23.12.2016

Die Krippe als Spiegel

Der Lichtträger und die tanzende Maria standen am 2. Advent im Mittelpunkt.Foto: Plamper

Unna. Seit drei Jahren faszinieren in der Kirche St. Katharina verschiedene Krippenprojekte die Besucher. In diesem Jahr hat sich das Krippenteam wieder etwas Besonderes einfallen lassen.

von Elisabeth PlamperDie Krippenfiguren sind lebensgroß und aus Spiegelglas gefertigt. Sie begleiteten die Besucher der „offenen Kirche“ diesmal bereits durch die Adventszeit. Außerdem luden Gottesdienste an den vier Adventssonntagen die Gläubigen ein, sich nicht nur an die biblische Überlieferung der Krippengeschichte zu erinnern, sondern auch die einzelnen Krippenfiguren näher kennenzulernen, ihre Charismen zu entdecken und impulsgebend für sich zu betrachten.

Am 1. Adventssonntag stand – in Bezug auf das vo­rangegangene Christ-König-Fest – der König im Mittelpunkt des abendlichen Gottesdienstes. In Anlehnung an die Liturgie kam er durch den Zelebranten zu Wort: „…so habe ich mich auf den Weg gemacht nach Bethlehem. Und ich bin schon lange unterwegs, da ist es nicht verwunderlich, dass ihr mich am 1. Advent hier (in Unna) findet. Ich habe einen Stern aufgehen sehen und folge ihm.“ Die Predigt ersetzten thematisch passende Psalmen und die Impulse: „Wem folgst du in deinem Leben? Welche Sehnsucht treibt dich an? … Suchst du schon? … Bist du schon angekommen?“

„Wir stellen mit unserem Projekt den Menschen bewusst Fragen und geben Inte­ressierten begleitende Texte und Impulse zu den vorgestellten Figuren an die Hand. Die Menschen haben die Möglichkeit, sich mit der Weihnachtsbotschaft auf eigene Weise auseinanderzusetzen“, erläuterte Ludger Büngener vom Krippenteam. Ziel sei, auch in der Adventszeit drei Gruppen anzusprechen: Zum einen die regelmäßigen Kirchgänger in Unna mit den heiligen Messen an den Adventssonntagen, zum zweiten die „Laufkundschaft“, die zur „offenen Kirche“ mal kurz vorbeischaue oder längere Zeit  dort verweile, und drittens Menschen, die es wagten, neue Wege zu gehen, ihren christlichen Glauben weiterzutragen.

Zu den Letzteren zählt sich auch das Krippenteam. „Wir machen das Krippenprojekt für uns und für die Gemeinde und ich freue mich, dass ich daran teilhaben kann“, sagte Andrea Stemriede. Ihr sei es wichtig, vom Glauben zu erzählen und ihn zu teilen. „Was bedeutet Gottes Botschaft für mich?“ Diese Kernfrage stelle sie sich nicht nur selbst, sondern möchte diese auch an andere weitergeben.

„Das Krippenprojekt ist ein spiritueller und geistlicher Zugang zu Weihnachten“, ist sich Stefan Wallek sicher. Der Vikar zelebrierte den Gottesdienst am 2. Adventssonntag. Diesmal hatte das Krippenteam Johannes den Täufer und einen Hirten in den Mittelpunkt der Betrachtung gestellt. Das Leitwort lautete: „Kehrt um! Macht euch bereit“. Der Seelsorger erzählte zunächst vom Leben und Wirken des Johannes. Mit einem Bein im Alten Testament und mit dem zweiten im Neuen Testament sei Johannes „Prophet, Wegzeichen, Wegweiser, Rufer und Mahner in der Wüste“. Den Bezug zur Gegenwart schlugen die Fragen: „Bin ich Zeichen und Zeuge für den, der in die Welt gekommen ist? Woran können die Menschen erkennen, dass ich Christ bin? Wie nehme ich meine Berufung wahr? Welche Talente und Charismen setze ich zum Aufbau des Reiches Gottes ein?“

Das reizvolle an dem Projekt sei, dass die Krippeninstallation, wie sie letztendlich an Heiligabend präsentiert werde, sich über die Adventszeit Schritt für Schritt der Bedeutung der Geburt Jesu nähere und den Bogen zur Gegenwart schlage. Dabei bringe jeder der Teilnehmer seine Fähigkeiten ein. So wie beispielsweise Andreas Neumann, der die Krippenfiguren aus Spiegel­glas entworfen hat. „Es ist ein interessantes Projekt und ich bin gespannt, wie es am Ende aussieht.“

Am 3. Adventssonntag rankten sich die Fragen „Wie halte ich es mit den Überlieferungen unseres Glaubens? Sind die Erzählungen der Bibel für mich Quelle des Trostes, der Hoffnung. Erwarte ich von Gott kommend das Heil für die Welt?“ – um Maria. Die Spiegelfigur stellt die Gottesmutter freudig tanzend mit einem Tamburin in der Hand dar. „Meine Sehnsucht, unsere Sehnsucht wird erfüllt!“ Ihr Ausruf wird zum Impuls, für den nächsten Zeitsprung in das Hier und Jetzt. „Wie drücke ich meine Freude aus? … Kann ich ausgelassen sein? … Erfüllt das Evangelium, die Frohe Botschaft, mich ganz? … Was lässt mich tanzen und jubeln?“

Auch am 4. Advent lernten die Teilnehmer beim abendlichen Gottesdienst weitere Figuren aus der Weihnachtsgeschichte kennen. An Heiligabend um 22.00 Uhr in der Christmette bestimmt die komplette Krippeninstallation den geistlichen Leitgedanken.  

Gespannt dürfen auch alle Besucher auf die Krippenin­stallation sein, die an Weihnachten und an den Tagen danach den Weg in die Unnaer Kirche St. Katharina finden, dem wohl bekanntesten pastoralen Ort im Zentrum der Kreisstadt, der nicht nur Christen, sondern nachweislich auch Kirchenferne nachhaltig in seinen Bann zieht. Denn die Krippeninstallation besticht auch als faszinierendes Kunstwerk, das als ein – vom Erzbistum Paderborn unterstütztes – innovatives Projekt entstand.

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