Die Erlaubnis zu scheitern

Der Schweizer Theologe Pierre Stutz ruft dazu auf, „an durchkreuzten Hoffnungen zu wachsen“

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Pierre Stutz beim Besinnungstag in Bad Oeynhausen.
veröffentlicht am 23.06.2017
Lesezeit: ungefähr 2 Minuten

Bad Oeynhausen. „Bäume bekommen im Herbst keine Sinnkrise, wenn sie alle Blätter verlieren.“ Mit diesem Bild ermutigte der Schweizer katholische Theologe und Autor Pierre Stutz die rund 40 Teilnehmer, die zum Besinnungstag ins katholische Gemeinde­haus St. Peter und Paul in Bad Oeynhausen gekommen waren. Das Thema lautete: „Beherzt leben: Vom Glück der Unvollkommenheit“.

„Wenn wir uns als Menschen von Zeit zu Zeit zurücknehmen, können wir mit voller Kraft wieder da sein“, sagte der spirituelle Autor und Begleiter aus Lausanne. Heute gelte dagegen das Motto, nur wenn man ständig überfordert sei, finde man Anerkennung. Befreiend sei deshalb eine Grundhaltung, die uns Menschen erlaube, „scheitern zu dürfen und unvollkommen zu bleiben als hohes Ideal echter Menschwerdung“.

Dazu gehöre auch ein verantwortlicher Umgang mit Gefühlen wie Ärger und Wut. Es gehe nicht darum, sich solche Gefühle zu verbieten. Entscheidend sei vielmehr, sich solche Gefühle zu erlauben und ihren berechtigten Grund zu sehen, ohne jedoch andere Menschen zu verurteilen oder mit Gleichgültigkeit zu reagieren, stattdessen mit Entschlossenheit und Mut. Österliche Spiritualität bedeute, Widerstand nicht gegen etwas, sondern für etwas zu leisten.

Am Abend zuvor hatte ­Pierre Stutz in einem Vortrag in der evangelischen Auferstehungskirche in Bad Oeynhausen sieben Ermutigungen bezogen auf die je eigenen Lebensthemen formuliert. Als Christ sei es wichtig, „an durchkreuzten Hoffnungen zu wachsen und Unmögliches zu wagen“, betonte Stutz. Darin bestehe für ihn auch die Botschaft vieler Filme, dass Menschen lernen, ihrem Weg zu trauen und am Schweren in ihrem Leben zu reifen. Dazu zeigte er zwei kurze Filmsequenzen, darunter einen Ausschnitt aus dem Filmdrama „Kirschblüten-Hanami“ von Doris Dörrie von 2008. Diese Szene, in der der schwer kranke Rudi mit seiner verstorbenen Frau zusammenfindet, zeige, dass wir nicht nur im Leben, sondern auch im Sterben in Gott hineingegeben sind.

Beide Veranstaltungen waren Teil der Veranstaltungs­reihe „ÖKUMENISCH im ­Reformationsjahr 2016 – 2017 ­UNTERWEGS“, zu denen das Amt für Mission, Ökumene und Weltverantwortung, das Dekanat Herford-Minden und das Evangelische Erwachsenenbildungswerk Westfalen und Lippe gemeinsam eingeladen hatten.

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