21.03.2019

Zusammen mehr bewegen

„Clash of cultures“: Bei den Vorstellungen Jugendlicher und den kirchlichen Strukturen „treffen Welten aufei­nander“, die manchmal nur wenig mitei­nander zu tun haben. Foto: pdp

Bielefeld/Erzbistum (pdp). Glaube und Kirche sind für viele Menschen zwei verschiedene Dinge: auf der einen Seite der Glaube an Gott, auf der einen Seite die Institution. Wie gehen junge Erwachsene damit um? Was beschäftigt sie? Vor allem: Was wünschen sie sich von einer zukunftsfähigen Kirche? Diese und weitere Fragen wurden beim Forum Junge Erwachsene im Lokschuppen Bielefeld diskutiert.

Das Organisationsteam von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Erzbistums hatte dazu alle interessierten jungen Erwachsenen eingeladen. Rund 40 Personen aus dem Ruhrgebiet, Ostwestfalen-­Lippe und dem Sauerland folgten der Einladung.
„Ihr lasst euch heute auf ein Abenteuer ein“, sagte der Jugendforscher und Moderator der Veranstaltung, Simon Schnetzer, in seiner Begrüßung. Beim „Open Space“-­Format gebe es kein vorgefertigtes Programm. Die Inhalte bestimmen die Teilnehmenden selbst. 
Koordinatorin und Jugend­referentin Hannah Ax erläuterte: „Wir wollen nichts vordenken, sondern Raum schaffen für Diskussionen über Themen, Wünsche, Ideen und Anliegen in, um und mit Kirche.“
 
Kritisch und konstruktiv sind die Themen schließlich, die die Teilnehmerinnen und Teilnehmer entwickeln und diskutieren. Sie sprechen über Glaubwürdigkeit und Machtmissbrauch, Partizipation und Laienpastoral, Öffentlichkeitsarbeit und Vernetzung, Traditionen und progressive Denkansätze. „Wir wollen mutig sein und offen weiterdenken“, sagt eine Teilnehmerin während einer der Sessions.
Während der Gespräche in Kleingruppen kommen Fragen auf wie: Was will Kirche? Gesellschaftlich relevant sein. Wie wünschen wir uns die Kirche? Dazu einige Antworten: „Als Wegweiser statt Richtungsvorgeber. Sie soll missionarisch tätig sein und gleichzeitig offen für neue Denkanstöße. Sie soll Werte für das eigene Leben vermitteln und dabei historisch gewachsene Regeln hinterfragen.“
„Wir wollen gemeinsam eine Bewegung starten, Kirche zusammen zu gestalten“, so Hannah Ax. Sie betont: „Was hier heute passiert, soll nachhaltig sein.“
 
Gegen Ende der Veranstaltung kommen die „Ausblickgebenden“ zu Wort. So bezeichnet das Organisationsteam die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Erzbistums, die Stellung zu den Wünschen und Ideen nehmen. Ihre Aufgabe: Sinnbildlich „morgen“ und spätestens bis zum diözesanen Forum 2020 sollen sie konkrete Maßnahmen initiieren.
Die Antworten der „Ausblickgeber“ sind ausführlich. „Ich hoffe, ich mache in meinem Beruf als Jugendreferent ohnehin qualitativ hochwertige Angebote“, sagt Dekanatsjugendreferent Felix Leifeld aus Büren-Delbrück. Jugend­exerzitien sind eines seiner nächsten Projekte. Stefan Kaiser, Gemeindereferent in Dortmund, schlägt vor, in Pastoralvereinbarungen ein Zeitkontingent in Sachen „Arbeit für junge Erwachsene“ festzuhalten. „So können sie die Unterstützung, die sonst im Gemeindealltag manchmal zu kurz kommt, besser einfordern.“ Holger Drude, unter anderem zuständig für die Ministrantenarbeit im Erzbistum, stellt fest: „Viele der hier angefragten Angebote gibt es bereits – es wissen nur zu wenige Menschen davon.“ Darum möchte er die Vernetzung verschiedener Akteure unterei­nander und den Informationsfluss stärken.
„Das Forum Junge Erwachsene ist eine gute Gelegenheit, sich mit anderen jungen Menschen über die Mitgestaltungsmöglichkeiten in der Kirche auszutauschen“, findet Denis Smolarek aus Iserlohn. Er wolle mit konstruktiver Kritik die Zukunft der Kirche mitentwickeln, sagt sein Bruder Benjamin. Der 21-Jährige empfindet die Kirche derzeit als zu konservativ. Messdienerkollege Max Ullmann resümiert: „Wenn wir uns jetzt nicht engagieren, ist die Kirche für uns nicht zukunftsfähig.“
 
Johanna Blumenroth ist aus dem benachbarten Bistum Osnabrück angereist. Die 23-Jährige hat für das Studium die Heimatstadt Castrop-Rauxel verlassen. Das Forum Junge Erwachsene nutzt sie, um ihren Wünschen an die Kirche Gehör zu verschaffen. „Wir brauchen mehr Angebote für Menschen zwischen 20 und 40“, sagt sie.
Wer nicht in Studierendengemeinden aktiv sei oder später durch die Familiengründung wieder in der Gemeinde lande, gehe der Kirche oft verloren. Am Ende der Veranstaltung zeigt sie sich motiviert: „Es ist schön zu sehen, dass andere junge Menschen ähnliche Visionen haben.“ Jedes Bistum müsse Formate wie dieses durchführen. „Das könnte die Keimzelle für eine Bewegung sein“, findet sie und kündigt an, dies auch an ihrem Studienort in Osnabrück anzuregen.
„Es war ein wunderbarer, intensiver Tag, an dem begeisterte, mutige Menschen ihre Wünsche und Anliegen im Kontext Kirche mitgebracht, weitergedacht und angestoßen haben“, resümiert Hannah Ax nach der Veranstaltung. Nun gelte es, den Worten Taten folgen zu lassen.
 

 

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