Zeichen der Einheit

Seit 2007: gegenseitige Anerkennung der Taufe

kopie_von_01_18_magdeburg
Das Taufbecken im Magdeburger Dom. Foto: KNA.
veröffentlicht am 06.01.2017
Lesezeit: ungefähr 3 Minuten

Aus dem Gefängnis heraus schrieb der Apostel Paulus – oder jemand in seinem Namen – den christlichen Gemeinden in Kleinasien einen grundlegenden Brief über die Kirche. Diese entstand gerade erst und doch gab es schon Grund zur Mahnung

von Claudia Auffenberg

Im vierten Kapitel des Epheserbriefes wird der Verfasser konkret: „Seid demütig, friedfertig und geduldig, ertragt einander in Liebe und bemüht euch, die Einheit des Geistes zu wahren durch den Frieden, der euch zusammenhält. Ein Leib und ein Geist wie euch durch eure Berufung auch eine gemeinsame Hoffnung gegeben ist, ein Herr, ein Glaube, eine Taufe, ein Gott und Vater aller, der über allem durch alles und in allem ist.“

Dieser Appell blieb durch die Jahrhunderte aktuell. Immer wieder stritten die Theologen auch über die Taufe. Vor allem im Zuge der Reformation kam es zu Auseinandersetzungen mit der Sakramentenlehre des hl. Augustinus, teils waren sich auch die Reforma­toren uneinig: Was bewirkt die Taufe und wie? Wie hängen das Wirken Gottes und das Wirken des Täuflings zusammen? Was kann ein Säugling bewirken? Welche Bedeutung hat das Taufwasser? Wenn die Taufe ein Bei­tritts­akt ist, zu was genau tritt man da bei?

Manche Fragen werden von den christlichen Kirchen bis heute unterschiedlich beantwortet, etwa die Frage nach der Säuglingstaufe. Doch eins ist immerhin formell erklärt: die gegenseitige Anerkennung der Taufe. Am 29. April 2007 unterzeichneten Vertreter elf christlicher Kirchen im Dom zu Magedburg eine Erklärung, in der es unter anderem heißt: „Wer dieses Sakrament empfängt und im Glauben Gottes Liebe bejaht, wird mit Christus und zugleich mit seinem Volk aller Zeiten und Orte vereint. Als ein Zeichen der Einheit aller Christen verbindet die Taufe mit Jesus Christus, dem Fundament dieser Einheit. Trotz Unterschieden im Verständnis von Kirche besteht zwischen uns ein Grundeinverständnis über die Taufe.“

Auch wenn die Auswirkungen dieser „Magdeburger Erklärung“ für die Gläubigen vielleicht kaum zu spüren sind, so war dieser Schritt für die ökumenischen Bemühungen immens wichtig. Kardinal Karl Lehmann, seinerzeit Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, sagte damals im Gottesdienst: „Es ist ein großer Schatz, dass die Kirchen in hohem Maß – trotz aller Trennungen – das sakramentale Band der Einheit durch die Taufe erhalten haben. Alle Einheit geht aus der Taufe hervor.“ Zugleich betonte er, die Taufe sei nicht nur Gabe Gottes, die neues Leben verheiße, sondern auch Sendung, dieses zu gestalten: „Die Wirklichkeit des neuen Lebens kann nur dann bewahrt werden, wenn sie in unserem täglichen Lebensvollzug zu immer neuer Wirksamkeit kommt.“ Mit anderen Worten: Welche Bedeutung die Taufe im konkreten Leben eines getauften Menschen hat, muss jeder, sei er oder sie katholisch, evangelisch oder orthodox, ganz persönlich beantworten.

Vielleicht hilft es, darüber miteinander zu sprechen.

Weitere interessante Artikel auf DerDom.de
26.01.2023

 

 

 

 

Wider die Demokratie-Entleerung – Über Gewalt und Vorbeugung

Ein Gespräch mit dem Konfliktforscher Martin Winands über die Gewalt und wie man ihr vorbeugen kann.

weiterlesen
25.01.2023

 

 

 

 

Werler Ministranten – Beten in Blau

Grün an Wochentagen, Violett in der Fastenzeit und Rot an Feiertagen – so kennt man es aus dem Gottesdienst in der eigenen Gemeinde. Die Wallfahrtsbasilika in Werl setzt auf ein ­anderes Konzept und kleidet ihre Messdiener in einer eher selten zu sehenden Farbe.

weiterlesen
24.01.2023

 

 

 

 

Sternsinger: Kleine Menschen – große Wirkung

Rund 20.000 Kinder und Jugendliche nahmen im Erzbistum an der diesjährigen Sternsinger­aktion teil. In diesem Jahr wurde für alle Beteiligten wieder eine Dankesfeier im großen Stil ausgerichtet – mit Gottesdienst, Umzug durch die Innenstadt und Kinobesuch.

weiterlesen