Widerfahrene Lebenszeit

Vom Umgang mit der Krankheit

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Warten auf Godot? Nicht unbedingt... Foto: Dieter Bauer / pixelio
veröffentlicht am 10.02.2017
Lesezeit: ungefähr 2 Minuten

Wozu sind wir auf Erden? Der sogenannte „Grüne Katechismus“ von 1955 gibt auf die Frage nach dem Sinn des Lebens eine eindeutige Antwort: „Wir sind auf Erden, um Gott zu erkennen, ihn zu lieben, ihm zu dienen und einst ewig bei ihm zu leben.“

von Hartwig Trinn

Als Christ kann ich sagen: Wenn ich versuche, Gott zu erkennen, ihn zu lieben und ihm zu dienen und wenn ich aus der Hoffnung lebe, einmal bei ihm sein zu können, dann ist mein Leben gelungen, dann werde ich glücklich. Was diese Perspektive noch ergänzt, ist die dem allen vorausgehende Wahrheit, dass Gott es ist, der mich zuerst erkennt, mich liebt, mir dient und mich einmal bei sich haben möchte. Also gilt: Gott macht glücklich.

Es wäre demnach wesentliches Ziel eines gelungenen Lebens, glücklich zu werden. Aber widersprechen sich Krankheit und Glück nicht?

Nein, wenn es denn gelingt, Krankheit im Kontext des Glaubens zu deuten und anzunehmen. Dabei kommen häufig die Fragen nach dem Sinn: „Warum das Ganze?“, „Was soll das eigentlich?“, „Hat das denn überhaupt noch Sinn?“ – Im Großen und Ganzen gibt es drei religiöse Sinndeutungen von Krankheit: Krankheit als Strafe für Sünde, Krankheit als Bewährungsprobe für die Festigkeit des Glaubens und letztlich Krankheit als Anteil am Leiden Christi, was dem Kranken eine besondere Würde verleiht: „Christo in Aegrotis“ (Christus ist in den Kranken) steht an der Tür einer Krankenhauskapelle in meiner Nachbarschaft.

Alle drei Sinndeutungen finden wir in der Heiligen Schrift und alle haben oder hatten in der Geschichte mal mehr oder weniger Bedeutung. Festzuhalten bleibt: Gott will nicht die Krankheit.

Aber warum lässt er sie dann zu? Letztendlich bleibt diese Frage offen. Alle Antwortversuche erweisen sich als vorläufig und brechen sich an der Tragik der Wirklichkeit, denn Krankheit ist „widerfahrene Lebenszeit“. []Es scheint aber eine unbestreitbare menschliche Erfahrung zu sein, dass die Annahme und Akzeptanz von Krankheit, selbst wenn sie zum Tode führt, um so eher gelingt, wenn auch das ganze Leben mit seinen Höhen und Tiefen, seinem Licht und Schatten angenommen und akzeptiert wird.

Auszug aus dem neuen Buch von Hartwig Trinn „3×7 Zusagen des Glaubens: Entscheidungen am Krankenbett“, Bonifatius 2017, 9,90 Euro. Der Autor ist Klinikseelsorger und leitet den Bereich Seelsorge und Ethik in der St.-Elisabeth-­Gruppe – Katholische Kliniken Rhein-Ruhr in Herne.

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