Der Große und das Lamm

Wie uns Johannes den Weg weist, um Jesus im Alltag zu entdecken

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Johannes der Täufer und neben ihm ein kleines Lamm. Foto: Horoba
veröffentlicht am 20.01.2020
Lesezeit: ungefähr 4 Minuten

Als ich mir Gedanken über das heutige Evangelium gemacht habe, fiel mir das unten stehende Bild in die Hände. Diese Figur steht auf dem Hochaltar in der Kirche in Dinklar, einem Dorf in der Nähe von Hildesheim. Sie zeigt Johannes den Täufer nahezu in Lebensgröße und daneben, fast zu übersehen, ein Lamm, das zu Johannes hochschaut.

Es ist naheliegend, dass es sich bei diesem Lamm um Jesus handelt. Warum droht es, neben dem übergroßen Johannes unterzugehen? Wenn wir die linke Hand von Johannes betrachten, löst sich diese Spannung auf: Er zeigt auf das Lamm.

Diese Handlung des Verweisens auf etwas, das droht, übersehen zu werden, finden wir im heutigen Evangelium. Johannes deutet nach der Taufe am Jordan mit den Worten „Seht, das Lamm Gottes“ (Joh1,29) auf Jesus. Das erklärt immer noch nicht den Größenunterschied. Warum nun ist Johannes so groß dargestellt, wenn doch eigentlich Jesus im Mittelpunkt steht? Ein Ansatz wäre, dass Johannes für uns Menschen greifbarer ist, er ist doch schließlich ebenfalls ein einfacher Mensch. Auch, wenn Jesus selbst Johannes eine große Bedeutung zuschreibt („Unter den von einer Frau Geborenen ist kein Größerer aufgetreten als Johannes der Täufer“, Mt11,11), ruht er sich nicht darauf aus und wird nicht überheblich.

Gottes Sohn gegenwärtig

Vielmehr nutzt er seine Popularität, um den Menschen bekannt zu machen, dass mitten unter ihnen Gottes Sohn gegenwärtig ist. Unerkannt und unbemerkt war auch Jesus an den Fluss gekommen, um sich– wie viele andere auch– taufen zu lassen. In dieser Situation der Anonymität sieht Johannes, wie sich der Geist Gottes wie eine Taube auf Jesus herablässt. Auch, wenn Johannes Jesus nicht kennt, ist ihm klar, dass es sich bei ihm um den Sohn Gottes handeln muss. Nun nutzt er seine Popularität– seine Größe–, um mit deutlichen Worten auf den Kleinen zu verweisen, der größer wird als er selbst („Und ich habe es gesehen und bezeugt: Dieser ist der Sohn Gottes“, Joh1,34). Damit verhindert Johannes, dass Jesu Bestimmung und Bedeutung in der Masse untergeht und fordert uns heraus, aufmerksamer zu werden und genau hinzusehen. Wir können ihn uns wie ein Warnschild im Straßenverkehr vorstellen: Es deutet groß auf eine scharfe Kurve hin, die sonst möglicherweise übersehen werden würde.

Auf Gott vertrauen

Der Größenunterschied zwischen Johannes und dem Lamm lässt sich vielleicht so deuten, dass Johannes mit seiner Größe verhindert, dass das wirklich Wichtige– die Botschaft Jesu– nicht in der Anonymität des Alltags untergeht. Eventuell hat der Künstler das Lamm absichtlich so klein und unscheinbar dargestellt, damit wir es immer neu suchen. Johannes kann uns somit zeigen, wie es geht. Erstens: Auf Gott vertrauen. Zweitens: Nicht überheblich werden. Drittens: Die eigene Größe nutzen, um den Blick auf das Wesentliche zu lenken. Und viertens: Sich nicht davor scheuen, Zeugnis zu geben. Bei allem gilt: Genau hinsehen! Johannes kann uns ein Zeichen sein, um immer wieder im Kleinen und im Alltag Jesus zu entdecken.

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