Den „Dornröschenschlaf“ beenden

Kirchenkabarettistin Ulrike Böhmer macht sich stark für Veranstaltungen nach dem Lockdown

Ulrike Böhmer freute sich sichtlich, wieder vor Publikum stehen zu dürfen. Foto: Annabell Jatzke
veröffentlicht am 17.07.2020
Lesezeit: ungefähr 3 Minuten

Iserlohn. Nach dem Lockdown muss das Leben auch wieder weitergehen. Durch die Corona-Pandemie war die Iserlohner Kirchenkabarettistin Ulrike Böhmer innerhalb von zwei Wochen alle ihre Auftritte für die erste Jahreshälfte und zum Teil auch darüber hinaus los.

von Annabell Jatzke

Kabarettveranstaltungen in Corona-Zeiten gab es nicht. Aber jetzt, wo es seit Wochen Lockerungen gibt, darf wieder der Angriff auf die Lachmuskeln gestartet werden. Denn es gilt immer das Motto „Lachen ist die beste Medizin“– und erst recht gegen die vielen trüben Gedanken, mit denen man sich während der Krise plagte. Die Freude über den ersten Auftritt nach der Krise war sowohl bei Böhmer selbst als auch bei ihrem Publikum groß. In der Heilig-Geist-Kirche in Iserlohn gastierte sie nun mit einer Lesung. Dabei präsentierte sie Ausschnitte aus ihrem aktuellen Buch „Erna, übernehmen Sie!“. Das humorvolle Buch ist aus der Sicht von Böhmers Bühnenfigur Erna Schabiewsky geschrieben– das andere Ich von Ulrike Böhmer, in das sie seit Jahren regelmäßig schlüpft. Bei der Lesung trat Böhmer aber ganz ohne Verkleidung auf – auch recht untypisch, trägt sie sonst als Erna doch Hut und Strickensemble.

In dem Buch erzählt Erna, die nach eigener Aussage eine „Konifere, was das Gemeindeleben betrifft“ ist, humorvolle Geschichten aus dem Alltag zwischen Kirche und Pfarrheim. Ob von der Ordnung in Pfarrheims Küchen oder von den Duftkreationen der Handseifen im Gemeindehaus, vieles Humorvolle und zum Teil auch Wahres findet sich in den kurzweiligen Geschichten wieder. Auch das Treffen der kfd-Gruppe mit dem Förster Rudi Paschulke aus dem Harz strapaziert beim Zuhören die Lachmuskeln der Zuhörer. Mit den Geschichten aus dem Leben bot sich dem Publikum in der Heilig-Geist-Kirche eine gute Stunde Abwechslung. Selbstverständlich wurde dabei das Sicherheitskonzept eingehalten. Bei der Veranstaltung, die von der kfd aus der Iserlohner Innenstadt organisiert wurde, waren lediglich 50 Zuhörer zugelassen, um so genügend Abstand zu gewähren. Die Mund-Nasen-Schutzmasken konnten nach dem Betreten der Kirche und der Sitzplatzwahl abgelegt werden, sodass Ulrike Böhmer auch das Lächeln ihrer Zuhörer im Gesicht sehen konnte. „Die Leute sind die Situation leid und möchten sich wieder treffen“, so Böhmer vor Beginn der Veranstaltung im Pressegespräch. Gemeinschaft in Zeiten von Corona hat etwas Wohltuendes. Sie selbst möchte nach eigener Aussage „den Leuten etwas geben und ist froh darüber, endlich mal wieder auf der Bühne zu stehen“.

Für Ulrike Böhmer als Kabarettistin und somit Künstlerin war die vergangene Zeit sehr schwer, fast alles ist weggebrochen. Wobei sie bewusst betont, dass es nicht existenzbedrohend für sie war. Dass es jetzt langsam wieder losgeht und auch gerade die Kirchengemeinden aus dem „Dornröschenschlaf“ geweckt werden, freut Böhmer. „Ich sehe ein ganz kleines Licht am Horizont“, so die Iserlohnerin. Von ihrem ersten Auftritt nach dem Lockdown erhofft sich Böhmer: „Hoffentlich spricht es sich herum.“ Veranstaltungen mit Liedermachern, Musikern oder auch Kabarettisten und Autorenlesungen sollten langsam wieder von den Gemeinden angeboten werden.

Und so wollte Böhmer mit dem ersten Auftritt die Gemeinden, die sich noch in der „Corona-Starre“ befinden, wachrütteln. Dies ist ihr gelungen. Die erste Lesung war so schnell ausverkauft, dass es sogar eine Warteliste gab und es eventuell noch eine zweite Lesung geben soll, um den Bedarf zu decken. Neben den Engagements im heimischen Raum sind jetzt auch wieder vereinzelt Auftritte weiter weg geplant. In Bad Waldliesborn wird es beispielsweise auch eine Lesung geben, die ersetzt zwar keinesfalls den ausgefallenen Auftritt beim Pfarrfest, ist aber dennoch ein kleiner Trost. Zudem unterhält Böhmer noch bei Kabarett-Auftritten in Bocholt und Koblenz– es geht also langsam bergauf.

Und das nicht nur für die „arbeitslose“ Künstlerin, sondern auch für das Publikum, das sich in Zeiten von Corona auch einfach mal über einen kurzweiligen Auftritt freut.

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