„Das Wagnis hat sich gelohnt“

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veröffentlicht am 24.10.2019
Lesezeit: ungefähr 3 Minuten

von Claudia Auffenberg

Wenn in diesen Wochen in der deutschen Kirche um den „synodalen Weg“ gerungen wird, erinnern sich manche, sicher nicht sehr viele, an die Gemeinsame Synode der Bis­tümer in der Bundesrepublik Deutschland. Vor 50 Jahren wurden in der Bischofskonferenz die entsprechenden Beschlüsse gefasst und dieses Projekt auf den Weg gebracht. Die Synode tagte von 1971 bis 1975 im Dom zu Würzburg, u. a. um die Beschlüsse des Konzils auf die deutsche Kirche zu übertragen. Wenn man sich mit den Dokumenten befasst, lesen sich viele, als seien sie heute geschrieben.

Vorsitzender der Bischofskonferenz war damals wie heute der Erzbischof von München und Freising, damals hieß er Julius Kardinal Döpfner, einer der vier Moderatoren des Zweiten Vatikanischen Konzils. Im Geleitwort zur Dokumentation der Synodenbeschlüsse schreibt er: „Als die Deutsche Bischofskonferenz im Februar 1969 den Grundsatzbeschluss fasste, [] eine Gemeinsame Synode der Bistümer in der Bundesrepu­blik abzuhalten, empfanden viele diesen Entschluss als ein erhebliches Risiko. Die Spannungen in der Kirche erschienen manchen als ein zu großes Hindernis, um ein solches Unternehmen in aller Öffentlichkeit zu wagen. Ja, nicht wenige waren der Meinung, eine Synode könnte die Unsicherheit, Konfrontation und Verhärtung der Positionen innerhalb der Kirche nur fördern. Rückblickend darf man dankbar feststellen: Das Wagnis hat sich gelohnt. Nicht die Pessimisten haben Recht behalten, sondern jene, die auf das offene, wenn nötig auch harte Gespräch vertraut haben.“

Die Spannungen, von denen Döpfner schreibt, waren wesentlich heftiger als heute. Während heute die Frauen von „Maria 2.0“ vor den Kirchen stehen und beten, wurde auf dem legendären Essener Katholikentag 1968 der damalige Jugendbischof Stangl mit Ho-Chi-Minh-Rufen von der Bühne vertrieben. Als dort in Essen die Stimmung hochkochte, unter anderem wegen der Enzyklika „Humanae Vitae“ und des Entzuges der Lehrerlaubnis für Hubertus Halbfas, schien eine gemeinsame Versammlung der Diözesen der geeignetste Weg zu sein, die Lage in den Griff zu bekommen. Formal war es ein Antrag der CAJ, der christlichen Arbeiterjugend, die im Oktober 1968 einen Antrag an die Bischofskonferenz stellte, möglichst bald eine „Pastoralsynode“ einzuberufen, der die Sache dann in Gang brachte. Die CAJ begründete ihr Ansinnen so: „Der mutige Schritt zum gemeinsamen Suchen auf einer Synode könnte am ehesten die befreiende Kraft der Wahrheit gewähren. Die Kirche muss rasch frei werden von ihren internen Sorgen, damit sie den Blick ganz auf die Welt und die Probleme der Menschen richten kann.“ Der ­BDKJ und das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) unterstützten den Antrag.

Im Laufe der Vorbereitungen und der Synode kam es zu ähnlichen Konflikten wie heute: zwischen Laien und Bischöfen, zwischen Romtreuen und eher kritischen Geistern und auch mit Rom.

Es müssen – besonders für die handelnden Personen – äußerst fordernde Zeiten gewesen sein. Für Kardinal Döpfner, der ja noch die vier Jahre Konzil in den Knochen hatte, war es am Ende zu viel. Fünf Wochen, nachdem die Synodenbeschlüsse veröffentlicht und damit amtlich waren, starb er am 24. Juli 1976 im Alter von nur 63 Jahren.

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