Es ist Zeit, zu handeln

Pflegedienste im Altkreis Brilon klagen über Notstand in der ambulanten Pflege

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Kritisieren den Notstand in der Pflege (von links): Karen Mendelin (Fachbereichsleiterin Caritas Alten- und Krankenhilfe ambulant Brilon), Meik Lottmann (stellvertretender Pflegedienstleiter Sozialstation Brilon) Anja Vorderwülbecke (Geschäftsführerin PAPS), Meike Droste (Pflegedienstleiterin Mobi Care Brilon) und Monika Lahme (stellvertretende Pflegedienstleiterin Mobi Care Brilon).
veröffentlicht am 11.01.2018
Lesezeit: ungefähr 3 Minuten

Brilon. Pflegebedürftige Menschen und ihre Angehörigen suchen oft Hilfe bei Pflegediensten. Doch diese sind zunehmend überlastet. Denn die Patientenzahlen steigen, die Zahl der Pflegekräfte nimmt aber ab. Darüber beklagt sich der Caritasverband Brilon. Drei der sechs Caritas-­Sozialstationen im Altkreis Brilon könnten derzeit keine neuen Pflegen mehr annehmen, sagt Fachbereichsleiterin Karen Mendelin.

„Wir sind besorgt“, sagt Karen Mendelin, die für die ambulante Alten- und Krankenhilfe bei der Caritas Brilon verantwortlich ist. Vor allem in der ambulanten Pflege fehlen Kräfte. Zu den Sozialstationen, die derzeit keine Pflegen mehr annehmen, gehöre auch die Sozialstation Brilon. „Unsere Mitarbeiter gehen bis an ihre Belastungsgrenzen.“ Bei dem Pflegedienst PAPS sieht es ähnlich aus. Und auch der Pflegedienst Mobi Care hat nur noch wenige Ressourcen, Brilonern mit Pflegebedarf körperbezogene Hilfestellungen zu geben oder Behandlungspflege durchzuführen.

Das Ungleichgewicht zwischen dem Bedarf an Pflege und dem Angebot an Pflegekräften werde nun überdeutlich und spürbar für diejenigen, die akut oder langfristig Hilfe bei vielfältigen Alltagsverrichtungen benötigen – wie zum Beispiel bei der Körperpflege, beim Kleiden, bei der Nahrungsversorgung, ebenso wie bei der Wundversorgung, Medikamentengabe oder Kompressionstherapie. Der Bedarf an Pflege wächst unaufhaltsam und der Bedarf an qualifiziertem Personal insbesondere für die häusliche Pflege steigt stetig, ist aber faktisch nicht zu decken. Der Pflegenotstand ist Realität geworden – auch im Altkreis Brilon.

Verantwortlich für die Sicherstellung der Pflege sind die Kranken- und Pflegekassen der versicherten Pflegebedürftigen. Die politisch Verantwortlichen sorgten dafür, dass eine Dokumentation verlangt werde, die übermäßig sei, auch wenn mit Verschlankung geworben werde, kritisiert die Caritas Brilon. Geld und auch Zeit, die besser in und am Menschen investiert werden sollte. „Das muss sich ändern“, fordern die Mitarbeiter der Pflegedienste unisono. „Als Pflegedienste möchten wir eine optimale Versorgung sicherstellen, aber die Rahmenbedingungen sind schlecht.“

Bei allen Nebenschauplätzen ist der Pflegepersonalmangel das Hauptproblem – trotz hoher Ausbildungsinitiative. Die Lösung für den personellen Notstand besteht in der Ausbildung neuer Pflegekräfte, aber insbesondere in der Verbesserung des Images. „Wir wollen, dass für eine gute Ausbildung und ein besseres Image unseres Berufes gesorgt wird“, appellieren die Pflegeexperten.

Die Qualität der Pflege ist gut und der Pflegebedürftige erhält eine individuelle und abgestimmte Hilfe. Aber es geht nicht allein um die Qualität der Pflege und das hohe Engagement der Mitarbeiter in der Pflege und Betreuung, sondern darum, ob jetzt und in Zukunft überhaupt noch eine Pflegekraft Unterstützung anbieten kann.

Generalisierende Bericht­erstattungen über schwarze Schafe im Pflegesektor vor allem in den Ballungszentren und die Misstrauenskultur der Kranken- und Pflegekassen führen zu überbordenden Prüfungen, unter denen die sorgsam und gewissenhaft arbeitenden Dienste zu leiden haben.

„Mit Blick auf die anstehenden Koalitionsbildungen und den damit verbundenen Sondierungsgesprächen möchten wir unsere heimischen Abgeordneten dafür sensibilisieren, dass das Thema Pflege als zen­trales Zukunftsthema fokussiert werden muss und auch dass die Wahlversprechen wachgehalten werden“, sagt Heinz-Georg Eirund, Vorstand des Caritasverbandes Brilon. Dazu haben die Pflegeprofis die heimischen Politiker mit einem persönlichen Brief zu einem Gespräch eingeladen, um die Situation in der Pflege umfassend darzustellen.

Lesen Sie dazu auch hier den Kkommentar von Matthias Nückel

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