Und werktags?

Wie man als Politiker glaubwürdig Christ sein kann

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Feste Wurzeln braucht der Mensch. Foto: ranunkelingelb / pixelio
veröffentlicht am 07.07.2017
Lesezeit: ungefähr 3 Minuten

Sonntags ist es relativ einfach, katholisch zu sein. Aber montags, wenn es hinaus ins Leben geht, wird es kompliziert. Wie verhält man sich als Katholik im Alltag? Die Frage stellte sich in den vergangenen Wochen mal wieder besonders prominent: Helmut Kohl wurde einerseits als großer und bekennender Katholik gewürdigt, andererseits hat er Wunden in anderen Menschen hinterlassen.

von Claudia Auffenberg

 

 

Das Leben eines Menschen, der Politiker ist, findet weitgehend in der Öffentlichkeit statt, es wird betrachtet und bewertet. Das erfordert ein besonders intensives Nachdenken über Fragen, die eigentlich jeden Christen betreffen: Wie glaubwürdig bin ich? Wofür stehe ich? Wie kann ich katholisch bzw. christlich sein? Heinz Paus war lange Jahre Bürgermeister in Paderborn, davor Mitglied im NRW-Landtag. Heute ist er Präsident des Bonifatiuswerkes der deutschen Katholiken. Darüber, wie man als Politiker glaubwürdig katholisch sein kann, hat er oft nachgedacht.Zum einen sei ihm immer wichtig gewesen, sich der eigenen Unvollkommenheit zu erinnern: „Für mich war klar, dass für meine Positionen kein Absolutheitsanspruch gilt, dass ich immer bereit sein muss, meine Position zu ändern, wenn ein anderer einen besseren Vorschlag hat.“ Geht das? Fängt man sich da nicht sofort den Vorwurf des Umfallers ein? Jeder, sagt Paus, habe doch im Laufe seines Lebens dazugelernt und Positionen verändert, „da muss man eigentlich erwarten, dass das auch bei Politikern der Fall ist.“ Zum anderen war ihm die Art des Streitens wichtig. „Ich bin Geschöpf Gottes, mein Gegenüber ist es auch“, sagt er. Das heißt was? „Dass ich die Grenze zur persönlichen Verletzung, zum Niedermachen, zum Lächerlichmachen nicht überschreite, weil ich dann die Würde des anderen missachte. Und ich erwarte ja für mich auch, dass man so nicht mit mir umgeht.“Wenn man sich bewusst macht, wie oft ein Bürgermeister in der Tageszeitung auftaucht, wie oft abends die Kanzlerin in der Tagesschau durchs Bild läuft, dann bekommt man eine Ahnung vom Terminkalender der Politiker und fragt sich: Wann denken die eigentlich mal nach, gerade über Grundsatzfragen – vom Beten mal ganz zu schweigen? Er habe das morgens auf dem Weg ins Büro gemacht, erzählt Paus, ein kleines Ritual: „Wenn ich am Dom vorbeigekommen bin und das Kreuz gesehen habe, dann habe ich das für ein kleines Gebet genutzt oder um mir durch den Kopf gehen zu lassen: Was steht heute an, was musst du machen, wie gehst du damit um?“ Und dann gibt es sehr wohl die Zirkel und Treffen abseits der Kameras, wo über die großen und bisweilen eben auch persönlichen Fragen gesprochen wird. In Maria Laach zum Beispiel treffen sich regelmäßig katholische Politiker aller Parteien, um miteinander den „Akku aufzutanken“, so nennt es Paus. Insgesamt, so seine Erfahrung: „Wenn man selbst die Wurzeln einigermaßen fest in der Erde hat, dann kann man für andere eher eine Stütze sein.“ Und dann kann man sich trauen, Verantwortung zu übernehmen – nicht nur in der Politik.D

 

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