen auch wir heute inmitten der säkularisierten Stadt Dortmund Menschen en passant mit ihren heutigen Sehnsüchten und Bedürfnissen auf die Spur zu kommen versuchen“, formulieren die Organisatoren ihre Mission.

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