Glauben können

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veröffentlicht am 18.10.2019
Lesezeit: ungefähr 2 Minuten

von Claudia Auffenberg

Bei einem Abendgebet in der Paderborner Innenstadt läuft einem eine alte Bekannte über den Weg. Überall hätte man sie erwartet, aber nicht dort. „Ach, du hier?“ „Ja“, sagt sie, „ich kann zwar nicht glauben, aber dies ist mir wichtig.“

„Ich kann nicht glauben“, diesen Satz hat man in den letzten Jahren öfter gehört und immer in solchen Zusammenhängen, also nie im Sinne von: „Ich brauche deine Kirche nicht“, sondern genau im Gegenteil. Es sind Menschen, die sich für diese Kirche interessieren, weil sie sich eine Gesellschaft ohne sie nicht vorstellen wollen. Weil eben die Kirche (wir gemeinden die evangelische an dieser Stelle mal kurz mit ein) dieser Gesellschaft etwas zu bieten hat, das niemand anderes zu bieten hat: Gott. Na ja, dieses Wort würden die Leute nicht nutzen, vermutlich, weil sie sich dazu nicht autorisiert fühlen. Sie wissen nicht so richtig, was damit gemeint ist, wie man mit diesem Gott umgehen oder eben an ihn glauben soll. Aber sie spüren: Er – oder sie oder es – ist wichtig. Aber: Sie können nicht glauben.

Und nun steht man da mit seinem kurzen, katholischen Hemd, ist irgendwie ratlos und hofft ein bisschen, dass jetzt nicht die Frage kommt: „Und du, kannst du glauben?“ Mal abgesehen davon, dass auch unsereins das Wort Gott nicht so leicht füllen kann, müsste man erst mal in Ruhe darüber nachdenken, ob Glauben eine Sache des Könnens ist und was in diesem Zusammenhang mit Können gemeint ist: etwas Gelerntes oder eine Begabung? Nun, für die nächste Begegnung wappnet man sich mit einer Gegenfrage: „Was bedeutet das, dass du nicht glauben kannst?“ Bis dahin ist Zeit zum Nachdenken. Insgeheim ist man fast schon so weit zu sagen, dass es aus Gottes Sicht egal ist, ob jemand das kann oder nicht. „Du bist ja da, bist in seiner Nähe, das reicht“, könnte man sagen.

Aber es könnte sein, dass dem anderen das nicht reicht. Und das wäre auch irgendwie beneidenswert.

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