Blumen-Kunst trotz Corona

In der Lippstädter Kirche St. Nicolai sorgen Ehrenamtler zum zehnten Mal für florale Bilder

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In diesem Jahr des „runden Geburtstages“ beeindruckten die Ehrenamtler mit ihren Blumenteppichen erneut die Gläubigen. Foto: Massem
veröffentlicht am 03.07.2020
Lesezeit: ungefähr 4 Minuten

Lippstadt. Vergängliche, faszinierende Kunstwerke finden sich seit nunmehr zehn Jahren zu Fronleichnam in der St.-Nicolai-Kirche in Lippstadt. Die engagierten Ehrenamtler, die sich um diese besondere Form der Frömmigkeit kümmern, hatten vor wenigen Monaten noch Sorge, ob trotz Corona auch in diesem Jahr die kunstvolle Gestaltung der Kirche gelingen würde. Es gelang aber und zum zehnten Geburtstag haben sich alle besonders viel Mühe gegeben.

von Peter Körtling

Ein großer Motivteppich wurde nach Vorlagen von Altarbildern der Künstlerin Hortense von Gelmini gelegt. Dazu kamen drei weitere Bilder der Künstlerin als Bodenbilder sowie in diesem Jahr vor dem Altar die Darstellung des brennenden Dornbusches.

Dieses Motiv wurde ausgesucht, weil die Zusage Gottes „Ich bin der Ich bin da“ gerade in dieser Zeit der Pandemie, in der viele Menschen unsicher sind, wichtig und gültig ist. Passend zu dem Bild wurde eine kurze Meditation erstellt, die im Fronleichnamsgottesdienst gelesen wurde.

Das Vorbereitungsteam hatte nicht zum ersten Mal die Werke der in Bozen geborenen Malerin, Dirigentin und Schriftstellerin genutzt. Die Künstlerin, die im Jahr 2009 von Erzbischof Robert Zollitsch den Europäischen Kulturpreis für christliche Kunst erhielt, freute sich immer wieder darüber, dass ihre Bilder als Zeugnis gelebten Glaubens genutzt werden. So erteilte sie gerne ihre Freigabe.

Die Altarretabel tragen den Titel „Gloria Dei“ und befinden sich im Original in der Friedhofskapelle zu Kirchzarten. Sie beeindrucken durch eine schlichte Formensprache und intensive Farbgebung. Von der Größe wurde der Motivteppich in St.Nicolai nur wenig kleiner als das Original.

Ein Zufall am Anfang

Der Beginn dieser Lippstädter Blumenkunst war einem Zufall und viel Einsatz im Jahr 2010 zu verdanken: Lektorin Andrea Massem sah eine Dokumentation über die Tradition der Blumenteppiche zu Fronleichnam in Süddeutschland. Sie war völlig fasziniert, da sie so etwas in Lippstadt weder in ihren Kindertagen noch seit der Rückkehr in ihre Heimatstadt sah.

In der Lektorenrunde kam das Gespräch auf die Dokumentation, und eine Lektorin erzählte, dass es durchaus Jahre gegeben hätte, in denen in St.Nicolai Blumenteppiche zur Fronleichnamsprozession draußen gelegt wurden.

Massem gewann sie als Mitstreiterin und 2011 wurde die Idee dem damaligen Pfarrer Karl-Heinz Peter vorgetragen. Er war begeistert und ermutigte sie, diese Idee umzusetzen. Da es keine Quellen mehr für früher gelegte Blumenteppiche gab und auch die Recherche im Internet nicht ergiebig war, tasteten sie sich ganz langsam an das Thema heran.

Das Wetter sollte nicht gut werden, so wurden die Motivbilder innerhalb der Kirche gelegt. Das Material wurde gespendet und bei den vergleichsweise wenigen, kleinen Bildern waren alle Beteiligten mit Herzblut und Eifer bei der Sache.

Der Erfolg war überwältigend: Das kleine Team wurde im Laufe der Jahre immer mutiger und legte größere Motive. Weitere Materialien kamen hinzu und auch viele weitere Helfer und Gruppen brachten sich ein: Sogar die Kindergartenkinder kommen und beweisen, wie viel Ausdauer, Konzentration und Geschick sie haben.

Erzbischof Becker, der früher selbst in St.Nicolai wirkte, bekam auch schon ein Heft geschenkt, in dem die Blumenteppiche dokumentiert sind. Zunehmend kommen auch aktuelle und frühere Firmlinge gerne dazu. In der Gruppe, für sich allein oder in Partnerarbeit entstehen die Bilder und bringen viele Begegnungen und Erfahrungen mit sich. Schweigen, lachen, reden, singen, diskutieren– alles ist möglich. So ist diese Arbeit mehr als kreativ, geradezu spirituell und die Zukunft ist gesichert.

Info

Blumenkunst in St.Nicolai

Im Pfarrbrief und auf der Internetseite der Gemeinde wird zu Fronleichnam über die Blumenteppiche informiert. Wer selbst Interesse hat, kann über das Pfarrbüro einen Kontakt herstellen.

www.katholisch-in-lippstadt.de