Kein Personal für neue Patienten

Wohlfahrtsverbände warnen im Gespräch mit dem Bundestagsabgeordneten vor Pflegekrise

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Die Themen Migration und vor allem Pflege standen auf der Tagesordnung des Gespräches der Wohlfahrtsverbände mit Carsten Linnemann. Foto v. l.: Jürgen Grosser (Geschäftsführer Bildungszentrum St. Johannisstift), Ulrich Brüll (DRK-Kreisgeschäftsführer), Jutta Vormberg (Vorstand Diakonie Paderborn-Höxter), Ursula Hoentgesberg (Geschäftsführerin AWO-Kreisverband Paderborn), Carsten Linnemann (MdB), Bernd Horenkamp (DRK-Kreisgeschäftsführer), Jan-Philipp Krawinkel (Kreisgruppengeschäftsführer Der Paritätische), Patrick Wilk (Vorstand Caritasverband Paderborn). Foto: Flüter
veröffentlicht am 09.11.2017
Lesezeit: ungefähr 3 Minuten

Paderborn. Auch im Kreis Paderborn ist der Pflegenotstand offenbar Realität geworden. Vor allem in der ambulanten Pflege fehlen Pflegekräfte. Das berichteten Vertreter der Paderborner Wohlfahrtsverbände während eines Treffens mit dem heimischen Bundestagsabgeordneten Dr. Carsten Linnemann (CDU).

von Karl-Martin Flüter

Bei dem aktuellen Termin ging es um das Thema Migration und dabei um die Frage des Familiennachzuges und die Fortsetzung der Finanzierung von Integrationseinrichtungen durch den Bund. Beherrscht wurde das Gespräch jedoch von der aktuellen Situation der Pflege.

Der Paderborner Caritas-­Vorstand Patrick Wilk berichtete, dass zehn von insgesamt zwölf Caritas-Sozialstationen im Kreis Paderborn zurzeit keine Pflegen annehmen können. Das ist durchaus repräsentativ für die Situation im Kreis, denn die Caritasverbände in Paderborn und in Büren sind die größten Anbieter für häusliche Pflege im Paderborner Land. Es sei bekannt, dass einige private Pflegedienste bereits geschlossene Pflegeaufträge wieder kündigten, schilderte Patrick Wilk die Lage. Betroffene Patienten hätten sich hilfesuchend an die Caritas gewandt.

Die Lösung für diesen personellen Notstand besteht in der Ausbildung neuer Pflegekräfte, aber auch in der Verbesserung des Images der Pflege, meinten die Vertreter der Verbände. Die hohe Qualität vieler Pflegeeinrichtungen, die gut aufeinander abgestimmten Pflegesysteme und das Engagement der Beschäftigten werde in der Öffentlichkeit nicht gewürdigt, hieß es. Die Medien berichteten vor allem über Skandale.

Es herrsche auch in den Pflegekassen eine „Misstrauenskultur“, die eine überbordende Bürokratie zur Folge hat. So muss in der ambulanten Pflege alles per EDV und zusätzlich per Handakte dokumentiert werden: ein doppelter Aufwand, der Zeit kostet, die sonst für die Pflege aufgewendet werden könnte.

Die Situation der Pflegeausbildung erläuterte Jürgen Grosser, Geschäftsführer des Bildungszentrums im St. Johannisstift. Er appellierte an Carsten Linnemann, sich für die konsequente Umsetzung der generalistischen Ausbildung einzusetzen. Diese steigere die Attraktivität des Pflegeberufes und erweitere die Einsatzfähigkeit der Pflegekräfte. Der Ansatz einer einheitlichen Ausbildung werde jedoch im gerade verabschiedeten Pflegeberufegesetz durch Kompromisse verwässert.

Die Widersprüchlichkeit der aktuellen Situation erlebt Grosser jedes Jahr aufs Neue, wenn die Bewerbungsgespräche stattfinden. Die Bewerberzahlen in der Gesundheits- und Krankenpflege sind deutlich höher als in der Altenpflege. Gäbe es die generalistische Ausbildung bereits, so Grosser, könnten viel mehr Auszubildende für beide Pflegebereiche angenommen werden.

Das Gespräch zwischen den Fachleuten und dem Bundestagsabgeordneten verlief lösungsorientiert, auch weil Carsten Linnemann seine Einschätzung formulierte, das Thema Pflege könne ein thematischer Schwerpunkt der neuen Regierung werden: „Angela Merkel ist für das Thema sensibilisiert.“

Der Paderborner Bundes­tags­abgeordnete will in Berlin die Möglichkeiten einer bundesweiten Imagekampagne für die Pflege eruieren. Weitere Details konnte er zu Beginn der Koalitionsverhandlungen nicht nennen. Auch deshalb wollen sich die Vertreter der Verbände und Linnemann in absehbarer Zeit erneut treffen. Vor allem das Thema Pflege hat das Potenzial, zum Dauerbrenner der neuen Legislaturperiode zu werden.

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