Der Tod ist nicht privat

Geistlicher Glaubensimpuls

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Melaten: Das Grabmal Johann Christoph Winters, dem Begründer des Kölner Hänneschen-Theaters. Foto: Auffenberg
veröffentlicht am 13.04.2017
Lesezeit: ungefähr 2 Minuten

Gelegentlich macht auch der Ostwestfale an sich mal einen Ausflug nach Köln, wo es ja einen recht eindrucksvollen Dom und einen unbedingt sehenswerten Friedhof gibt: Melaten. In dieser Jahreszeit, in der die Vögel inbrünstig vom Wiedererblühen des Lebens singen, sind Friedhöfe eh wunderbare Orte.

von Claudia Auffenberg

Auf dem Melaten-Friedhof gibt es eine Art Hauptstraße, vom Kölner auch gern „Millionenallee“ genannt. Dort liegen die ehemals Wichtigen und Reichen in großen und bisweilen ziemlich opulenten Familiengräbern. Manche Tote kennt man, Guido Westerwelle zum Beispiel. An seinem Grab zu stehen, ist berührend, weil auf einmal eine Nähe entsteht, die zu seinen Lebzeiten nicht möglich gewesen wäre. Und nun liegt er dort und man selbst steht da und würde ihn duzen, wenn es noch Gelegenheit gäbe. Westerwelles Grab ist groß, aber bescheiden im Vergleich zu den anderen, vor allem der großen Dynastien: Einerseits wundert man sich über den Geltungsdrang, der die Bedeutung des Toten noch betont, wenn selbiger längst zu Staub zerfallen ist, andererseits: ­Familiengräber haben auch was! Mit einer Selbstverständlichkeit, die unserer Zeit gerade abhandenkommt, wird kundgetan, dass hier Menschen begraben sind, die von Bedeutung waren und an die zu erinnern es sich lohnt. Es wird kundgetan, dass der Tod eines Menschen keine private Angelegenheit, sondern im Grunde doch ein öffentliches Ereignis ist, ein schwerwiegender Eingriff in das Leben vieler anderer, mit dem diese irgendwie umgehen müssen.

Warum machen wir das eigentlich zunehmend anders? Warum beerdigen wir mehr und mehr in aller Stille, ohne Beileidsbekundungen am Grab, ohne Beerdigungskaffee oder anonym? Was tun wir uns da an? Als ob wir Menschen wären, an die zu erinnern sich dereinst nicht lohnen wird; um die nicht in Gemeinschaft, nicht öffentlich getrauert zu werden braucht. Das hieße doch, dass wir jetzt schon, noch zu unseren Lebzeiten, unbedeutend sind für die Gesellschaft. Ist das so? Das wäre wahrhaft ein Albtraum!

Und jetzt zu Ostern kommt noch ein ganz anderer Aspekt hinzu. Um es mit einem biblischen Bild zu formulieren:

Wer kein Grab aufsuchen kann, kann auch kein leeres entdecken.

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