Der gegen Schädlinge kämpft

Der heilige Pirmin

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Das ist nicht der hl. Pirmin, sondern ein Träger seines Namens: Pirmin Spiegel, der Hauptgeschäftsführer von MISEREOR. Und als solcher ist er in gewissem Sinne damit beschäftigt, die Welt zu einem besseren, freundlicheren Ort zu machen und das Übel zu vertreiben. Foto: MISEREOR
veröffentlicht am 28.10.2016
Lesezeit: ungefähr 3 Minuten

Er betritt einen Ort und sofort verschwinden alle Schädlinge und Kriechtiere. Gemeint ist hier kein besonders eindrucksvoller Kammerjäger, sondern der heilige Pirmin.

von Lena Maull

Als er 724 die Bodenseeinsel Reichenau erreichte, um dort ein Kloster zu gründen, sprudelte eine Quelle auf, wo er die Insel betrat und alle schädlichen Schlangen, Kröten und Insekten schwammen über den See davon. Die Insel war gesäubert und Pirmin konnte das Kloster Mittelzell aufbauen, welches bis ins Jahr 1802 bestand und 2001 neu besiedelt wurde.

Mittelzell ist nicht das einzige Kloster, das der heilige Pirmin während seines Wirkens gründen konnte. Er wurde vermutlich um 690 in Irland geboren, 720 zum Wanderbischof geweiht und zur Mission an den Oberrhein gesandt. Sowohl in deutschen als auch in französischen Gebieten missionierte der Heilige und gestaltete ein klösterliches Leben in Anlehnung an die Regel des heiligen Benedikt. Er sah das Leben als eine ständige Wallfahrt ohne weltliche Bindungen und setzte sich für eine klösterliche Unabhängigkeit vom jeweiligen Ortsbischof ein. Selbst fungierte Pirmin als Abt im Kloster von Murbach, später in Hornbach. Nicht nur seine neu gegründeten Klöster machten ihn bekannt, sondern auch seine Reformen in bereits bestehenden Klöstern, denen er somit half, wieder mehr Einfluss als geistliche Zentren zu erlangen.

Auf Pirmin ist außerdem die Schrift „De singulis libris canonicis scarapsus“ („Auszug aus den einzigartigen kanonischen Büchern“) zurückzuführen, die das apostolische Glaubensbekenntnis beinhaltet, eine erste Überlieferung unseres heutigen Glaubensbekenntnisses. In Pirmins Version sitzen die Jünger Jesu an Pfing-sten zusammen, als sie vom Heiligen Geist erfasst werden und nacheinander zu reden beginnen. Dabei spricht jeder Apostel einmal, mit Ausnahme von Thomas, der zwei Sätze sagt und somit die Auferstehung Christi besonders hervorhebt. Auch nach seinem Tod am 3. November 753 in Hornbach (heute in Rheinland-­Pfalz) zeigten sich weiterhin Spuren seines Wirkens in den von ihm betreuten Klöstern. Insbesondere das Kloster Mittelzell inmitten des Bodensees entwickelte sich zu einem Schulzentrum, das seinesgleichen suchte. Zahlreiche Gelehrte absolvierten ihre Ausbildung auf Reichenau und das Kloster wurde zum geistigen Zentrum des Reiches Karls des Großen und der Ottomanen, wobei seine Berühmtheit auch auf die große Kunst bei der Herstellung von Handschriften zurückzuführen war. Pirmin wurde bereits früh als Heiliger verehrt und seine Reliquien wurden aus Hornbach zunächst nach Speyer und dann nach Innsbruck überführt. Heute sind auch Reliquien im österreichischen Mondsee und in der nach ihm benannten Stadt Pirmasens aufbewahrt.

Bis heute wird Pirmin als Schutzpatron gegen Schlangen verehrt. Wer die seit 2000 mit dem Kloster Mittelzell als UNESCO-Weltkulturerbe angesehene Bodenseeinsel Reichenau besucht, muss also keine Angst vor unangenehmen Begegnungen haben.

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