Warum das Christentum trotz Verfolgung besteht

Einen Funken Hoffnung für die Kämpferseelen

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Bei Verfolgung ist eine natürliche Reaktion das Fliehen. Doch traut man sich, wieder zurückzukommen. Foto: Santa3 / pixabay
veröffentlicht am 11.05.2020
Lesezeit: ungefähr 4 Minuten

Die Situation in der Apostelgeschichte findet nach einem tragischen Ereignis statt: Stephanus, einer der sieben Diakone, ist auf grausame Art und Weise gesteinigt worden. Der erste Christ ist für seinen Glauben gestorben. Infolgedessen beginnt eine schwere Verfolgung der Christinnen und Christen. Sie verlassen ihre Heimat. Aber es gibt Hoffnung.

von Charleen Horoba

2983. Das ist die Zahl der wegen ihres Glaubens getöteten Christinnen und Christen im Jahr 2019. Circa 250 Millionen Christinnen und Christen werden derzeit verfolgt. Damit ist das Christentum die am meisten verfolgte Religionsgemeinschaft der Welt. Wie wir aus der Hintergrundinformation der heutigen ersten Lesung entnehmen können, ist Christenverfolgung also nicht neu. Warum ist mir dieses Thema für die heutige Tageslesung so wichtig? Nach dem schrecklichen Tod des Stephanus und dem Ereignis der Verfolgung hätte alles beendet sein können. Es ist für uns vielleicht naheliegend aufzugeben, wenn sich eine große Menge gegen eine kleine, neu entstandene Gruppierung aufhetzt. Doch in der Apostelgeschichte lesen wir, dass sie nicht müde wurden, sondern auch „Philippus kam in die Stadt Samariens hinab und verkündete Christus“ (Apg 8,5).

Mit Gottes Wort und Zuversicht

Es wird also weitergemacht. Gottes Wort und die Zuversicht, dass das Reich Gottes nahe ist, dominieren in der schweren Zeit der Verfolgung. Wie kann das sein? Zwei Antwortversuche möchte ich hier einbringen. Erstens haben Philippus, Stephanus und andere zu der ersten Generation der christlichen Urgemeinde gehört. Sie haben Jesus unmittelbar erlebt oder haben zumindest „aus erster Hand“ von ihm gehört. Die sieben Diakone sind von den Aposteln berufen worden, die auf jeden Fall unmittelbare Zeugen von Jesu Wirken gewesen sind. Zweitens waren sie in der festen Überzeugung, dass das Reich Gottes in naher Zukunft liegt. Diese Worte hat Jesus persönlich gesprochen („Die Zeit ist erfüllt, das Reich Gottes ist nahe. Kehrt um und glaubt an das Evangelium!“, Mk 1,15). Aus diesen Gründen lässt sich ableiten, dass sie noch „elektrisiert“ von den Ereignissen sind und deshalb nicht müde werden, das Wort Gottes zu verkündigen.

Zeugen von Jeus Wirken

Gott unterstützt sie auch dabei. Er ist ihnen nahe. Philippus heilt Menschen, treibt Geister aus. Er vollzieht Wunder, wie es einst Jesus getan hat (Vgl. Apg 8,7). Mit dieser Handlung wird wieder deutlich, wie stark Glaube sein kann. Die Menschen, mit denen Philippus in der Stadt zusammen ist, hetzen nicht gegen ihn, sondern schenken ihm Aufmerksamkeit und viele lassen sich infolgedessen taufen (Vgl. Apg 8,12). Es reicht aber nicht, dass das Wort gehört wird. Auch in der Vertreibung wird versucht, die Wurzeln nicht zu vergessen. Für den Zusammenhalt in der Zerstreuung kommen zwei Apostel, Petrus und Johannes, und vollziehen dies, was uns vielleicht in der Firmung bekannt ist. Sie legten ihnen die Hände auf und sie empfingen den Heiligen Geist (Apg 8,17).

Reich Gottes nah

Die Ereignisse lassen sich auf die heutige Situation der Christenverfolgung nicht eins zu eins übertragen, aber es gibt Berührungspunkte. Für den heutigen christlich Glaubenden ist das Reich Gottes auch nah, die Vollendung wird im Tod erreicht. Und das Einsetzen für das irdische Wohl ist ein Anklang der Gottesherrschaft. So, wie die Apostel für die Glaubenden gebetet haben (Vgl. Apg 8,15), so beten auch wir: Der weltweite Gebetstag für verfolgte Christen findet jedes Jahr statt und macht auf das Leid besonders aufmerksam. Und in jeder Kämpferseele in den Verfolgungsgebieten sehe ich einen Funken Hoffnung für einen Neubeginn. Wir können uns sicher sein, dass Gott bei uns ist und seine Botschaft nicht untergeht.

 

Info

Die sieben Diakone

Die sieben Diakone waren ein Gremium, das von den Aposteln bestimmt worden war (Vgl. Apg 6,1-7). Die Zahl der Jüngerinnen und Jünger hat mit der Zeit zugenommen. Die Apostel haben erkannt, dass sie sich zu wenig um das Verkünden des Wortes Gottes kümmern und sich dem wieder verstärkt widmen wollen. Die Apostel haben die Gemeinde gebeten, sieben Männer auszuwählen, die „von gutem Ruf und voll Geist und Weisheit“ (Apg 6,3) sind. Sie wurden also von der Gemeinde ausgewählt. Zu den sieben Diakonen gehörten dann Stephanus, Philippus, Prochorus, Nikanor, Timon, Parmens und Nikolaus. Die Bezeichnung „Diakon“ wird in der Apostelgeschichte jedoch nicht erwähnt. Es sind die, die zum Dienst () an den Tischen berufen worden sind.

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